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Studiendaten Corona-Impfstoff von Curevac enttäuscht: Finale Analyse bestätigt niedrige Wirksamkeit

Impfstoff von Curevac enttäuscht
Der Tübinger Impfstoffkandidat von Curevac galt lange als vielversprechend. Die Wirksamkeit aber lässt im Vergleich zu anderen Vakzinen zu wünschen übrig.
© Frank Hoermann/SVEN SIMON/ / Picture Alliance
Auf den Impfstoffkandidaten des Unternehmens Curevac wurde viel Hoffnung gesetzt. Aber das Vakzin kann mit der Konkurrenz nicht mithalten. Die finale Analyse bestätigte jetzt, was bereits im Raum stand: Die Wirksamkeit gegen das Coronavirus ist niedrig. 

In der Zwischenanalyse hatte es sich bereits abgezeichnet, nun haben die finalen Studienergebnisse Gewissheit gebracht. Der deutsche Impfstoff der Tübinger Firma Curevac kann gegen das Coronavirus nicht so viel ausrichten wie die anderen Vakzine. Die Wirksamkeit ist vergleichsweise niedrig und liegt bei nur 48 Prozent. In Deutschland wird der Impfstoff daher auch 2022 keine Rolle spielen. Der Bund setzt in der weiteren Pandemiebekämpfung auf die Konkurrenzprodukte.

Laut abschließenden Auswertungen zeige der Impfstoff von Curevac "in allen Altersgruppen über 15 Virusvarianten hinweg" insgesamt eine Wirksamkeit von 48 Prozent gegen Covid-19-Erkrankungen jeglichen Schweregrades, teilte das Tübinger Unternehmen am späten Mittwochabend mit. Eine signifikante Schutzwirkung gegen eine Corona-Infektion sei bei Studienteilnehmern im Alter von 18 bis 60 Jahren mit 53 Prozent festgestellt worden. In dieser Altersgruppe schütze das Vakzin mit einer Wirksamkeit von 77 Prozent gegen einen moderaten und schweren Krankheitsverlauf und biete eine hundertprozentige Schutzwirkung vor einem Krankenhausaufenthalt oder einem tödlichen Verlauf der Infektion.

Bund plant ohne Impfstoff von Curevac weiter

Vor zwei Wochen hatte Curevac die Wirksamkeit seines Impfstoffkandidaten CVnCoV auf Grundlage von vorläufigen Auswertungen der sogenannten Phase 2b/3-Studie auf 47 Prozent beziffert. Die Reaktionen folgten sofort. An der Börse kam es zu einem deutlichen Rückgang des Kurses, auch Politiker zeigten sich enttäuscht. Noch im April hatte das Unternehmen angegeben, auf eine Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) im Mai zu hoffen. Die Bundesregierung plante daraufhin bereits für das zweite Quartal 2021 die ersten Impfungen mit dem Curevac-Vakzin ein. 

Davon ist jetzt keine Rede mehr. In den Impfstoff-Einkäufen für 2022 spielt das mRNA-Vakzin aus Tübingen keine Rolle. Laut dem "Handelsblatt", das aus einem Bericht des Gesundheitsministeriums zitierte, will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fürs kommende Jahr mehr als 200 Millionen Corona-Impfdosen beschaffen. Curevac steht demnach nicht auf der Einkaufsliste.

Cornoa-Impfstoff: Curevac-Studie läuft in Tübingen

Im Vergleich zur Wirksamkeit anderer, bereits zugelassener Impfstoffe fällt CVnCoV deutlich ab. Die anderen mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind mit einer Wirksamkeit von etwa 95 Prozent fast doppelt so effektiv. Als möglicher Grund für die geringere Wirksamkeit gilt unter anderem die niedrigere Dosierung des Curevac-Impfstoffs.

Dennoch gibt sich das Unternehmen selbst weiterhin überzeugt vom entwickelten Produkt. In der finalen Analyse habe sich gezeigt, "dass CVnCoV einen wertvollen Beitrag für die öffentliche Gesundheit leisten kann, wenn Studienteilnehmer zwischen 18 und 60 Jahren vollständig vor einem Krankenhausaufenthalt oder Tod sowie mit einer Wirksamkeit von 77 Prozent vor einem moderaten und schweren Krankheitsverlauf geschützt werden", wie der Curevac-Vorstandsvorsitzende Franz-Werner Haas am Mittwoch erklärte. Das Unternehmen strebt weiterhin eine Zulassung des Impfstoffs bei der EMA an.

tpo AFP

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