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Foodwatch-Studie: Verbraucherschützer warnen vor Uran im Leitungswasser

In 13 von 16 Bundesländern ist das Trinkwasser zu hoch mit Uran belastet, kritisiert Foodwatch. Bereits 2008 prangerten die Verbraucherschützer den Missstand an, einen gesetzlichen Grenzwert gibt es immer noch nicht.

Im August 2008 hatte die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch erstmals vor überhöhten Uranwerten in deutschem Leitungswasser gewarnt. Mehrere Tausend Wasserproben wurden untersucht, mit dem Ergebnis, dass jede achte im kritischen Bereich über zwei Mikrogramm Uran pro Liter lag. Neue Untersuchungen zeigen nun, dass sich seitdem offenbar nicht viel geändert hat: Auch in 2009 enthält jede achte von insgesamt 5000 Proben mehr als zwei Mikrogramm Uran. Dies ist ein Grenzwert für in Flaschen abgefülltes Mineralwasser, damit er den Zusatz "geeignet zur Zubereitung von Säuglingsnahrung" tragen darf.

Für Leitungswasser gibt es einen solchen Grenzwert bisher noch nicht. Die Bundesregierung diskutiert zwar seit längerem darüber, zehn Mikrogramm Uran pro Liter Wasser als zulässigen Höchstwert festzuschreiben, geschehen ist dies bis heute aber nicht. Bisher ist es nur ein unverbindlicher behördlicher Leitwert.

In manchen Bundesländern wie Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz fanden die Tester teilweise Werte von mehr als zehn Mikrogramm Uran pro Liter. Der höchste Wert stammt aus Aidhausen in Bayern: 23,3 Mikrogramm wurden dort gemessen. Nur in Berlin, Bremen und Hamburg blieben alle Werte unter zwei Mikrogramm. Die Daten für die einzelnen Regionen hat Foodwatch im Internet veröffentlicht.

Diskutierter Grenzwert ist zu hoch angesetzt

Die Verbraucherschützer kritisieren aber nicht nur die Untätigkeit der Regierung, sondern auch den diskutierten Grenzwert. Sie berufen sich auf eine Untersuchung der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa, die zu dem Schluss kam, dass auch bei Uranwerten von deutlich unter 10 Mikrogramm vor allem für Säuglinge und Kleinkinder Gesundheitsrisiken wie schwere Nierenschädigungen nicht auszuschließen seien. Die Bundesregierung ignoriere die Einschätzung der Efsa - und verletze damit ihre gesundheitliche Fürsorgepflicht gegenüber den Bürgern, kritisiert Foodwatch.

Uran ist ein leicht radioaktives Schwermetall. Für den Menschen ist aber nicht die Strahlung so gefährlich, sondern vielmehr seine chemische Zusammensetzung: Es ist höchst giftig. In hohen Dosen und über einen längeren Zeitraum verzehrt kann es Blut und Knochen, vor allem aber die Nieren schädigen. Säuglinge und Kinder sind besonders betroffen, weil sie im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr Flüssigkeit zu sich nehmen als Erwachsene. Eine Belastung ist bei ihnen dreimal so hoch.

Die Verbraucherschützer fordern daher einen Grenzwert von zwei Mikrogramm - und zwar nicht nur für in Flaschen abgefülltes Mineralwasser, sondern auch für Trinkwasser. Dass dies nicht unmöglich ist, zeige das Beispiel Maroldsweisach: In dem bayerischen Ort hatte Foodwatch 2008 mit 39,9 Mikrogramm Uran pro Liter die höchste Belastung gemessen. Seit Anfang des Jahres ist dort eine Uranentfernungsanlage in Betrieb. Seitdem liegen die Werte im unkritischen Bereich.

DPA/ spo / DPA

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