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Neuer "Patient null" Frankreich hatte seinen ersten Corona-Fall viel früher als gedacht

Eine Frau in weißer Schutzkleidung und Gummihandschuhen hält ein Röhrchen mit einer Blutprobe in die Kamera
In Frankreich haben Ärzte in einer Blutprobe von Ende Dezember eine Covid19-Infektion nachgewiesen (Symbolbild)
© Florian Plaucheur / AFP
In Frankreich sind die ersten Corona-Fälle Ende Januar aufgetreten – dachte man bislang. Nun haben Ärzte einen neuen "Patienten null" ausfindig gemacht.

Mit trockenem Husten fing es an. Vier oder fünf Tage später stieg sein Fieber über 40 Grad. "Zuerst dachte ich, es sei die saisonale Grippe", sagt Amirouche Hammar der Pariser Tageszeitung "Le Parisien". Dann bekommt er Schmerzen in der Brust, die immer stärker werden. Eines Abends spuckt er Blut. "Um 5 Uhr morgens beschloss ich, in mein Auto zu steigen und direkt ins Krankenhaus zu fahren", sagt Amirouche Hammar dem Sender "BFM TV". Er kommt auf die Intensivstation und erhält Sauerstoff. Die Diagnose: eine schwere Lungeninfektion. Es ist der 27. Dezember 2019, nordöstlich von Paris. Von Corona-Fällen außerhalb Chinas hat da noch niemand gehört.

Ende April klingelt bei Hammar das Telefon. Am anderen Ende der Leitung: Professor Yves Cohen, Leiter der Intensivstation der Klinikgruppe Avicenne-Jean Verdier in Bobigny. Dort hatte Hammar sich selbst ins Krankenhaus eingeliefert. Ärztinnen und Ärzte der Kliniken haben nun bereits entnommene Proben von Menschen mit schweren Atemwegsinfektionen noch einmal getestet – und zwar auf Sars-CoV-2. "Mir wurde gesagt, 'Sie sind 100% positiv auf Covid-19 getestet'", sagt Hammar gegenüber "BFM TV". "Es hat mich schockiert, weil ich Diabetiker bin. Ich musste an all die Opfer zu denken, die gestorben sind. Aber irgendwie war ich erleichtert, endlich geheilt zu sein."

Frankreichs Corona-Patient null

Damit ist der 43-jährige Familienvater nun Frankreichs Corona-Patient null. In Frankreich wurden die ersten Coronavirus-Fälle am 24. Januar bekannt – es handelte sich dabei um Menschen, die einen Bezug zu China hatten. Angesichts der Inkubationszeit dürfte Covid-19 also schon in der ersten Dezember-Hälfte in Frankreich in Umlauf gewesen sein. Ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnete Hammars positive Coronavirusprobe von Ende Dezember als "sehr interessant, aber nicht überraschend".

Wo aber könnte Hammar sich infiziert haben? Der Fischverkäufer hat keine Verbindungen zu China und war vor seiner Erkrankung nicht ins Ausland gereist. "Kurz vor meiner Krankheit hatte meine Frau drei Tage lang trockenen Husten und Fieber", sagte Hammar laut "Le Parisien". Seine Frau verkauft demnach Fisch in einem großen Supermarkt nahe dem Pariser Flughafen "Charles de Gaulle". Hammars Frau sagte BMF TV: "Wir bedienen Kunden, die direkt mit ihrem Gepäck vom Flughafen kommen." Zwei der vier Kinder des Paares hätten sich ebenfalls angesteckt, seien aber nicht schwer erkrankt.

Hammar gilt nun als Frankreichs "Patient null", bis in einer tiefgefrorenen Probe eine frühere Corona-Infektion in Frankreich nachgewiesen wird. Was ihm aber bleibt, ist die Angst, jemand anderen unwissentlich angesteckt zu haben. 

Quellen:"Le Parisien", "BFM TV", DPA, "sueddeutsche.de", "International Journal of Antimicrobial Agents".


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