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Claudius Holler: Versicherungsloser Krebskranker sagt "danke" - und hat eine neue Botschaft

Claudius Holler hat mit seinem Hilferuf im Netz Aufsehen erregt - denn als schwer kranker Mann hat er keine Krankenversicherung. Jetzt hat er eine neue Botschaft: Möglichst viele betroffene Menschen sollen von seinem Fall profitieren.

Screenshot des zweiten Videoclips von Claudius Holler auf Youtube

Claudius Holler sagt "danke"

In vielen Zeitungen, Online-Magazinen und Fernsehsendungen ging es in den vergangenen Tagen um das Thema Krankenversicherung. Was tun, wenn ich keine habe und krank werde? Wie kann es in Deutschland überhaupt jemanden ohne Krankenversicherung geben - wo hierzulande doch eine Versicherungspflicht herrscht? Grund dafür, dass dieses Thema aktuell in den Medien kursiert, ist der Fall von Claudius Holler.

Der ehemalige Spitzenkandidat der Hamburger Piratenpartei hatte Ende März in einem persönlichen Video im Netz um Hilfe gebeten. Denn er hat Krebs und keine Krankenversicherung - und kann die hohen Kosten nicht allein tragen. Mit seinem Video sorgte er für großen Wirbel und schob die umgreifende Berichterstattung über Krankenversicherungen an - mehr als 60.600-mal wurde der Clip inzwischen angesehen. 

Jetzt sagt Claudius Holler "Danke": In einem zweiten Clip auf Youtube verrät er, was seit dem Aufruf passiert ist.


Holler bedankt sich für unzählige Zuschriften, Aufheiterung und auch Geld. "Euer Support bedeutet mir echt viel und gibt mir die nötige Kraft", sagt er sichtlich gerührt.

"Ich bin nur einer von vielen"

Das neue Video ist nun die Bitte zu einem Spendenstopp - aus mehreren Gründen. Zunächst sei er nach einem Blick auf sein Konto "massiv überwältigt", wie er in dem Clip sagt. Eine Summe will er jedoch noch nicht nennen, weil er die genauen Kosten, die noch auf ihn zukommen werden, selbst noch nicht abschätzen könne. Mit dem Geld seiner vielen Unterstützer konnte er allerdings schon jetzt Wichtiges erreichen: Demnächst hat er wieder eine Krankenversicherungskarte; schon am 13. April wird er operiert. Seinen Spendern verspricht er: "Ich werde verantwortungsvoll mit eurem Vertrauen umgehen und euch auf dem Laufenden halten."

Doch Holler will auch deshalb kein Geld mehr von seinen Freunden, Anhängern und völlig Fremden, weil er die Aufmerksamkeit, die sein Fall erregt hat, nun in eine andere Richtung lenken möchte. Holler will den eigenen Fall ausweiten auf andere Betroffene, Menschen, die wie er nicht krankenversichert sind. "Ich bin ja nur einer von vielen", erinnert er in seinem Clip.

"Brauchen ein System, bei dem alle abgesichert sind"

Daher möchte er sich als Einzelperson zurücknehmen und den Blick stattdessen generell auf den Missstand fehlender Krankenversicherung hinweisen; auf Menschen wie ihn, die aus dem vermeintlich für alle sicheren System fallen. "Wir brauchen ein Gesundheitssystem, bei dem alle abgesichert sind - und das ist überhaupt keine Unmöglichkeit", sagt Holler. "Wir können nicht für alle so eine Spendensammlung vom Zaun brechen, wir brauchen eine generelle Lösung für das Problem und das muss gesellschaftlich und politisch angegangen werden." Es herrsche zu viel Unklarheit bei dem Thema Gesundheitssystem und Krankenversicherungen; er selbst wolle mitarbeiten, dass auch anderen geholfen werden kann; möglichst viele betroffene Menschen sollen von seinem Fall profitieren.

Zunächst hat er aus seinen diversen Hilfeaufrufen im Netz seine eigenen Kontodaten gelöscht und verlinkt stattdessen jetzt auf Organisationen, die sich schon länger um Menschen ohne Krankenversicherung kümmern, etwa die "Praxis ohne Grenzen" oder die "Malteser Migranten Medizin"

Dass es ihm gelingt, die Aufmerksamkeit auf ähnliche Fälle zu lenken und auch diesen anderen Menschen zu helfen, sei ihm sehr wichtig. Und wieso sollte das auch nicht klappen. Dass Holler das Internet bewegen kann, hat er mit seinem ersten Aufruf längst bewiesen. Und sogar schon vor drei Jahren einmal: Im Sommer 2013 hatte er durch einen Online-Aufruf sein gestohlenes Fahrrad zurückbekommen.

jen

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