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Ausweitung der Lebenszeit: Können Menschen unsterblich werden? Vom Kampf der Wissenschaft gegen den Tod

Wir haben gelernt, das Feuer zu beherrschen, die Pocken besiegt, das Atom gespalten. Sind zum Mond geflogen. Nur der Tod will nicht weichen. Weltweit arbeiten Wissenschaftler daran, unsere Lebenszeit maximal auszuweiten oder gleich kompletten Ersatz für den anfälligen Körper zu finden.

Rechtspopulismus:  Begegnung mit dem Niederländer Thierry Baudet

Tokio, Japan: Die Kältetherapie verwandelt Flüssigstickstoff in eine eisige Wolke. Stoffwechsel und Immunsystem werden so angekurbelt

Er kämpft gegen nichts weniger als das Unvermeidliche: Aubrey de Grey will dem Tod ein Ende machen. Oder besser: Er arbeitet daran und glaubt eine riesige Zahl an "Fuß-Soldaten", wie er sie nennt, aus Wissenschaft und Industrie an seiner Seite.

Bislang gilt eine gesunde Ernährung, gepaart mit ausreichend Schlaf und ordentlich Bewegung, als beste Voraussetzung für ein langes Leben. Das ist nicht sein Ansatz. Aubrey de Grey, 56, wohnhaft in Mountain View, Kalifornien, Gründer einer eigenen Stiftung wider das Altern und so etwas wie das Enfant terrible der Wissenschaft, verkörpert stattdessen einen Flügel der Forschung, die sich keine Limits setzt. Sein Ideal: ein durch gezielte Maßnahmen dauergewarteter Körper, der nie erlahmt.

Unsterblichkeitsforschung: Tod als Anhäufung mehrerer Schäden

Dass er nicht nur das ihm eigene Charisma einsetzt, sondern wissenschaftlich argumentiert, verleiht seinem Wort auch unter Wissenschaftlern Gewicht. Doktoren der führenden Universitäten folgen seinem Ruf, wenn er zu Konferenzen lädt. Von Tagung zu Tagung reist de Grey, immer auf der Suche nach Forschungsgeldern. Seine Lebenszeit ist somit knapp bemessen. "60 Minuten?", fragt er in seinem pointierten Englisch, das seine aristokratische Färbung nicht verloren hat, zur Begrüßung. "Kriegen wir hin."

Mister de Grey, wie definieren Sie für sich Altern?

Ancona, Italien: Eine Frau nimmt ein aus Ozon, Sauerstoff und Kohlendioxid bereitetes Dampfbad. Die Klappkabine Hocatt verspricht ihren Anwendern eine verjüngende Form von Wellness.

Ancona, Italien: Eine Frau nimmt ein aus Ozon, Sauerstoff und Kohlendioxid bereitetes Dampfbad. Die Klappkabine Hocatt verspricht ihren Anwendern eine verjüngende Form von Wellness.

Ganz einfach: als die Kombination von zwei Prozessen im Körper. Da ist der lebenslange Prozess, bei dem der Körper sich durch seinen Stoffwechsel selbst Schaden zufügt, und dann ist da noch der Prozess in der Spätphase des Lebens, wenn die Schädigungen ein Maß annehmen, das der Körper nicht mehr zu tolerieren vermag.

Gegen den Verfall propagieren Sie ein noch zu entwickelndes Vorbeugesystem …

… es geht um eine Kreuzung aus Prävention und Behandlung. Bei der Behandlung von Krankheiten denken wir bislang ja eher daran, dass jemand krank ist und wir ihn dann weniger krank machen. Das wollen wir nicht. Wir wollen die Menschen so warten, dass sie gar nicht erst krank werden.

Wie soll das gehen?

Wir wollen die potenziellen Ursachen behandeln. Das ist viel einfacher. Wenn Sie frühzeitig jene Abfallprodukte attackieren, die sich beim Stoffwechsel anhäufen und dem Körper früher oder später das Leben schwer machen, kann der Stoffwechsel normal weiterfunktionieren, ohne dass es zu Begleiterscheinungen kommt, die Krankheiten auslösen.

Dazu müsste man für alle großen Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer aber entsprechende Substanzen zur Verfügung haben, die zum Einsatz kommen, sobald ein Biomarker leicht auszuschlagen beginnt, der auf eine Krankheit in ferner Zukunft hindeuten könnte. Ist das nicht unrealistisch?

Es ist nicht so unrealistisch, wie sich das zunächst anhört. Das Ziel ist ja nicht mehr, die Krankheiten, die meist nur Aspekte des Alterns sind, zu kurieren. Nicht jeder Organismus trägt die gleiche genetische Disposition und damit die gleichen Risikofaktoren. Und doch erfährt jeder in seinem Körper die gleiche Art der Schädigung. Unterschiedliche Menschen erkranken an unterschiedlichen durch das Altern ausgelösten Krankheiten, aber das ist nur der Fall, weil jeder in unterschiedlicher Geschwindigkeit unterschiedliche Schädigungen seines Systems erfährt. Mit anderen Worten: Die Medikamente, die diese grundlegenden Schadmechanismen bekämpfen, müssen nicht individualisiert verabreicht werden.

Sie sprechen von diesen Medikamenten, als handelte es sich um eine Kleinigkeit. Tatsächlich ist die Medizin Lichtjahre von Anti-Aging-Pillen entfernt, oder etwa nicht?

Nicht Lichtjahre. Ich klassifiziere die Schädigungen durch das Altern in sieben Kategorien. Das hat einen ganz konkreten praktischen Nutzen: Denn in jeder Kategorie können alle Schädigungsformen durch die gleiche Therapie adressiert werden. Eine Kategorie ist der Verlust vieler Zellen durch Absterben, verbunden mit der Unfähigkeit des Körpers, sie zu ersetzen. Die Reparatur dafür ist die Stammzellentherapie. Unterschiedliche Gewebe bedürften unterschiedlicher Stammzellentherapien. Aber all diese Behandlungen haben ein hohes Maß an Übereinstimmung. Wenn man also ein paar ins Laufen bekommt, wird es weit weniger Zeit in Anspruch nehmen, alle weiteren zu entwickeln.

Moskau, Russland: Alexej Samykin vor einem Kryo-Konservierungs-Container der russischen Firma KrioRus. Körper werden hier unmittelbar nach dem Tod eingefroren. Transhumanisten wie Samykin träumen davon, so eine Brücke in eine Zukunft zu bauen, in der es keinen Tod mehr gibt.

Moskau, Russland: Alexej Samykin vor einem Kryo-Konservierungs-Container der russischen Firma KrioRus. Körper werden hier unmittelbar nach dem Tod eingefroren. Transhumanisten wie Samykin träumen davon, so eine Brücke in eine Zukunft zu bauen, in der es keinen Tod mehr gibt.

Wie weit sind wir davon entfernt?

Wir wissen es nicht. Ich muss betonen, dass diese Schätzung hochspekulativ ist: Ich glaube, dass es eine 50-prozentige Chance gibt, dass wir uns in den nächsten 20 Jahren umfassende Möglichkeiten erarbeiten können. Das ist genug Grund, dafür zu kämpfen.

Sie sind 56 Jahre alt. Wie steht es um Ihre Gesundheit?

Ich bin ein sehr gesunder Mensch.

Fürchten Sie nicht, dass all das zu spät für Sie kommt?

Nein, wenn wir von 20 Jahren ausgehen, wäre ich dann 75. Mir geht es aber gut für mein Alter, ich werde also auf dem biologischen Stand eines 65-Jährigen sein und deshalb ebenfalls profitieren können.

Treibt Sie die Angst vor dem Tod an?

Es ist keine Frage der Angst. Es geht um Wahrscheinlichkeiten. Es hat deshalb keinen Sinn, sich den Kopf zu zerbrechen.

Nicht jedes Gefühl lässt sich mit Wahrscheinlichkeiten erklären.

Aber es ist eine Frage der Rationalität. Keiner wird gern krank, das ist nichts, worauf man mit übermäßiger Emotionalität reagieren muss. Ich genieße es, nicht krank zu sein. Und erwarte, dass ich es auch in Zukunft genießen werde. Es ist also nur eine Investition von Zeit, um später ein schlechtes Ergebnis zu vermeiden. Es bringt dich um, wenn wir es nicht schnell richten.

Beherzigen Sie die gängigen Vorbeuge-Empfehlungen: regelmäßiger Sport, bewusste Ernährung?

Nicht wirklich. Das geht eher in die Richtung, dass wir den Lifestyle so ändern, dass wir später krank werden.

Was ist falsch daran?

Heute? Nichts. Wir aber wollen wie gesagt die Menschen so aufstellen, dass sie gar nicht erst krank werden. Wir wollen die Uhr des Lebens zurückdrehen. Wir wollen Menschen nehmen, die, sagen wir, 50 oder 60 Jahre alt sind und noch keine erkennbaren Krankheiten aufweisen, und sie biologisch wieder wie einen 30-Jährigen aufstellen.

Und wie sieht Ihrer Meinung nach dann das idealtypische Bild vom Sterben aus?

Wir werden die Zeitspanne eines vitalen Lebens schneller verlängern, als unsere Zeit vergeht.

Sie meinen, die Forschung wird schneller voranschreiten, als unsere Lebenszeit erlischt?

Genau. Beispiel: Sie sind 60, wir bringen Sie medizinisch auf den Stand eines 30-Jährigen, irgendwann werden Sie dann wieder 60 sein, weil die Maßnahmen nicht perfekt sind, um alle neu auftretenden Probleme zu beheben, denn es wird einige Schädigungen geben, für die unsere Medizin heute nicht geschaffen ist. Wir werden also wieder älter und kränker – allerdings haben wir dann ja Jahre gewonnen, um die Therapien besser zu machen, und aufs Neue viele gesunde Jahre gewonnen. Und so wird es kommen, dass Sie 60 Jahre alt sind, obwohl Sie bereits 150 Jahre auf dem Buckel haben.

Tsukuba, Japan: Die Österreicherin Susan Holzner ist seit zwei Jahren gehbehindert. Hal, ein mechanisches Exoskelett, trainiert und unterstützt sie beim Laufen.

Tsukuba, Japan: Die Österreicherin Susan Holzner ist seit zwei Jahren gehbehindert. Hal, ein mechanisches Exoskelett, trainiert und unterstützt sie beim Laufen.

Und das wollen Sie alles noch erleben?

Definitiv.

Und woran werden wir letztlich sterben?

Wir werden gar nicht sterben.

Das kann nicht Ihr Ernst sein, wir können nicht unseren ganzen Körper fortwährend komplett erneuern.

Wirklich nicht? Und warum nicht? Wir haben heute Autos, die 100 Jahre alt sind und einmal gebaut wurden, um zehn Jahre zu halten. Und warum funktionieren sie noch? Weil eine vorbeugende Instandhaltung erfolgt ist.

Sie glauben, wir können jeden Aspekt unserer Physis erneuern, sodass sie immer weiter funktioniert?

Ja. Ob wir es nun Ersetzen oder Reparieren nennen, das ist eine Frage der Perspektive. Aber das ist der ganze Punkt: Zellen ersetzen, zelluläre Abfallstoffe beseitigen, die dem Körper nicht guttun. Den Körper auf einem Niveau halten, auf dem er war, als wir noch junge Erwachsene waren. Und deshalb gibt es für uns nicht einen Grund, zu sterben.

Der Körper ist von der Natur nicht dazu konzipiert, um für immer zu leben, sonst würde er es tun.

Natürlich nicht. Aber das gilt wie gesagt für Oldtimer auch. Wir werden die Garantiezeit des Körpers immer weiter verlängern.

Das Auto ist ein Werkzeug, wir aber sind ein Teil der Evolution …

… und doch ist es überhaupt kein Unterschied. Die Evolution lehrt uns, wie wir entstanden sind. Sie sagt aber nichts darüber aus, was wir sind. Wir gehen davon aus, dass der menschliche Körper eine Maschine ist, zugegebenermaßen eine sehr komplizierte Maschine, kreiert durch die Evolution, nicht durch Design. Das macht es schwerer, ihn zu erhalten – weil wir keinen Bauplan haben. Aber das macht es nur bis zu einem gewissen Grad schwerer. Es heißt nicht, dass es illegitim ist, auf diese Art zu denken.

Ist es so erstrebenswert, ohne Deadline zu leben?

Das ist doch offensichtlich und ergibt sich aus dem Wunsch, nicht krank zu werden. Das hat ja nichts damit zu tun, wie lange es her ist, dass Sie geboren wurden. Ich jedenfalls kenne niemanden, der 100 Jahre alt ist und sich sagt: Ich würde jetzt ganz gern krank werden.

Sie klingen nicht wie ein Mann, der an das Leben nach dem Tod glaubt.

Ich weiß es nicht, um ehrlich zu sein. Ich wurde als Anglikaner erzogen. Als Teenager stellte ich dann fest, dass die christliche Lehre nicht allzu viel Sinn ergab, aber dann habe ich mich in gewisser Hinsicht wieder dahin zurückbewegt. Das Universum funktionierte mir eine Spur zu gut. So ging es lange hin und her. Mit 17 wurde mir dann klar, dass ich die Antwort auf diese Frage gar nicht kennen muss. Ich würde mich heute als Agnostiker bezeichnen, denn ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden, dass ich in meinem Leben an großen Problemen der Menschheit arbeiten wollte. Mir war klar, dass ich damit Gottes Arbeit machen wollte.

London, England: Eine Mumie liegt aufgebahrt in einer Vitrine des Britischen Museums. Die ägyptische Religion sah den Tod als eine Phase des Übergangs in ein neues Leben, der durch streng geregelte Rituale ermöglicht wurde.

London, England: Eine Mumie liegt aufgebahrt in einer Vitrine des Britischen Museums. Die ägyptische Religion sah den Tod als eine Phase des Übergangs in ein neues Leben, der durch streng geregelte Rituale ermöglicht wurde.

Viele Menschen könnten Ihren Ansatz als Einmischung in Gottes Werk begreifen.

Nun ja, wir haben ja gelernt, dass Gott allmächtig ist, er kann dich demnach immer mit einem Donnerkeil treffen, egal, wie gesund du gerade bist.

Aus welcher Ecke kommt die meiste Kritik an Ihren Thesen?

Es gibt noch immer einen großen Teil der Bevölkerung, der entweder denkt, es sei Science-Fiction. Oder dass es eine schlechte Idee sei. Aus psychologischer Sicht verstehe ich das: Die Menschen wollen nicht ihre Hoffnungen unnötig nach oben schrauben. Zivilisationen haben sich damit abgemüht, ihren Frieden mit dem Tod zu machen, weil man nichts dagegen tun kann. Das beinhaltet, sich selbst zu belügen, indem man glauben will, dass Sterben ein Glück im Unglück sei, egal, wie irrational das alles ist. Und wenn man dann seinen Frieden damit gemacht hat, ist es natürlich schwer, wieder in die andere Richtung zu gehen. Heute unterstützen uns vor allem junge Menschen, die in ihren Zwanzigern sind. Die mussten nie ihre Meinung ändern.

Wann würden Sie die Wiederverjüngung einleiten?

In den mittleren Jahren. Mit 50, vielleicht 60. Mit 20 haben Sie noch nicht viele Schäden angesammelt.

Sind Check-ups wichtig?

Ja, man sollte schon sicherstellen, dass man nicht bei einem bestimmten Aspekt besonders anfällig ist.

Wie oft lassen Sie sich selbst heute durchchecken?

Die erst umfängliche Vorsorgeuntersuchung habe ich 2002 vorgenommen und seither sechsmal.

Bei ganz normalen Ärzten?

Ein bisschen mehr High End. Ich habe die Möglichkeit, Dinge frei verfügbar zu erhalten, die sonst 10.000 Dollar kosten würden.

Schon jetzt lautet ein Vorwurf, Ihr Ansatz des quasi ewigen Lebens sei elitär, das Gegenteil des humanitären Gebots, allen Menschen gleichermaßen zu helfen. Was erwidern Sie?

Es gibt einen Grund, warum die Gesellschaft es bislang erlaubt, dass es eine Medizin gibt, die sich nur Wohlhabende leisten können. Der einfache Grund ist: weil sie nicht funktioniert. Wenn es eine Medizin gäbe, die funktionierte, würde sie jeder wollen, und Regierungen würden gezwungen sein, sie zu liefern. Und sei es, indem sie dafür die Steuern anheben. Aber selbst wenn wir den humanitären Aspekt weglassen, auch der ökonomische Imperativ ist durchschlagend, denn krank zu sein ist extrem teuer. Nicht nur, dass wir wissen, dass Prävention billiger ist. Auch Kinder müssten sich nicht um ihre Eltern kümmern. Auch die Älteren wären weiter noch jugendlich und funktionstüchtig und in der Lage, zum Wohlergehen einer Gesellschaft ihren Beitrag zu leisten. Es wäre also für jede Gesellschaft blanker Selbstmord, nicht dafür zu sorgen, dass jeder Zugang hat, der ein solches Mittel braucht.

Wissenschaft schnell erklärt: Was löst Koks in unserem Gehirn aus?

Es gibt bereits Menschen, die sich nach dem Tod umgehend einfrieren lassen, um sich selbst so lange zu konservieren, bis die Medizin eine therapeutische Antwort auf ihre Todesursache gefunden hat. Wo liegt für Sie die Grenze dessen, was ethisch als noch vertretbar anzusehen ist?

Man sollte das nicht abtun. Wenn wir in der Lage sind, Körper unmittelbar, nachdem sie legal für tot erklärt wurden, einzufrieren, so kann es durchaus möglich sein, dass wir sie mit zukünftiger Medizin reparieren können.

Denken Sie für sich darüber nach?

Absolut, ich bin seit 15 Jahren Mitglied der Stiftung Alcor (die Einfrierungen nach dem Tod anbietet, die Red.) und dort im wissenschaftlichen Beirat. Es ist ein ziemlich logisches Konzept. Ich unterstütze die Forschung der Kälte-Konservierung, um die Schäden, die durch den Prozess des Einfrierens entstehen, zu minimieren.

Können Sie verstehen, dass ein solches Verfahren von vielen als unmoralisch angesehen wird?

Der Hauptgrund, warum das als nicht akzeptierbar angesehen wird, ist, dass die Leute in ihrem Kopf haben, dass der Tod die finale Trennlinie ist. Sie mögen sich den Tod nicht als einen Prozess vorstellen, der Zeit braucht. Sie möchten sich das so vorstellen, dass du entweder tot oder lebendig bist, nichts dazwischen. Das ist in biologischer Hinsicht natürlich Unfug. Tatsächlich ist der Tod nur eine Anhäufung von mehr und mehr Schäden. Wenn das Herz dann aufhört zu schlagen, steigert sich die Rate der Schädigungen lediglich erheblich. Tatsächlich ist der Körper, unmittelbar nachdem das Herz zu schlagen aufgehört hat, nur unwesentlich kränker als zuvor.

Sie haben Cambridge vor Jahren mit einem Abschluss in Informatik verlassen, mit Altersforschung hatte dies nichts zu tun. Warum fühlten Sie sich dennoch zur Altersforschung befähigt?

Weil die, die daran arbeiteten, nicht wie Ingenieure und Technologen dachten. Ich hatte mich zu dieser Zeit bereits im Bereich der Forschung zur künstlichen Intelligenz in einem Maße etabliert, dass ich wusste: Ich bin gut darin, an wirklich kniffligen Problemen zu arbeiten. Ich wusste, dass Forschung eine übertragbare Fertigkeit ist. Und ich merkte, dass kaum einer der Biologen am Thema Altern arbeitete. Bis in meine späten Zwanziger ging ich ja davon aus, dass jeder so denkt wie ich in Sachen Altern. Für mich war völlig offensichtlich, dass das Altern unser größtes Problem ist. Ich nahm an, dass Biologen intensiv daran arbeiteten.

Was hat Sie eines Besseren belehrt?

Meine Frau, heute meine Ex-Frau. Ich war 26, sie 45, bereits Senior-Professorin in Amerika. Durch sie lernte ich viel über Biologie. Ich fragte sie, ob sie am Altern arbeite, und sie sagte: "Nein." Ich fragte: "Warum nicht?" Sie meinte: Wer die Natur studiere, der entdecke eben die fundamentale Wahrheit, dass sich der Verfall nicht aufhalten lasse. Ich meinte: "Schon klar! Aber gut ist das nicht für dich." Sie meinte: "Sicher, aber das ist nicht mein Problem." Ich antwortete ihr: "Irgendwie schon." Ich hatte keine Wahl, ich musste mein Tätigkeitsgebiet ändern.

Das Grundproblem der Forschung sind demnach die Humanbiologen gewesen?

Das Problem sind nicht die Wissenschaftler, es ist das System, das die Wissenschaft fördert. Regierungen wollen sicherstellen, dass sie nichts Unverantwortliches finanziell unterstützen, und so denken auch die wissenschaftlichen Gutachter, die Veröffentlichungen beurteilen. Und die Art und Weise, wie beurteilt wird, ob etwas gut oder schlecht ist, sind nun einmal die Veröffentlichungen in angesehenen wissenschaftlichen Journalen in schneller Abfolge. Es haut mich um, dass die klügsten Wissenschaftler an den umkämpftesten Forschungsgegenständen arbeiten, ohne dass sich die Geschwindigkeit erhöht, mit der sie Fortschritte erzielen. In dieser Hinsicht ist die gesamte Wissenschaft in hohem Maße parteiisch zugunsten der am niedrigsten hängenden Früchte in Sachen Forschungsmittel. Und gegen die Arbeit in Gebieten, die ein hohes Risiko haben, aber auch eine hohe Belohnung versprechen, falls ein Durchbruch gelingt.

Was braucht es Ihrer Meinung nach?

Speziell interdisziplinäres Arbeiten, das viele unterschiedliche Kompetenzen und Fertigkeiten verbindet. Das wird vernachlässigt. Es ist eine Katastrophe!

Fragen. Verstehen. Warum Multitasking Bullshit ist
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(