HOME

Zucker-Entzug: Wenn aus Lust eine Last wird: Warum ein Leben ohne Süßes, Alkohol und Fleisch auch schön ist

Wir stellen Männer und Frauen vor, die sich Verzicht vorgenommen haben. Sie schildern, wie aus lieb gewordenen Gewohnheiten gefährliche Abhängigkeiten wurden und wie in ihnen – oft über Jahre – die Entscheidung heranreifte: Ich muss das ändern!

Von Nicole Simon

Verzicht: Leben ohne Süßes, Rotwein, Fleisch und Zigaretten

Die meisten würden diese Süßigkeiten lieber verschlingen, als aus ihnen Kunst zu machen. Im Schnitt nascht jeder Deutsche etwa 30 Kilogramm Süßes im Jahr. Doch ein Erfolg des Verzichts zeigt sich langfristig. Motivation ist der Schlüssel.

Er gehörte zu ihren besten Freunden. Sie brauchte ihn, um sich zu trösten, um zu feiern oder um sich zu beruhigen, wenn der Alltag einmal wieder viel zu stressig wurde. Ein Leben ohne ihn, ohne Zucker, war für Angelika Fritz undenkbar. Im Herbst 2013, ihr zweites Kind, eine Tochter, war gerade sechs Monate alt, da aß Angelika Fritz fünf Tafeln Schokolade pro Tag. Auch Keksen, Kuchen, Eis oder Gummibärchen konnte sie nicht widerstehen.

Wenig überraschend, dass sie Übergewicht hatte; sie fühlte sich unzufrieden, unausgeglichen und hatte ständig Kopfschmerzen. "Ich war mir sicher, dass mein Körper diesen Zuckerbergen nicht mehr lange standhalten würde", sagt Fritz. Tatsächlich belastet ein übermäßiger Konsum einfacher Kohlenhydrate den Insulin-Stoffwechsel, er erhöht das Risiko für Bluthochdruck und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch allein der Gedanke daran, keine Schokolade mehr zu essen, endete in einer Panikattacke. "Ich dachte wirklich, dann verhungere ich, so absurd sich das auch anhört." Wie eine Süchtige habe sie sich gefühlt, abhängig von der täglichen Dosis süßer, hoch konzentrierter Kohlenhydrate: ein Kick für das Gehirn, eine trügerische Belohnung. Angelika Fritz hat einen Schlussstrich gezogen. Ihr war klar, dass sie mit ihrem extremen Zuckerkonsum die Gesundheit riskierte. Und sie stieg aus.

"Ich hatte Angst vor mir selbst bekommen"

Den drängenden Wunsch, von etwas loszukommen, das schadet: Millionen verspüren ihn. Einige, weil sie wie Angelika Fritz merken, dass eine Gewohnheit oder ein Verlangen sie krank macht und gefangen hält. Andere, weil sie neugierig sind. Oder sich beweisen wollen, dass ihr Wille Kraft hat – mindestens für eine gewisse Zeit. Wenn die Christen ab Aschermittwoch also wieder zum Fasten aufrufen, ist das längst nicht nur für Kirchgänger attraktiv. Ein zumindest befristeter Abschied von schlechten Gewohnheiten liegt im Trend. Mehr als jeder zweite Deutsche hat schon einmal für mehrere Wochen gefastet. 2018 lagen bei den temporären Tabus Süßigkeiten, Alkohol, Fleisch und Zigaretten vorn.

Angelika Fritz isst mittlerweile gern Süßkartoffeln mit Kokos statt Schokolade – ihre Eigenkreation kommt ohne Zucker aus

Angelika Fritz isst mittlerweile gern Süßkartoffeln mit Kokos statt Schokolade – ihre Eigenkreation kommt ohne Zucker aus

Jeden Abend zu trinken, das war für Thomas Östreicher seit seiner Jugend normal. Und trinken hieß oft, betrunken zu sein. In der hessischen Provinz, wo er aufwuchs, gehörte Alkohol einfach dazu, vor allem für Jungs. Den ersten Schnaps trank Östreicher mit 13, am 7. Juli 1974, als Deutschland gegen die Niederlande Fußballweltmeister wurde. Bier schmeckte ihm anfangs nicht, doch schnell gewöhnte er sich daran. Ebenso an die Schwermut, die ihn zeit seines Lebens begleitet hat und die durch den Alkohol noch verstärkt wird. Wenn er später als Erwachsener das Gefühl hatte, es sei zu viel geworden, verordnete er sich zwei Monate ohne Trinken, seine persönliche Fastenzeit. Dass die kleinen Auszeiten zum Alibi wurden, zum Beweis, dass er auch ohne konnte, war ihm lange nicht bewusst. Genauso wenig, dass seine Vorfreude auf den ersten Rausch danach jeden Suchtmediziner hätte aufhorchen lassen.

"Ich habe mich für dich geschämt"

Die Pausen fielen ihm von Jahr zu Jahr schwerer, und die Gelegenheiten, zu trinken, wurden häufiger. Hielt er anfangs noch die Regel ein, nur abends zu trinken, erlaubte er sich nun im Büro immer häufiger Ausnahmen. "Einstände, Ausstände, Geburtstage, Nachwuchs – es gibt so viel, auf das sich mit Kollegen anstoßen lässt", sagt Östreicher. Alles nicht so schlimm, sagte er sich. Und war er nach einem Glas Sekt nicht viel kreativer? Mit Anfang 40 begann er schließlich, heimlich zu trinken. Ein hastiges Hefeweizen am Bahnhof, bevor der Zug mit seiner Freundin einfuhr, ein Bier zur Bratwurst auf dem Wochenmarkt.

 Irgendwann, als eine Feier aus dem Ruder lief und er auf der Heimfahrt den Taxifahrer anbrüllte, sagte seine Lebensgefährtin: "Ich habe mich für dich geschämt." Ein Satz, den er nie vergessen wird. Er wusste, dass er etwas ändern muss, aber noch konnte er nicht. Erst zwei Jahre später, als er nach einem trinkseligen Theaterabend nachts an einer Straße im Regen stand und sich wünschte, sein Leben zu beenden, fand er die Kraft zur Veränderung. "Ich hatte Angst vor mir selbst bekommen", sagt Östreicher.

Thomas Östreicher wollte auf Alkohol verzichten

Thomas Östreicher wollte auf Alkohol verzichten

Wird aus Gewohnheiten erst mal eine Sucht, dann ist "einfach weniger" oft kaum mehr möglich. Seltener trinken, weniger rauchen, das funktioniert nicht mehr. Ein radikaler Schnitt ist oft die einzige Option.

"Um die gesundheitlichen Gefahren hat man sich keine Gedanken gemacht"

Lydia Zenger kann sich noch gut daran erinnern, wie stark ihr Verlangen war. Wann immer sie den Fuß vor die Tür setzte, der Feierabend nahte oder sie auf etwas warten musste, überkam sie ihre Nikotinlust. Mit 17 rauchte sie die erste Zigarette. Eine Ausnahme war sie nicht. "Das war eine andere Zeit", sagt sie. "In meinem Umfeld hat damals jeder geraucht, und überall. Rauchverbote waren noch kein Thema. Und um die gesundheitlichen Gefahren hat man sich in dem Alter keine Gedanken gemacht." Irgendwann rauchte sie zwei Schachteln am Tag.

Es gab nur wenige Momente, in denen sie keine Zigarette in der Hand hielt. Mit 30 startete sie aus einer Laune heraus den ersten Versuch, wieder davon loszukommen. "Eine Kollegin erzählte mir, sie wolle aufhören, und ich sagte spontan: Da mache ich mit." Sie suchte sich einen Akupunkteur, der ihr helfen sollte. "Ich war mir gar nicht sicher, ob das etwas bringt, aber ich dachte, immer noch besser, als es allein zu versuchen." Es klappte.

Unangenehm mehliger Geschmack

Zenger hörte auf zu rauchen. Auch wenn das wohl nicht an den Nadeln selbst lag, denn die Leitlinien der Mediziner bescheinigen der Akupunkturbehandlung, lediglich so wirksam zu sein wie ein Placebo. Elf Jahre lang lebte sie ohne Zigaretten und gehörte damit zu jener kleinen Gruppe von Menschen, die es geschafft haben, aufzuhören. Nach jüngsten Daten gelingt das nur etwa 15 Prozent der Raucher, Nikotin ist eines der stärksten Suchtgifte.

Lydia Zenger wünschte sich ein Leben ohne Nikotin

Lydia Zenger wünschte sich ein Leben ohne Nikotin

Dann jedoch beging Zenger einen kapitalen Fehler. "Ich dachte, von einer Zigarette werde ich schon nicht rückfällig. Natürlich wurde ich es." Doch inzwischen war sie Mutter zweier Kinder, und sie wollte auf keinen Fall, dass sie von ihrem Laster erfuhren. Also rauchte sie heimlich, wenn ihre Kleinen schliefen oder nicht zu Hause waren. Sie schämte sich, versuchte wenigstens die Zahl der Zigaretten zu reduzieren. Nur um festzustellen, dass sie danach noch mehr rauchte. "Gleichzeitig konnte ich meiner Haut beim Altern zusehen, hatte kaum noch Kondition, dafür aber ständig Infekte und diesen unangenehm mehligen Geschmack im Mund", sagt sie. Mehr als zwei Jahre ging das so. Ihre größte Angst in dieser Zeit war der Eindruck, den sie womöglich auf ihre Kinder machte. Was würden sie denken, wenn sie es herausfänden? "Dass Rauchen in Ordnung ist? Dass es okay ist, so etwas zu verheimlichen? Das wollte ich ihnen auf keinen Fall vorleben."

Sie begann sich intensiver mit ihrer Sucht auseinanderzusetzen, las viel über die Zusammenhänge, die es Rauchern so schwer machen, von Zigaretten zu lassen. Sie lernte, wie schnell Nikotin die Blut-Hirn-Schranke passiert, wie jeder Zug an der Zigarette im Gehirn Botenstoffe triggert, die ihr Belohnungszentrum aktivieren. Warum Unruhe und Nervosität dann jedes Mal schlagartig nachlassen, die Erleichterung aber nicht lange anhält und dass kaum ein Stoff schneller abhängig macht als Nikotin. Mit jeder neuen Information wuchs ihr Wille, endlich loszukommen von der Zigarette. Sie meldete sich schließlich zu einem Ausstiegsprogramm für Raucher an. "Ich ahnte schon, dass es dieses Mal schwerer werden würde."

"Ich habe mich maßlos über mich und meine Gedankenlosigkeit geärgert"

Von solchen Zwängen war Christian Müller weit entfernt. Dass er Fleisch aß, hatte ihn nie sehr besorgt, geschweige denn in eine Krise geführt. Er fühlte sich weder krank noch abhängig von Salami und Würstchen. Dass er vor zehn Jahren trotzdem damit aufhörte, hatte einen anderen Grund. Es war der Blick auf einen Wurstberg, der ihn zum Umdenken zwang.

Christian Müller hinterfragte seinen Fleischkonsum

Christian Müller hinterfragte seinen Fleischkonsum

Er selbst hatte ihn gekauft, ein vermeintliches Schnäppchen: zwei Kilo Wurstaufschnitt für fünf Euro. Nun stand Müller vor einem Kühlschrank, vollgepackt mit Fleisch, das er niemals vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums würde essen können – das machte ihn wütend. "Ich habe mich maßlos über mich und meine Gedankenlosigkeit geärgert."

Totaler Fleisch-Verzicht

Sein Entschluss stand fest: "Bis Weihnachten wollte ich keine Wurst mehr anfassen." Er hält, was er sich vorgenommen hat. Im Skiurlaub in Thüringen dann zündet er die zweite Stufe. "Nachdem ich in unserer Herberge beim vorweihnachtlichen Abgrillen vegetarische Würstchen probiert hatte, fragte ich mich: Warum isst du überhaupt noch Fleisch?" Gammelfleisch-Skandale taten ein Übriges: Als er sich ausgerechnet hatte, dass es nicht unwahrscheinlich war, dass auch er ranziges Recycling-Fleisch gegessen hatte, war es so weit. Müllers neuer Vorsatz: totaler Fleischverzicht, für immer. Der Erfolg des Verzichts aber zeigt sich auf der Langstrecke. Motivation ist der Schlüssel.

Mutter und Tochter bereiten einen Salat in der Küche vor.

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(