Jojo-Effekt
Überraschende Helfer: Wie man das Gewicht nach Diäten hält

Jojo-Effekt: Überraschende Helfer: Wie man das Gewicht nach Diäten hält
© Viktoriya Skorikova / Getty Images

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Medikamente wie Ozempic machen es leichter, Gewicht zu verlieren. Doch wie hält man es nach dem Absetzen? Niederländische Forscher haben ungewöhnliche Helfer gefunden

Wohl selten sind Medikamente in so kurzer Zeit so populär geworden wie Ozempic, Wegovy und Co. Zwei von drei Erwachsenen kennen laut einer Yougov-Umfrage vom vergangenen Jahr die Abnehmspritzen. Wieviele Menschen sie nutzen, ist allerdings nicht bekannt. 

Die Medikamente ahmen die Wirkung des Darmhormons GLP-1 nach. Eigentlich wurden sie für die Behandlung von Diabetes-Typ-2-Patienten entwickelt, unter anderem verlangsamen sie die Magenentleerung und fördern das Sättigungsgefühl, was zum Gewichtsverlust führt. 

So weit die gute Nachricht. Die schlechte: Setzt man die Medikamente ab, kehren bis zu 75 Prozent der verlorenen Kilos wieder zurück. Das zeigte eine große Analyse, für die 48 entsprechende Studien ausgewertet wurden.

Natürlich ist die Enttäuschung dann groß. Für die betroffenen Patienten wäre es ein Segen, könnte ihnen auch nach dem Absetzen der Abnehmspritzen geholfen werden, das reduzierte Gewicht zu halten. 

Gewicht halten – dank Mikroben?

Ein Forscher-Team der Universität Maastricht experimentierte deshalb mit dem Darm-Bakterium „Akkermansia muciniphila“. Es wurde 2004 entdeckt und nach dem niederländischen Mikrobiologen Antoon Akkermans benannt. Der Zusatz im Namen deutet auf den Lebensraum des Bakteriums: Es „liebt“ den Schleim, lateinisch: „Mucus“.

Das Team verwendete einen pasteurisierten, also durch Erhitzen abgetöteten Bakterienstamm als Kapsel in der Hoffnung, dass die den Probanden helfen würde, einmal abgespeckte Pfunde auch halten zu können und nicht wieder zuzunehmen. 

Grundlagenforschung der letzten zwanzig Jahre legte nahe, dass das Verfahren  funktionieren könnte. Denn Akkermansia muciniphila beeinflusst im Darm Energie- und Immunprozesse. Zudem ist dieses Bakterium zwar reichlich im Darm vorhanden – es macht bis zu fünf Prozent der dort lebenden Mikroben aus –, bei übergewichtigen Menschen aber tritt es oft in geringerer Zahl auf als bei Normalgewichtigen. 

Die Idee lag deshalb nahe, dass ein entsprechender Nahrungsmittelzusatz einen therapeutischen Effekt haben könnte. Die Forschenden wählten die pasteurisierte Form , weil sie stabiler bleibt als eine lebende Kultur. Bei solchen Präparaten spricht man von einem „Postbiotikum“, weil es anders als ein „Probiotikum“ keine lebenden Bakterien enthält.

24 Wochen auf Diät

An der Studie nahmen 90 Erwachsene mit Übergewicht (Body-Mass-Index ab 25) oder Adipositas (BMI ab 30) teil. Für das eigentliche Experiment mussten alle zunächst für acht Wochen streng auf die Kalorien achten: mehr als 800 bis 900 gab es nicht pro Tag. Selbst in Ruhe verbraucht der Körper normalerweise rund das Doppelte. 

Durch diese strenge Diät sollten die Probanden mindestens acht Prozent ihres Ausgangsgewichts – im Schnitt 11 Kilogramm – verlieren. 84 der 90 Freiwilligen schafften das auch und wurden anschließend per Zufall in zwei gleichgroße Gruppen eingeteilt: Die eine erhielt täglich eine Kapsel mit dem pasteurisierten Bakterium, die andere eine Kapsel, die exakt so aussah, aber keinen Wirkstoff enthielt. 

Am Ende der 24 Wochen dauernden Studie hatte die Placebo-Gruppe im Schnitt 3,2 Kilogramm wieder zugenommen. Die Gruppe mit dem Akkermansia-Kapseln aber nur 1,2 Kilogramm, ein statistisch signifikanter Unterschied. 

Und wer zu Beginn der Studie besonders wenig von diesem Bakterium im Darm hatte, profitierte am stärksten von der knapp halbjährigen Anwendung. Die Blutzucker- und Blutdruckwerte gingen zurück. 

Zudem nahmen 40 Prozent der Gruppe mit dem Wirkstoff sogar noch weiter ab. Nur fünf Prozent waren das in der Placebo-Gruppe. Warum diese Effekte erzielt wurden, ist noch nicht ganz geklärt. Die Forschenden vermuten, dass sich das Gewicht vor allem wegen einer veränderten Fettverdauung recht gut halten ließ.

Eine solche Studie ist sicher erst ein Anfang. Es braucht größere Gruppen von Versuchsfreiwilligen, um die Wirkung des Ansatzes und auch ihre langfristigen Folgen für das Gewichts-Managment besser einschätzen zu können. 

Das räumt das Team auch ein. Doch wird immerhin versucht, dem berüchtigten "JoJo-Effekt" zu begegnen. Vielleicht kann allein das schon Menschen, die meist ein Leben lang mit ihren Kilos zu kämpfen haben, Mut machen.

 

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