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Infektionen und Schlafmangel: Wer weniger schläft, ist häufiger krank

"Vier Stunden der Mann, fünf die Frau, sechs der Idiot", soll Napoleon über Schlafgewohnheiten gesagt haben. Forscher widersprechen: Wenig Schlaf ist nicht nur unangenehm, sondern macht auch deutlich anfälliger für Infektionen.

Eine Frau gähnt herzhaft: Zu wenig Schlaf ist schlechter für die Gesundheit als zu viel Stress oder Rauchen

Zu wenig Schlaf ist schlechter für die Gesundheit als zu viel Stress oder Rauchen

Wenig Schlaf macht Menschen deutlich anfälliger für Erkältungen. In einer Studie steigerte ein Schlafdefizit das Risiko für Schnupfen um gut das Vierfache. Die Forscher um Aric Prather von der University of California in San Francisco hatten 164 Erwachsene untersucht und zu ihrem Lebensstil - etwa in Bezug auf Alkohol, Tabak, Ernährung oder Stress - befragt. Zudem maßen sie eine Woche lang mit Sensoren ihren Schlaf.


Dann infizierten sie die Teilnehmer mit Erkältungsviren und isolierten sie in einem Hotel. In der folgenden Woche nahmen sie täglich eine Probe Nasenschleim, die dann untersucht wurde. Ergebnis: Wer weniger als sechs Stunden pro Nacht schlief, war 4,2 Mal so anfällig für eine Erkältung wie jemand mit mindestens sieben Stunden Schlaf. Wer weniger als fünf Stunden schlief, war sogar 4,5 Mal stärker gefährdet. Insgesamt hatte Schlaf viel größeren Einfluss als Alter, Ernährung, Stress oder Rauchen, wie die Forscher im Fachblatt "Sleep" berichten.

Wenig Schlaf und stolz darauf? Besser nicht!

"Schlaf geht über alle anderen Faktoren unserer Messung hinaus", wird Prather in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. "Es spielte keine Rolle, wie alt die Leute waren, wie gestresst, ihre ethnische Zugehörigkeit, Bildung oder Einkommen. Es spielte keine Rolle, ob sie Raucher waren. Keinen Schlaf zu bekommen, beeinträchtigt die körperliche Gesundheit grundlegend."

Nach seiner Einschätzung ist die neue Studie aussagekräftiger als frühere Untersuchungen. Denn da seien die Probanden wachgehalten oder geweckt worden, während diesmal das ganz normale Schlafverhalten zur Grundlage gemacht wurde. "Es könnte eine ganz normale Woche während der Erkältungszeit sein", sagt Prather. 

Dabei gehe es auch um die Gesellschaft: "In unserer geschäftigen Kultur gibt es auch den Stolz darauf, wenig zu schlafen und sehr leistungsfähig zu sein. Wir brauchen mehr solche Studien um in die Köpfe zu bekommen, dass Schlaf ein entscheidender Punkt für unser Wohlergehen ist."

lea/DPA

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