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Infektionen: China nennt höhere SARS-Zahlen

Nach massiver Kritik an der Vertuschung der Lungenkrankheit SARS hat China am Sonntag seinen Gesundheitsminister und den Pekinger Bürgermeister entlassen. Zuvor wurden 300 Fälle mehr enthüllt.

In China sind am Sonntag der Gesundheitsminister und der Bürgermeister von Peking entlassen worden, kurz nachdem die Zahl der an der lebensgefährlichen Lungenkrankheit SARS erkrankten Patienten deutlich nach oben revidiert worden war.

Situation in Peking 'außer Kontrolle'

In einer knappen Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua hieß es, Gesundheitsminister Zhang Wenkang und der stellvertretende Parteivorsitzende in Peking und Bürgermeister der chinesischen Hauptstadt, Meng Xuenong, seien entlassen worden. Aus Kreisen, die enge Beziehungen zur chinesischen Führung haben, verlautete, es habe keine andere Wahl gegeben. "Die Situation in Peking ist völlig außer Kontrolle geraten und jemand hat die Verantwortung übernehmen müssen." Das Gesundheitsministerium hatte zuvor 1.807 SARS-Fälle gemeldet - rund 300 mehr als bislang.

Korrektur auf 339 Fälle

Die meisten der neuen SARS-Fälle wurden aus der Hauptstadt Peking gemeldet, wo die Zahl der Infizierten von 37 auf 339 korrigiert wurde. Zudem sprach das Gesundheitsministerium von zusätzlich 402 Verdachtsfällen in der Hauptstadt. Eine Begründung für die Änderung der Patienten-Zahlen wurde nicht genannt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat China vorgeworfen, Erkrankte in Militärkrankenhäusern nicht mitgezählt zu haben.

Ferien-Streichung um Ausbreitung zu verhindern

Um der weiteren Verbreitung der Krankheit zu begegnen kündigte Vize-Gesundheitsminister Gao Qiang die Verkürzung der Ferien anlässlich des Tags der Arbeit von einer Woche auf einen Tag an. Mehrere Millionen Menschen hatten die Ferien in der Vergangenheit zu Reisen in ihre Heimatprovinzen genutzt. Die zusätzlichen Feiertage waren eingeführt worden, um den Konsum in China anzukurbeln. "Ich bin sicher, dass diese Maßnahme große Einbußen an Tourismuseinnahmen bedeuten wird, aber das Leben und die Gesundheit von Menschen müssen über alles andere gestellt werden", sagte Gao. Aus China kommen mehr als die Hälfte der weltweit mit dem Virus Infizierten. Mehr als 200 Menschen sind der Krankheit bislang erlegen, 79 davon nach offiziellen Angaben in China.

Ab sofort täglich neue Zahlen

Die Krankheit hat sich inzwischen in elf Provinzen, autonomen Regionen und Metropolen der Volksrepublik verbreitet. Der Vizeminister kündigte an, künftig täglich neue Zahlen vorzulegen. Auch würden die Patienten in Militärkrankenhäusern mitgerechnet. Möglicherweise aus Angst, dass die WHO nach der Südprovinz Guangdong auch für Peking eine Reisewarnung ausspricht, waren viele Fälle in der Hauptstadt nicht offen gelegt worden. Unter den jetzt bestätigten 346 SARS-Patienten sind auch 5 Ausländer. 4 sind unter den 402 Verdachtsfällen. 18 Patienten sind in Peking gestorben. Der Vizeminister warnte vor weiteren Verschleierungen der Krankheit im Lande und drohte mit hohen Strafen.

1.165 Patienten haben überlebt

Außer in Peking und der stark betroffenen Südprovinz Guangdong (1.304) sind SARS-Fälle auch in den Provinzen Shanxi (108), Innere Mongolei (25), Guangxi (12), Hunan (6), Sichuan (5), Fujian (3), Henan (2), Ningxia (1) und der Stadt Schanghai (2) berichtet worden. 1.165 Patienten hätten die Krankheit überstanden und seien bereits wieder aus den Krankenhäusern entlassen worden.

Neue Übertragungsart?

In Hongkong weckte am Sonntag der Tod von zwölf SARS-Patienten an einem einzigen Tag die Befürchtung, die Krankheit könnte auf anderem Wege als durch Husten, Niesen oder Körperkontakt übertragen werden. "In Hongkong findet eine Art der Übertragung statt, die wir nicht ganz verstehen", sagte ein WHO-Sprecher dem US-Fernsehsender CNN. Der Präsident der Hongkonger Medizinervereinigung, Lo Wing-Lok, äußerte den Verdacht, dass das Virus, das SARS hervorruft, zu einer gefährlicheren Variante mutiert sein könnte. Diese könne die Gefahr erhöhen, dass SARS-Patienten an der Krankheit sterben, sagte er. Zugleich zeigte er sich angesichts der gesunkenen Zahl an Neuerkrankungen optimistisch über die Möglichkeit einer Eindämmung der Krankheit.

Neuinfektionen in Singapur

"Die weitaus meisten Länder, die SARS-Verdachtsfälle melden, haben es mit einer kleinen Zahl importierter Fälle zu tun", teilte die WHO auf ihrer Internet-Seite (www.who.int) mit. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Ansteckung von Krankenhauspersonal und Familienmitgliedern der Patienten nicht eintritt oder auf eine kleine Zahl von Sekundärinfektionen reduziert werden kann, wenn diese Fälle schnell entdeckt und isoliert werden", hieß es weiter. Diese Hoffnung wurde in Singapur gedämpft, nachdem drei Arbeiter auf einem Lebensmittelmarkt sich mit dem lebensgefährlichen Virus infiziert hatten. Auch ein Taxifahrer, der einen der Arbeiter zum Markt gebracht hatte, sei erkrankt, teilte die Regierung mit. Der Markt wurde geschlossen.

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