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Krankenhausführer: Die beste Klinik für mich

Wo sind die Ärzte gut, die Schwestern freundlich? Auf der Suche nach der perfekten Behandlung fühlen sich Patienten oft alleingelassen. Neue, intelligente Wegweiser im Internet helfen bei der Entscheidung.

Von Astrid Viciano

Ein Fehler im Herzen. Tanja Eggert spürte das Rasen, das Stolpern in der Brust, als ihr an einem Wintertag vor zwei Jahren ein anderes Auto die Vorfahrt nahm. "Ich hatte wahnsinnige Angst, das machte alles nur noch schlimmer", erinnert sich die heute 35-Jährige. Angst um ihr Leben. Sie würde einen Schrittmacher brauchen, um ihr Herz im Takt zu halten, erfuhr sie später. Aber welcher Klinik sollte sie sich anvertrauen? Der Rat ihres Hausarztes genügte ihr nicht. Die Bürokauffrau begann, die Lebensläufe von Fachärzten online zu studieren, las in Patientenforen nach, ob die Krankenschwestern einer Station ruppig waren. "Ich wusste nicht, wie ich sonst suchen sollte", sagt Eggert. Dass es im Internet auch Klinikführer gibt, die ihr die schwere Wahl hätten erleichtern können, weiß sie erst heute.

Tanja Eggert durfte nun als eine der ersten Patienten den neuesten OnlineÜberblick über Krankenhäuser testen: die "Weisse Liste". Mit Unterstützung von Patientenorganisationen hat die Bertelsmann Stiftung einen der ambitioniertesten Klinikführer erarbeitet, der selbst mit Suchbegriffen wie "Ziegenpeter" etwas anfangen kann. Wo finde ich eine passende Klinik? Welcher Abteilung kann ich mich anvertrauen? Wo gibt es freundliches Personal? Fragen, mit denen Patienten oft allein gelassen sind, soll das Suchportal beantworten. Und sich später zu einem umfassenden Medizinführer entwickeln, der auch über Pflegeheime und Reha-Einrichtungen informiert.

Patienten werden selbst aktiv

Die Daten werden dringend gebraucht. "Der besser informierte Patient wird besser behandelt", sagt Adele Diederich, Psychologin an der Bremer Jacobs University und Sprecherin einer Forschungsgruppe, die sich mit der Krankenversorgung befasst. Immer mehr Patienten wissen das. Zwar verlassen sich die meisten bei der Kliniksuche weiterhin auf den Rat ihrer Ärzte. Doch viele wollen die Entscheidung über eine Therapie nicht mehr allein in deren Hände legen. Schon vor fünf Jahren gaben fast 60 Prozent der Patienten in einer Studie an, dass der Mediziner nur mit ihnen gemeinsam eine Behandlung beschließen sollte. Mehr als die Hälfte der Befragten einer anderen Untersuchung klagten, sie würden zu wenig über die Qualität der Arbeit an Krankenhäusern erfahren. Welche Operationsmethoden in einer Klinik üblich sind, wie viele Kranke dort pro Jahr behandelt werden. Erst mit diesem Wissen können Patienten das tun, worauf sie ein Recht haben: ihre Klinik frei wählen.

Bis vor wenigen Jahren hatten Patienten kaum Chancen, brauchbare Daten zu finden. Da gab es allenfalls Hochglanzbroschüren mit freundlichen Worten und lächelnden Chefärzten und Webseiten, die ähnlich aussahen. "Viele Informationen über Kliniken sagten mehr über die Leistung der Marketingabteilung aus als über die Qualität der Behandlung", sagt Sebastian Schmidt-Kaehler, einer der beiden Projektleiter der Weissen Liste in Gütersloh. Die wirklich interessanten Daten über die Qualität der Krankenhäuser wurden gehütet wie das Geheimnis um einen versunkenen Schatz.

Erst seit 2005 kommen nach und nach Daten ans Licht. Denn seither müssen sämtliche Kliniken, die gesetzlich versicherte Patienten behandeln, alle zwei Jahre einen sogenannten Qualitätsbericht erstellen. Diese Berichte sind über die Internetauftritte der Krankenkassen einsehbar, finden sich meist aber auch auf den Webseiten der Kliniken. Hier erhält der Patient in spe nun nicht mehr allein die Basisdaten zu Krankenhäusern und ihren Abteilungen (etwa Informationen über die Zahl der Betten, Ärzte und Pfleger, über häufigste Diagnosen und Behandlungen), sondern bekommt zu immerhin zehn Fachbereichen Angaben, die auf die Arbeitsqualität der Ärzte schließen lassen: Wie häufig ist nach einer Gallenblasenoperation die entnommene Blase noch mikroskopisch untersucht worden? Oder wie oft sind nach dem Einsetzen von Herzschrittmachern die Sonden im Herzen verrutscht?

Qualitätsberichte bekommen nur Insider

Zahlen, die auch Tanja Eggert vor ihrer Operation interessiert hätten. "Aber woher sollte man als Laie davon wissen?", fragt sie. Tatsächlich sind die Qualitätsberichte bisher fast nur Insidern bekannt. Gerade mal vier Prozent der Bevölkerung hatten in den ersten sieben Monaten nach ihrer Einführung darin gelesen. Und die dürften mit den Tabellen und Listen wenig Freude gehabt haben. Die meisten Patienten können sich in dem Datendschungel kaum zurechtfinden.

Oder sie wissen noch nicht einmal, wonach sie eigentlich suchen sollen. Ein Patient aus Berlin zum Beispiel, der einen Herzschrittmacher braucht, kennt kaum alle Kliniken in seinem Umkreis. Auf welchen Webseiten sollte er Qualitätsberichte suchen? Wie sollte er sie alle vergleichen?

Hier setzen die Klinikführer an, die in den vergangenen Jahren von Krankenkassen und privaten Unternehmen aufgebaut wurden: Die besseren von ihnen sind Dolmetscher, die das Expertenwissen aus den Qualitätsberichten und anderen Quellen für Laien übersetzen und die Daten zu übersichtlichen Vergleichslisten zusammenstellen. Der Klinik- Lotse der Verbände der Angestellten-Krankenkassen und der Arbeiter-Ersatzkassen zum Beispiel oder der Klinikführer der Techniker Krankenkasse, die vergangenen Herbst aus einer Bewertung der Stiftung Warentest als Sieger hervorgingen (siehe Kasten Seite 98). Oder die Weisse Liste, deren Macher einigen Aufwand getrieben haben, um das Portal wirklich für Laien verständlich zu gestalten.

Testpatienten machen den Probelauf

Seit Januar 2006 arbeitet die Bertelsmann Stiftung mit Medizinlinguisten der Universität Freiburg und Grafikdesignern zusammen. Mit Programmierern, die das Portal mit Daten fütterten, mit Ärzten und Wissenschaftlern, die Konzept und Informationen prüften. Vor drei Wochen sind schließlich zwölf Testpatienten zu einem Probelauf eingeladen, unter ihnen die Herzpatientin Tanja Eggert aus Göttingen. Die junge Frau sucht gern im Internet, erzählt sie, kauft dort ihre Kontaktlinsen, vergleicht Fotoapparate, Computerspiele und Fernseher. Von einer Videokamera und der Versuchsleiterin beobachtet, sitzt sie nun vor einem Bildschirm und klickt neugierig auf die Startseite des Portals. Eine Eule, so hatte das Projektteam entschieden, würde die Besucher durch die Seite lotsen.

Tanja Eggert wählt in einem Suchfeld aus, wo ihre Klinik liegen soll: im Umkreis von 50 Kilometern. Dann tippt sie den Fachbegriff für ihre Erkrankung ein: rechtsventrikuläre Dysplasie. Stattdessen hätte sie auch das Herz auf einem Körperschema anklicken oder "Herz" als Stichwort eintippen können und wäre dann Schritt für Schritt zur gesuchten Therapiemethode geleitet worden. Ein Programm, das im Hintergrund arbeitet, übersetzt Laienbegriffe in Fachbegriffe und umgekehrt. Den Dolmetscher haben Schmidt-Kaehler und sein Team eigens entwickeln lassen. "Viele Menschen würden sonst an den medizinischen Fachausdrücken scheitern", sagt er.

Nun kann sich Eggert die Daten der Kliniken ansehen, die in Göttingen und Umgebung Herzschrittmacher einsetzen - und in 13 Kategorien mehr über die Krankenhäuser erfahren. Welche Qualifikation haben die Ärzte? Wie ist die Ausstattung? Worauf ist das Pflegepersonal spezialisiert? Interessant findet die Testkandidatin vor allem, wie oft in einer Abteilung ein Herzkatheter gelegt oder ein Herzschrittmacher eingesetzt wurde. "Wer das oft macht, wird wohl Übung haben", sagt sie. Die Begleittexte des Portals sollen ihr helfen, die nackten Zahlen richtig zu deuten. Zum Beispiel zu bedenken, dass eine Klinik, die Herzoperationen als Schwerpunkt hat, zwar viel Erfahrung bietet. Dass die Patientin dennoch an einen Chirurgen geraten könnte, der selbst nur wenige Eingriffe geleitet hat. "Die Weisse Liste ist auch ein Lernprogramm", sagt Uwe Schwenk, ebenfalls Projektleiter des Suchportals.

Viele wollen eine Klinik nah am Wohnort

Dabei kann Tanja Eggert festlegen, welche Kriterien ihr besonders wichtig sind, und sich die Ergebnisse entsprechend sortieren lassen. Denn nicht alle Menschen haben die gleichen Vorstellungen von einem guten Krankenhaus. Den einen interessiert am meisten die Erfahrung der Ärzte, dem anderen ist es besonders wichtig, eine Klinik in der Nähe des Wohnorts zu finden. Oder er möchte vor allem sicher sein, dass sich Ärzte und Schwestern Zeit für ihn nehmen werden. So erhielt Schmidt-Kaehler einen Anruf von einem Mann mit Darmkrebs im Endstadium, der von dem neuen Portal erfahren hatte. "Ihm konnte kein Arzt mehr helfen. Er wollte aber wissen, an welcher Klinik sich Ärzte und Pflegepersonal fürsorglich um ihn kümmern würden", sagt der Projektleiter.

Auch Erfahrungen anderer Patienten sind wichtige Informationen. Im Gesundheitsmonitor 2006 der Bertelsmann Stiftung schaffte es die Patientenzufriedenheit als Kriterium für die Krankenhauswahl auf Platz acht der Rangliste. "Diese Daten sollten Teil des Qualitätsberichts sein", sagt Schmidt- Kaehler. Bisher kommen sie darin nicht vor. Das Projektteam hat einen Fragebogen entwickelt, den alle deutschen Kliniken erhalten und an ihre Patienten weiterreichen sollen. Von Herbst 2008 an werden die Ergebnisse in die Weisse Liste einfließen.

Als Vorbild diente vor allem der Klinik- Führer Rhein-Ruhr des Initiativkreises Ruhrgebiet. Der Pionier unter den Suchportalen informiert seit 2004 auch über die Zufriedenheit der Kranken mit Ärzten, Pflege und Therapieerfolg. Daran orientierte sich etwa Jürgen Zander, Industriekaufmann aus Duisburg, als er am Meniskus operiert werden musste. "Ich wollte nicht in eine Klinik, in die man als Nummer reingeht und aus der man auch als Nummer wieder herauskommt", sagt der 44-Jährige. Sein Vertrauen in den Klinik-Führer war so groß, dass er die Empfehlung seines Orthopäden ignorierte und sich für ein Krankenhaus entschied, das dort gut abgeschnitten hatte. Der Klinik-Führer verarbeitet die Daten aus den Qualitätsberichten von 75 Krankenhäusern der Region und auch die Auskünfte der jeweiligen Patienten. Dem Geschäftsführer des Initiativkreises Peter Lampe genügt das aber nicht: "Wir brauchen einfach mehr Daten."

Die Patienten haben von den Daten nichts

Mit dieser Klage steht er nicht allein. Denn trotz der Qualitätsberichte bleiben riesige Datenmengen ungenutzt, die Aufschluss über besonders brisante Fragen geben: Wie oft treten in den einzelnen Kliniken Komplikationen auf? Wo sterben besonders viele Patienten? Für immerhin 26 sogenannte Leistungsbereiche von der Aortenklappenchirurgie bis zur Entfernung der Gallenblase gibt es solche Daten - von denen die Patienten aber bislang nicht viel haben.

Die Informationen werden von der Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS) gesammelt und jährlich veröffentlicht - allerdings anonymisiert (siehe Kasten Seite 96). Der Grund: Fachleute und Patientenvertreter streiten darüber, welche der abgefragten Qualitätskriterien tatsächlich helfen, gute Arbeit von schlechter zu unterscheiden. Heftig diskutiert wird zum Beispiel in der Geburtshilfe, ob die Zeit bis zur Entscheidung für einen Notfallkaiserschnitt als Maß für Qualität gelten kann. Gefordert sind weniger als 20 Minuten. Es gibt jedoch Situationen, in denen die Ärzte länger warten - ohne dass sie unbedingt schlecht arbeiten.

Bis sich die Experten einig sind, dürfen sich die Kliniken in ihren Qualitätsberichten weiter über 150 von 180 Kriterien ausschweigen. Und von den 26 Leistungsbereichen, in denen Qualität gemessen wird, kommen in den Berichten nur 10 vor. "Das ist ein ganz dickes Brett, durch das wir in den nächsten Jahren bohren müssen", sagt Stefan Etgeton vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Hamburger Krankenhausspiegel macht Kollegen neidisch

Voller Neid blicken Anbieter bundesweiter Klinikführer darum auf einen norddeutschen Konkurrenten. Den Kollegen vom Hamburger Krankenhausspiegel gelang es, 26 Kliniken der Hansestadt zur Freigabe von mehr Informationen als üblich zu überreden. Immerhin von den zehn Bereichen der BQS-Daten, die in den offiziellen Berichten präsentiert werden müssen, haben die Krankenhäuser freiwillig alle Qualitätsparameter offengelegt. Für die Patienten ist das so, als würde ein Autokäufer nicht mehr nur Preis und Farbe des Wagens erfahren, sondern endlich auch PS-Zahl und Benzinverbrauch. Für die Krankenhäuser kann es Ansporn sein - und gute Werbung. "Die Konkurrenz unter den Kliniken ist groß. Da möchte niemand zurückstehen", sagt Christian Utler, Qualitätsmanager am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Nach dem Vorbild der Hansestadt startet nun auch der Krankenhausspiegel Hannover, Projekte in Berlin und München sind geplant.

Utler und Kollegen aber gehen auch diese Initiativen nicht weit genug. Denn schließlich decken selbst die gesamten Daten der BQS nicht einmal ein Fünftel aller Behandlungen an deutschen Krankenhäusern ab. Der Hamburger Qualitätsmanager möchte zusätzlich aus einer weiteren Quelle schöpfen: Aus den Daten, die jede Klinik zur Abrechnung ihrer Leistungen an die Krankenkassen melden muss, will er Informationen über ihre Qualität gewinnen. Warum war der Patient in der Klinik? Wie lange blieb er dort? Lag er nach einer einfachen Mandeloperation auf der Intensivstation? Bis Herbst dieses Jahres möchte Utler in der Lage sein, diese Zahlen in den Krankenhausspiegel einzuspeisen. "Wenn wir das nicht schaffen, haben wir auf die Dauer mit unserem Projekt verloren", sagt Utler. Den Patienten genüge es nicht, immer nur die gleichen Informationen zu finden.

Der Hamburger Krankenhausspiegel folgt damit dem Vorbild des Helios-Konzerns, in dessen 60 Kliniken jährlich eine halbe Million Patienten stationär versorgt werden. Bereits seit neun Jahren werten die Qualitätsmanager des Unternehmens Abrechnungsdaten aus. Zunächst nahmen sie oft nur die Zahl der Todesfälle als Maßstab für die medizinische Qualität. "Ein Patient ist entweder tot oder lebendig. Diese Daten kann niemand manipulieren", sagt Thomas Mansky, Leiter der medizinischen Entwicklung bei Helios. Heute reicht dem Mediziner das allein nicht mehr.

Der Krankheitsverlauf wird nach der Entlassung weiterverfolgt

Vor wenigen Tagen gab der Konzern einen einzigartigen Datenschatz frei, mit dessen Hilfe der Krankheitsverlauf der Patienten nach der Entlassung weiter verfolgt werden kann. Gemeinsam mit dem Wissenschaftlichen Institut der AOK, der Universität Magdeburg und dem AOK-Bundesverband hat Helios ein Verfahren entwickelt, das die wichtigen Informationen aus den Abrechnungszahlen der AOK destilliert. Ob der Erfolg einer Operation von Dauer sein wird, lässt sich nun viel besser einschätzen, zum Beispiel für Kniepatienten wie Renate Fischbach.

Wegen einer schweren Arthrose im rechten Kniegelenk erhielt die Steueramtsfrau an der Helios-Klinik Bleicherode intensive Krankengymnastik und Infusionen wie Spritzen gegen die Schmerzen - bis die Ärzte ihr vor drei Jahren sagten, dass sie ein künstliches Kniegelenk brauche. "Da fragte ich mich: Bleibe ich hier, oder soll ich mich woanders operieren lassen?", erzählt die heute 65-Jährige aus Osterode. Sie hatte große Angst vor dem Eingriff und machte sich im Klinikführer des Helios-Konzerns über die Zahl der Knieoperationen in Bleicherode schlau. Nach ausgiebigem Surfen fällte sie ihre Entscheidung: Sie blieb in Bleicherode.

Inzwischen fühlt sich Renate Fischbach bestätigt. Seit einigen Tagen kann sie nachlesen, wie es anderen Patienten aus Bleicherode im ersten Jahr nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks erging. Ob sich das Implantat lockerte. Ob sie abermals operiert werden mussten. Ob sie beim zweiten Mal wieder nach Bleicherode oder lieber in eine andere Klinik gingen. Das beruhigende Ergebnis: Kein einziges der in Bleicherode eingepflanzten Gelenke musste ersetzt werden, weder dort noch in einem anderen Krankenhaus. Für acht Bereiche - vom Herzinfarkt bis zum künstlichen Kniegelenk - liegen solche Zahlen vor, allerdings nur die von AOK-Patienten.

Ergebnisse müssten zusammengeführt werden

Bei der Erfassung von Qualitätsdaten arbeiten die einzelnen Krankenkassen und auch private Unternehmen bislang jeder für sich, und sie sind kaum daran interessiert, ihre Ergebnisse zusammenzuführen. "Dabei wäre das der ganz große Wurf ", sagt Christian Utler von der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf. Diese Informationen wären sehr kostbar für die Patienten.

Ein neues Institut könnte der Hüter des Datenschatzes werden. Es soll im Herbst die BQS ablösen und künftig möglichst viele Informationen neutral bündeln. Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen wird es für die Erhebung der medizinischen Qualitätsdaten in Deutschland zuständig sein - nicht nur in Krankenhäusern, sondern etwa auch in Arztpraxen und medizinischen Versorgungszentren. Dafür könnte das neue Institut vom gesammelten Wissen der Qualitätsmanager in Unternehmen und Krankenkassen profitieren.

Immerhin beginnen die Fachleute, sich vorsichtig zu vernetzen. So verspricht der Bundesvorstand der AOK, das Institut bei der Entwicklung und Organisation von Patienteninfos "mit Nachdruck" zu unterstützen. Die Krankenkasse hilft bereits dem Hamburger Krankenhausspiegel, die Abrechnungsdaten ab Herbst für sein Portal zu nutzen.

Barmer nutzt die Weisse Liste

Die Barmer Ersatzkasse hat sich sogar entschieden, ihr eigenes Kliniksuchportal nicht weiterzuentwickeln. Stattdessen wird sie als erste Krankenkasse die Weisse Liste für ihren Internetauftritt verwenden. "Wir möchten ein besonders verständliches Portal anbieten - eine Herkulesaufgabe, die von der Bertelsmann Stiftung bereits souverän gelöst wurde", sagt Marcus Reiland von der Barmer.

Geht es nach der Bertelsmann Stiftung, soll die Weisse Liste in einigen Jahren auch das offizielle Suchportal des neuen Qualitätsinstituts werden. Zunächst aber wird die Kliniksuche auf der Internetseite weiter verbessert. Die Auswertung des Probelaufs ergab zum Beispiel, dass manche erklärende Texte noch zu lang sind, auch für die herzkranke Tanja Eggert. Dennoch ist sie zufrieden. "Ich habe nichts vermisst", sagt sie. Sie fühle sich jetzt besser gewappnet für den nächsten Klinikbesuch. "Wie oft operieren Sie? Hat Ihre Abteilung einen besonderen Schwerpunkt? Wie häufig gibt es bei Ihnen Komplikationen?", würde Tanja Eggert den Klinikarzt vor der nächsten Herzoperation fragen. Einen guten Riecher hatte sie aber offenbar schon bei ihrer ersten OP: Beim Testlauf der Weissen Liste kam genau die Klinik als Favorit heraus, in der Tanja Eggert tatsächlich ihren Herzschrittmacher bekommen hatte.

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