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Krebserregende Zusatzstoffe: Zigarettenverbot nur Einzelmeinung

Für den CDU-Politiker Karl-Heinz Florenz sind Zigaretten "gemeingefährliche Mordinstrumente" und gehören verboten. Sein Vorschlag stößt aber auf wenig positive Resonanz. Seine Parteikollegen und die Grünen setzen stattdessen auf umfassende Aufklärung.

Einzelne Unionspolitiker wollen das Rauchen von Zigaretten generell verbieten. "Die Zigaretten, wie sie heute angeboten werden, sind gemeingefährliche Mordinstrumente und müssen sofort vom Markt", sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Volksgesundheit im Europaparlament, Karl-Heinz Florenz (CDU), der "Bild"-Zeitung zufolge. Unions-Sozialexperte Andreas Storm wies die Forderung nach einem Totalverbot allerdings am Dienstag als "Unsinn" zurück und sprach von "ganz wenigen Einzelmeinungen".

Warum mit krebserregenden Zusatzstoffen aufhalten?

Florenz begründete seinen Vorstoß mit den krebserregenden Zusatzstoffen, die den Zigaretten bei der Produktion beigemengt würden. Unterstützung fand er laut "Bild" bei der drogenpolitischen Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Gerlinde Kaupa (CSU): "Man fragt sich, warum wir uns mit all den Krebs erregenden Zusatzstoffen aufhalten und nicht gleich Zigaretten insgesamt verbieten."

Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) hat eine Liste sämtlicher Tabak-Zusatzsubstanzen im Internet veröffentlicht. Jetzt sollen die Stoffe untersucht und diejenigen für die Zigarettenproduktion verboten werden, bei denen sich herausstellt, dass sie krebs- oder suchterregend wirken. Allein die Liste der verschiedenen Zigarettenmarken mit ihren Zusatzstoffen ist 100 Seiten lang. Unter den Substanzen finden sich unter anderem aber auch Wasser, Kakao und Lakritzextrakt. Angegeben sind auch die Rauchinhaltsstoffe Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid.

Rauchverbot kein geeignetes Mittel

Storm sagte, nach Auffassung der Union sei ein Rauchverbot kein geeignetes Instrument zur Suchtbekämpfung. "Wir setzen auf Aufklärung, vor allem an Schulen, auf Prävention", sagte Storm der Nachrichtenagentur AP. Dazu gebe es einen ganzen Katalog von Maßnahmen, "aber kein generelles Verbot".

Auch die Grüne Jugend wandte sich gegen Verbotsforderungen und kritisierte "staatlich verordneten Lebenswandel statt freier Selbstentfaltung". "Wem als Antwort auf Suchtprobleme nur obrigkeitsstaatliche Verbote einfallen, der muss sich fragen lassen: Wird nun bald auch Alkoholtrinken strafbar?"

Die Offenlegung der Tabak-Zusatzstoffe begrüßte die Grünen-Jugendorganisation dagegen als Schritt in die richtige Richtung "hin zu einer neuen Drogenpolitik". Sie plädierte für "eine kontrollierte Abgabe aller Drogen in so genannten ’Drogenfachgeschäften’". Zigarettenautomaten beispielsweise werde es dann nicht mehr geben.

AP / AP
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