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Naegleria fowleri : Warum es gefährliche Amöben auf das menschliche Gehirn abgesehen haben

Infektionen mit der Amöbe Naegleria fowleri sind extrem selten, verlaufen jedoch fast immer tödlich. Wissenschaftler haben nun untersucht, warum es den Einzeller in das menschliche Gehirn zieht.

Das Foto zeigt die Amöbe Naegleria fowleri unter einem Mikroskop.

Die Amöbe Naegleria fowleri lebt in warmen Gewässern

Infektionen mit Naegleria fowleri sind extrem selten, doch heimtückisch. Die Amöbenart lebt in warmen Gewässern wie Flüssen, Seen oder warmen Quellen. Auch in schlecht desinfizierten Pools kann sie sich ausbreiten. Wird kontaminiertes Wasser durch die Nase eingeatmet, kann der Einzeller bis zum Gehirn gelangen. Im Nervengewebe löst er eine Infektion aus, die das Gehirngewebe zerstört - eine sogenannte Primäre Amöbenenzephalitis. In den meisten Fällen verläuft die Infektion tödlich.

Vor allem in den USA, der Karibik und Pakistan kommt es immer wieder zu Infektionen mit dem Einzeller. Zuletzt machte auch der Fall einer 18-jährigen US-Amerikanerin Schlagzeilen: Die junge Frau infizierte sich in einem Wildwasserpark im US-Bundesstaat North Carolina mit Naegleria fowleri, als ihr Floß kenterte. Wenige Tage später entwickelte sie die Symptome einer Hirnhautentzündung und verstarb.

Bereits seit längerem beschäftigen sich Wissenschaftler mit der Frage, warum es den Einzeller in das menschliche Gehirn zieht. Pakistanische Forscher um Abdul Mannan Baig von der Aga Khan University in Karachi scheinen diesem Rätsel nun auf der Spur zu sein. Wie das Fachblatt "New Scientist" berichtet, glaubt der Wissenschaftler, dass die Amöbenart von der chemischen Verbindung Acetylcholin (ACh) angezogen wird. Der Stoff ist ein wichtiger Neurotransmitter und kommt vor allem im zentralen Nervensystem vor. Im Gehirn ist der Stoff an einer Vielzahl von Prozessen beteiligt.


Das Team um Mannan Baig untersuchte, ob die Amöbenart spezielle Rezeptoren besitzt, mit denen sie sich an den Neurotransmitter anheften kann. Tatsächlich fanden die Forscher eine Struktur, die dem menschlichen Rezeptor für ACh ähnelte. Daraus schlussfolgerten die Wissenschaftler, dass N. fowleri eine eigene "Andockstelle" für den Neurotransmitter besitzen könnte. Der Fund könnte erklären, warum die Amöbe derart vom Gehirngewebe angezogen wird.

Die Experten hoffen nun, dass der Fund zu einer verbesserten Therapie beitragen kann. Denkbar sei etwa der Einsatz von Medikamenten, die den Rezeptor blockieren, heißt es im "New Scientist". Entsprechende Medikamente existieren bereits und kommen unter anderem gegen Herz-Rhythmus-Störungen zum Einsatz. Erste Versuche an mit N. fowleri-infizierten Mäusen würden bereits laufen. Ob und wann diese Form der Therapie auch beim Menschen eingesetzt werden kann, ist jedoch noch offen.

Gibt es auch Fälle in Deutschland?

Nach Angaben des Robert-Koch-Institus (RKI) gab es bislang deutschlandweit noch keinen bekannten Fall einer Infektion mit Naegleria fowleri. Dass die Amöben auch in Gewässern hierzulande vorkommen, könne prinzipiell nicht ausgeschlossen werden – jedoch würden dazu systematische Untersuchungen fehlen. Eine Untersuchung in der Schweiz in künstlichen erwärmten Gewässern, sogenannten "Spas", habe jedoch keinen Nachweis von N. fowleri-Amöben ergeben.



ikr

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