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Wegen Krebsrisiko Wie bei Tabak: Norwegische Gesundheitsbehörde will Warnhinweise für Alkohol

Ein Regal mit Spirituosen
In Norwegen könnten bald – wie bei Tabak – Warnhinweise auf Alkoholprodukten wie Bier und Spirituosen gedruckt werden
© Bill Oxford / Getty Images
Auf Zigarettenschachteln gibt es sie in vielen Ländern schon. Nun will die Gesundheitsbehörde in Norwegen solche Warnhinweise auch auf Bier- und Schnapsflaschen. Denn zu viel Alkohol könne Krebs verursachen. Darauf solle hingewiesen werden.

Alkohol gehört zu vielen Anlässen dazu. Das Gläschen Sekt zur Feier. Das Glas Rotwein zum Abendessen. Oder das Feierabendbier. Gelegentlicher, verantwortungsvoller Alkoholgenuss nach dem Motto "Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren", stellt kein großes Problem dar.

Doch zu viel davon kann gesundheitliche Auswirkungen haben. Das kann vom Kater am nächsten Morgen über Alkoholvergiftung bis zum Leberschaden gehen. In Norwegen sieht die dortige Gesundheitsbehörde aber ein weiteres Gesundheitsproblem durch Alkohol: Krebs. Deshalb empfiehlt das "Helsedirektoratet" Hinweise auf alkoholhaltigen Produkten, die davor warnen, dass Alkohol krebserregend sein kann.

Viele Menschen seien sich des Krebs-Risikos nicht bewusst

Dem Gesundheitsministerium in Norwegen hat die Behörde ein 30-seitiges Schreiben zukommen lassen, in dem es heißt, dass Warnhinweise ein wichtiges Instrument sein können, um das Wissen der Bevölkerung über mögliche Gesundheitsschäden durch Alkoholkonsum zu erhöhen, wie der norwegische Rundfunk NRK und die Zeitung "Dagsavisen" berichten. Es werde darauf hingewiesen, dass dies insbesondere für den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt.

"Ein großer Teil der Bevölkerung ist sich des Zusammenhangs zwischen moderaterem Alkoholkonsum und Krebs nicht bewusst", wird die Behörde zitiert. Man wolle daher, dass die Kennzeichen mit Warnhinweisen auf Etiketten für Bier, Schnaps und Co. in das norwegische Alkoholgesetz aufgenommen werden. Ein detaillierter und konkreter Gestaltungsvorschlag müsse aber zu einem späteren Zeitpunkt geprüft werden, heißt es weiter.

Sara Underland Mjelva, Sektionsleiterin für Prävention in der Norwegischen Krebsgesellschaft, sagte NRK, dass ein Kennzeichnungssystem es den Menschen erleichtere, eine gute Gesundheitsentscheidung zu treffen. "Wir wissen, dass das Bewusstsein über den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebs sehr gering ist, ein solches Kennzeichnungssystem wird Abhilfe schaffen können."

WHO: drei Millionen Tote durch Alkohol jährlich

Laut Mjelva ist es "gut dokumentiert", dass Alkohol das Risiko für sieben verschiedene Krebsarten erhöht. Etwa 1000 Krebsfälle pro Jahr könnten auf Alkoholkonsum zurückgeführt werden, wobei Brust- und Darmkrebs am häufigsten vorkämen. Entscheidend dabei sei der Gesamtalkoholkonsum im Laufe der Zeit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor den Folgen des Alkoholkonsums. Weltweit gäbe es drei Millionen Todesfälle durch schädlichen Alkoholkonsum. Dies entspreche 5,3 Prozent aller Todesfälle. "Der schädliche Alkoholkonsum ist ein kausaler Faktor bei mehr als 200 Erkrankungen und Verletzungen", so die WHO. Auch gewisse Krebserkrankungen könnten hervorgerufen werden.

Auf der linken Bildhälfte fährt ein Motorradfahrer auf die Kamera zu, rechts fliegt ein Motorrad durch die Luft

Schädlicher Alkoholkonsum für eine Reihe von Krankheiten verantwortlich

Es bestehe ein kausaler Zusammenhang zwischen schädlichem Alkoholkonsum und einer Reihe von psychischen Störungen und Verhaltensstörungen, anderen nicht übertragbaren Erkrankungen sowie Verletzungen. Neueste Zusammenhänge seien zudem zwischen schädlichem Alkoholkonsum und dem Auftreten von Infektionskrankheiten wie Tuberkulose sowie dem Verlauf von HIV/Aids hergestellt worden.

Die WHO nennt Möglichkeiten zur Verringerung der Belastung durch schädlichen Alkoholkonsum. Dazu gehörten die Regulierung der Vermarktung von alkoholischen Getränken, die Regulierung und Einschränkung der Verfügbarkeit von Alkohol sowie die Sensibilisierung für Probleme der öffentlichen Gesundheit, die durch schädlichen Alkoholkonsum verursacht werden.

Kritik an den Regeländerungen in Norwegen kommt von Petter Haas Brubakk, leitender Direktor beim Interessenverband NHO Mat og Drikke. Er fordert, dass Norwegen mit einer Regeländerung wartet, bis diese auf EU-Ebene entschieden wird. Er zeigte sich zudem skeptisch, ob die Kennzeichen einen Einfluss auf den Alkoholkonsum hätten.

rw

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