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Sexualverhalten im Wandel: Online-Dating kann Infektionsrisiko erhöhen

Online-Dating macht das Kennenlernen einfacher, birgt aber auch Risiken für die Gesundheit. Die Bundesregierung hat das veränderte Sexualverhalten der Deutschen untersucht - und spricht eine Warnung aus.

Ungeschützter Sex gilt als Hauptansteckungsweg für sexuell übertragbare Infektionen

Durch ungeschützten Sex können Infektionen übertragen werden

Über sexuell übertragbare Infektionen wird kaum gesprochen – sie gelten auch heutzutage noch als Tabuthema und sind mit Scham behaftet. Dabei sind sie allgegenwärtig: "Jeder Mensch kann im Laufe seines Lebens mit einer sexuell oder durch Blut übertragenen Infektion in Kontakt kommen", schreibt das Bundesministerium für Gesundheit in einem Bericht über die Eindämmung sexuell übertragbarer Infektionen. Zu ihnen zählen etwa HIV, Hepatitis, Syphilis oder Chlamydien.

Online-Dating macht die Suche nach Sex-Partnern einfacher

In dem Bericht werden unter anderem Maßnahmen diskutiert, die zu einer weiteren Bekämpfung dieser Infektionen beitragen sollen. Sorgen bereiten den Experten unter anderem "veränderte Verhaltensweisen" in Bezug auf Sex, die neue Herausforderungen mit sich brächten. So würden etwa Online-Datingportale und soziale Medien die Kontaktaufnahme "verändern und erleichtern", heißt es in dem Bericht. Dies wiederum habe "Einfluss auf das Sexualverhalten."

Veränderungen seien auch bei Suchtmitteln zu beobachten: So gebe es neue Gruppen von Drogenkonsumenten, die vor allem zu aufputschenden Partydrogen greifen, etwa Crystal, Speed oder GHB. Durch den Konsum werde "sowohl das Sexual- als auch das Schutzverhalten beeinflusst", schreiben die Experten. Als Folge nehmen riskante Verhaltensweisen zu – das Infektionsrisiko steigt.

Mangelnde Hygienestandards begünstigen Infektionen

Gleiches gilt dem Bericht zufolge auch für Auslandsaufenthalte: Aufgrund der gestiegenen Mobilität durch Reisen ergeben sich neue Risikofaktoren, die eine Ansteckung begünstigen können. Dazu zählen etwa sexuelle Dienstleistungen, die beansprucht werden, oder der Konsum von Drogen. "Tattoo- oder Piercingstudios, die im Ausland genutzt werden, entsprechen häufig nicht den notwendigen Hygienestandards", schreibt das Bundesministerium.

Sexuell übertragbare Krankheiten werden meist durch infektiöse Körperflüssigkeiten, etwa Blut oder Sperma, übertragen. Als Hauptansteckunsgweg gilt ungeschützter Geschlechtsverkehr, insbesondere Analverkehr. Er birgt ein hohes Übertragungsrisiko. Auch durch das gemeinsame Benutzen von Spritzen beim Drogenkonsum oder durch unsaubere Tätowiernadeln kann es zu einer Ansteckung kommen.

Während die Zahl der HIV-Neuinfektionen in den vergangenen Jahren stabil geblieben ist, nehmen andere Krankheiten stark zu, etwa Syphilis. Im Jahr 2014 stieg die Zahl der Diagnosen auf 5722, ein neuer Höchstwert. Unter jungen Frauen und Männern sind vor allem Chlamydien und Humane Papillomviren (HPV) weit verbreitet. Der Großteil dieser Erkrankungen ist zwar gut behandelbar, teilweise auch heilbar. Allerdings können sexuell übertragbare Infektionen – sollte keine Therapie erfolgen – schwerwiegende Folgen haben, etwa Unfruchtbarkeit oder Krebs.


ikr

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