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Pakistan: Ein Kinderarzt benutzte Spritzen offenbar mehrfach - jetzt sind Hunderte Kinder HIV-positiv

In Pakistan sind 700 Menschen, darunter 537 Kinder, positiv auf HIV getestet worden - und die Zahl der Infektionen könnte weiter steigen. Ins Visier der Ermittler ist ein Kinderarzt geraten. Er soll sich nicht an Hygienevorschriften gehalten haben.

Pakistan: Eine Mutter eines HIV-Infizierten Kindes weint

Drei Viertel der HIV-Infizierten sind Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren

AFP

Im Süden Pakistans haben sich fast 700 Menschen mutmaßlich durch verschmutzte Spritzen mit dem Aids-Virus infiziert. Bis Samstag seien in der Stadt Rato Dero und Umgebung 681 Menschen HIV-positiv getestet worden, darunter 537 Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren, sagte ein Regierungsvertreter am Sonntag bei einer vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. "Die Resultate sind entsetzlich", sagte Behördenvertreter Sikandar Memon.

Nachdem im März bei mehreren Kindern eine HIV-Infektion entdeckt worden war, hatten die Behörden im April beschlossen, alle Bewohner der Region rund um die Stadt Rato Dero zu testen. Mehrere medizinische Teams würden derzeit täglich bis zu 2000 Menschen testen. Es bestehe die Sorge, dass die Zahl der Infektionen noch steige, sagte der Arzt und Vertreter der lokalen Gesundheitsbehörde, Masood Solangi. Rato Dero ist eine von Armut betroffene Stadt mit rund 200.000 Einwohnern. 

Für die massenhaften HIV-Infektionen verantwortlich sein soll ein Kinderarzt. Ursache seien vermutlich mehrfach verwendete Spritzen, sagte Regierungsvertreter Zafar Mirza. Er kündigte "drastische Maßnahmen" der Regierung gegen die Weiterverbreitung des Virus an, sollte sich die Vermutung bestätigen.

Das Geld für HIV-Medikamente fehlt

Der Kinderarzt, den die Behörden für den Ausbruch in der Provinz Sindh verantwortlich machen, ist nach ihren Angaben selbst HIV-positiv. Er bestreitet, seine Patienten wissentlich infiziert zu haben. Inzwischen sitzt er in Rato Dero in Haft. In vielen Familien der armen Region herrscht Panik: Sie wissen nur wenig über das Aids-Virus und mögliche Therapien, zudem fehlt ihnen das Geld für Medikamente.

Viele Pakistaner lehnen Tabletten ab und fordern bei gesundheitlichen Problemen Spritzen oder Infusionen, die sie als effizienter ansehen und oft in kleinen Hinterzimmern von schlecht ausgebildetem medizinischen Personal verabreicht bekommen. Das schlechte Gesundheitssystem verschärft die Situation. Gerade auf dem Land bleibt den Menschen häufig nichts anderes übrig, als sich an unqualifizierte Heiler zu wenden. Diese benutzen nach Angaben von Experten häufig dieselbe Spritze für mehrere Patienten, um Geld zu sparen.

Lange war HIV kein Problem in Pakistan. Doch inzwischen verbreitet sich das Virus rasend schnell - vor allem unter Drogenabhängigen und Prostituierten. 2017 wurden landesweit 20.000 neue Infektionen registriert. Damit hat Pakistan nach Angaben der UNO die zweitgrößte Zuwachsrate in Asien. Laut UN-Schätzungen waren 2017 rund 150.000 Menschen in dem 220-Millionen-Land HIV-positiv.

ikr / AFP / DPA

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