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Prozess gegen Frauenärzte: Tod eines Kindes: Ärzte sollen Zwilling bei Geburt mit Kaliumchlorid getötet haben

Ein Kind kommt zur Welt, der eineiige Zwilling soll im Anschluss noch im Mutterleib mit Kaliumchlorid getötet worden sein: Zwei Frauenärzte stehen deswegen in Berlin wegen Totschlags vor Gericht. Die Mediziner weisen die Vorwürfe zurück.

Eine Mutter hält ein Neugeborenes in der Hand

In Berlin stehen zwei Frauenärzte vor Gericht (Symbolbild)

Getty Images

Bei einer Zwillingsgeburt sollen zwei Frauenärzte nach der Entbindung eines gesunden Kindes das an einer schweren Hirnschädigung erkrankte zweite Kind mit Kaliumchlorid getötet haben. Sie stehen deswegen vor Gericht. Die Mediziner haben den Vorwurf des Totschlags am Berliner Landgericht zurückgewiesen. "Wir hatten keine Zweifel, dass es richtig ist, was wir tun", erklärte ein 73 Jahre alter Angeklagter zu Prozessbeginn am Dienstag. Im Vordergrund habe "nicht das Juristische, sondern das gesunde Kind gestanden".

Fötus - oder Mensch?

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der heutige Chefarzt im Ruhestand und eine 58 Jahre alte Ärztin die tödliche Injektion während der Geburt und damit zu einem Zeitpunkt vorgenommen hätten, zu dem dies rechtlich nicht mehr zulässig gewesen sei - es habe sich bereits um einen Menschen und nicht mehr um einen Fötus gehandelt. Mit Beginn der Eröffnungswehen beziehungsweise im Fall eines Kaiserschnitts mit Eröffnung des Uterus handele es sich dem Gesetz zufolge um einen Menschen, so die Anklägerin.

Die Anklage wirft den Ärzten vor, dass sie bewusst nicht die selektive Tötung des kranken Zwillings bereits im Mutterleib - also vor Beginn der Geburt - gewählt hätten. Sie hätten als erfahrene Gynäkologen gewusst, dass sie keine Abtreibung mehr vornahmen. Die gezielte Tötung eines ungeborenen Kindes im Mutterleib wird auch als Fetozid bezeichnet. "Ein Fetozid kommt zum Beispiel bei einem Spätabbruch aufgrund einer medizinischen Indikation infrage, um zu verhindern, dass ein schwer geschädigtes, aber bereits lebensfähiges Kind den Abbruch überlebt", schreibt dazu die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Bei Mehrlingsschwangerschaften kann ein selektiver Fetozid vorgenommen werden, wenn ein Fötus beispielsweise schwer erkrankt ist und das Überleben der anderen bedroht.

Zu dem Vorfall sei es 2010 in einem Klinikum gekommen, als die Angeklagten an einer Patientin, die sich mindestens in der 32. Schwangerschaftswoche befunden habe, einen Kaiserschnitt durchgeführt hätten. Die 58-jährige Ärztin sagte, sie hätten einen sicheren Weg für den zweiten Fötus finden und die Mutter nicht gefährden wollen. Der Prozess wird am 29. Oktober fortgesetzt.

ikr / DPA

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