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Tatsache oder Trugschluss: Lässt Stress die Haut altern?

Nach einem anstrengenden Arbeitstag sieht niemand aus wie das blühende Leben. Doch wirkt sich Stress im Job auch langfristig auf unser Äußeres aus? Beschleunigt er womöglich die Faltenbildung?

Von Lydia Klöckner

Macht abends essen dick? Ist es schädlich, den Deckel des Joghurtbechers abzulecken? Gibt es süßes Blut? Der stern nimmt in loser Reihenfolge Alltagsmythen unter die Lupe.

Bekommt man von Stress Falten?

Die Auflösung

Augenringe vom frühen Aufstehen, Zornesfalten vom Groll auf den Chef und ein Bäuchlein vom Überstunden-Frustessen: Schön macht übermäßiges Arbeiten nicht, vor allem nicht, wenn der Job psychischen Stress verursacht. Kein Wunder also, dass das Wellness-Geschäft boomt und fast jede Kosmetikmarke inzwischen eine "Beruhigungs-", "Regenerations-" oder "Anti-Stress-Maske" vertreibt. Doch kann sich Stress wirklich langfristig auf unsere Haut auswirken? Altert sie schneller, wenn wir zu viel arbeiten - oder uns zu sehr darüber aufregen?

Abwegig ist das nicht. Einen Zusammenhang zwischen Psyche und der Gesundheit unserer Haut vermuten Wissenschaftler schon lange. Denn die Haut ist nicht einfach eine "Hülle", die Fleisch und Knochen zusammenhält, sondern ein lebendiges Organ, das mit zahlreichen Nerven durchzogen ist und in ständigen Kontakt mit dem Gehirn steht. Kopf und Haut sind quasi schon von Geburt an "per du", weil sie sich aus dem gleichen Keimblatt entwickeln, dem sogenannten Ektoderm. Vom "Spiegel der Seele" zu sprechen ist also plausibel. Es gibt gute Belege dafür, dass psychische Belastungen Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Schuppenflechte verursachen oder zumindest begünstigen können.

Warum genau, ist noch nicht vollends geklärt. Man weiß aber, dass bestimmte Botenstoffe, über die unsere Nerven kommunizieren, eine wichtige Rolle spielen. Unser Körper reagiert auf psychischen Stress, indem er verschiedene biochemische Mechanismen in Gang setzt: Die Nervenenden in der Haut - pro Quadratzentimeter Haut sind es fünf bis 50 - setzen sogenannte Neuropeptide frei. Diese Botenstoffe bewirken unter anderem, dass Abwehrzellen ins Gewebe wandern, um uns gegen potenzielle Eindringlinge wie Krankheitserreger zu wappnen - einfach gesagt: Neuropeptide lösen eine Entzündungsreaktion in der Haut aus.

Wenn die Strapaze vorüber ist, werden sie wieder abgebaut. Es sei denn, der Stress wird zum Dauerzustand: "Es gibt Hinweise darauf, dass anhaltende psychische Belastungen zu einem mangelnden Abbau von Neuropeptiden in der Haut führen", erklärt Uwe Gieler von der Abteilung für Dermatologie and Allergologie der Universität Giessen. Die Folge seien chronische Hautentzündungen, die sich in roten Ekzemen und schuppigen Stellen äußern, den typischen Symptomen von Neurodermitis und Schuppenflechte.

Doch wie steht es mit der Hautalterung? Krähenfüße und Pigmentflecken sind ja schließlich keine Krankheiten, oder? "Dass Entzündungen Alterungsprozesse beschleunigen, ist noch nicht gut untersucht", sagt Gieler. "Menschen, die unter Neurodermitis und anderen Hautentzündungen leiden, altern jedenfalls nicht generell schneller."

Bislang gibt es nur wenige Studien, die einen direkten - und vor allem ursächlichen Zusammenhang - zwischen Stress und Falten aufzeigen. Eine davon veröffentlichte der Schönheitschirurg Bahaman Guyuron von der Universität Cleveland 2009 im Internetmagazin "Plastic and Reconstructive Surgery". Er und seine Mitarbeiter hatten die Gesichter von 186 Zwillingspaaren begutachtet und diese zudem nach ihrer Lebenssituation befragt. Dabei zeigte sich zum Beispiel, dass geschiedene Zwillinge rund zwei Jahre älter aussahen als ihre verheirateten, verwitweten oder allein lebenden Geschwister. Verstärkte Alterserscheinungen entdeckten die Forscher auch bei Zwillingen, die Anti-Depressiva einnahmen oder starke Gewichtsverluste hinter sich hatten. All diese Lebensereignisse waren zwar sehr unterschiedlich, doch sie hatten einen gemeinsamen Nenner: Sie gingen höchstwahrscheinlich mit Stress einher.

Die Studie zeigte allerdings auch, dass andere Einflüsse eine weitaus wichtigere Rolle spielen: Sonnenlicht und Zigarettenkonsum. Ultraviolett-Strahlen können in unsere Hautzellen eindringen und das Erbgut dauerhaft schädigen. Tabakrauch hemmt die Neubildung der Kollagenfasern, denen junge Menschen ihre glatte Haut verdanken. Zugleich verengt Nikotin die Blutgefäße, sodass auch die Haut schlechter durchblutet wird. "Schwach durchblutete Haut wird schlechter mit Nährstoffen versorgt und kann sich nicht so gut regenerieren", erläutert Kurt Seikowski, Experte für Psychosomatische Medizin an der Uniklinik Leipzig. Insofern verursacht Stress zumindest indirekt Falten- nämlich, indem er zum Rauchen verleitet.

Andrerseits ist auch ein direkter Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und der Durchblutung der Haut denkbar: "Die Gefäße in unserer Haut verengen sich in akuten Angst- und Stresssituationen", sagt Seikowski. "Je länger dieser Zustand anhält, umso stärker kann er die Hautgesundheit beeinträchtigen. Mit der Zeit sieht die Haut müde, fahl und zusammengefallen aus und wirkt älter."

Die Versprechen der Kosmetikindustrie

Auf Cremes und Schönheitsmasken, die angeblich stressbedingter Hautalterung entgegenwirken, sollte man allerdings nur bedingt Vertrauen. Sie lassen den Teint zwar jünger und frischer aussehen, weil sie die Haut mit Freuchtigkeit versorgen. Auch fördern manche von ihnen die Durchblutung. Erbgut-Schäden können aber wohl auch die teuersten Salben nicht reparieren - jedenfalls nicht erwiesenermaßen.

Das beste Mittel gegen Hautalterung ist nicht etwa eine teure Creme, sondern die gute alte Sonnencreme - und der Verzicht auf exzessive Sonnenbäder. Wer sich aus Angst vor Falten in fensterlosen Räumen verschanzt, tut seinem Körper allerdings auch nichts Gutes: Die Haut braucht Licht, um Vitamin D zu produzieren. Ein Mangel daran äußert sich im schlimmsten Fall in deformierten Knochen, einer verminderten Abwehrfunktion und womöglich sogar Depressionen - nicht gerade optimale Voraussetzungen für einen strahlenden Teint.

Fazit

Ob und in welchem Maß Stress die Bildung von Falten fördert, ist noch nicht vollends geklärt. Kein Zweifel besteht jedoch daran, dass Stress sich auf unsere Gesundheit niederschlägt, auch auf die unserer Haut. Das wiederum verhilft uns zu einer überaus wichtigen Erkenntnis: Wer schön sein will, muss nicht leiden - sondern glücklich sein.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(