SARS Erste Panikkäufe in Peking

Aus Angst vor einer Ausbreitung der asiatischen Lungenkrankheit SARS hat die chinesische Hauptstadt Peking alle Schulen geschlossen.

Gerüchte über eine mögliche Abriegelung von Peking haben in der Hauptstadt zu ersten Panikkäufen geführt. In den großen Supermärkten kauften die Menschen Reis, Mehl, Salz, Öl und vor allem Fertignudeln, wie das große Kaufhaus Carrefour berichtete. Auch die Supermarktkette Jingkelong bestätigte die Panikkäufe.
Die internationale Automesse in Schanghai wird aus Furcht vor einer Verbreitung der asiatischen Lungenkrankheit vorzeitig beendet. Schon die Kantoner Frühjahrsmesse hatten nur 16 000 Besucher besucht - letztes Jahr waren es 120 000. Auch die Fluggesellschaften haben ihre Streckenpläne zusammengestrichen. Singapore Airlines legte in mehreren Runden ein Fünftel seiner Verbindungen still, die Hongkonger Cathay Pacific fuhr die Kapazität sogar um über 40 Prozent zurück. Die Lufthansa stellte ihre Direktverbindung von München nach Shanghai/Hongkong vorerst ein.

Schlimme Folgen für die Wirtschaft

Nicht nur für Menschen, sondern auch für die Wirtschaft hat die Krankheit gefährliche Folgen: zehntausenden Menschen sind auch in Angst um ihren Job. Nach Berechnungen des Magazins «Far Eastern Economic Review» (FEER) wird SARS Asiens Wirtschaft mindestens 10,6 Milliarden US-Dollar (9,7 Mrd. Euro). Der Kalkulation zu Grunde lägen Prognosen von Regierungen und Analysten über die zu erwartenden Einbußen beim Wirtschaftswachstum durch SARS ohne Berücksichtigung der Inflation. FEER zitiert daneben den Direktor des Investmenthauses Morgan Stanley in Hongkong, Andy Xie, der für Asien - ohne Japan, Australien und Indien - sogar ein Minus von 15 Milliarden US-Dollar erwartet. Experten rechnen bereits jetzt mit einem Rückgang des Wachstums in China in diesem Jahr von 7,6 auf 7,3 Prozent. Das könnte noch weniger werden, wenn sich die Krankheit wie jetzt erwartet weiter ausbreitet.

Schulen und Universitäten menschenleer

Aus Angst vor einer Ausbreitung von SARS hat die chinesische Hauptstadt Peking alle Schulen geschlossen. Die Bildungskommission berichtete, die Schließung sei bis zum 7. Mai verfügt worden. Ob die Schulen dann wieder geöffnet werden, "muss später entschieden werden". Auch die Kommunikationsuniversität des Nordens schloss für einen Monat die Pforten. Andere Universitäten trafen Vorsichtsmaßnahmen, verkleinerten Klassen, führten Internetunterricht ein und begrenzten den Zugang. In Peking gibt es 693 bestätigte Fälle des Schweren Akuten Atemwegssyndroms (SARS) sowie mindestens genauso viele Verdachtsfälle, 35 Menschen sind bereits an SARS gestorben.

19 Provinzen betroffen

Die Innere Mongolei und die Provinz Shanxi hatten schon früher ihre Schulen geschlossen. In China sind inzwischen 19 Provinzen, Regionen und Metropolen von der Lungenkrankheit betroffen. Bislang sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums landesweit 2305 Menschen erkrankt und 106 gestorben. Unter den Erkrankten sind 480 Angehörige des medizinischen Personals. Zuletzt waren innerhalb eines Tages mehr als 150 Ansteckungen neu berichtet worden. Von allen Erkrankten sind 1213 Patienten geheilt entlassen worden.

Zu höchster Wachsamkeit aufgerufen

Die chinesische Regierung rief zu entschiedenen Maßnahmen und höchster Wachsamkeit auf. Eine dritte Gruppe von Untersuchungsteams wurde in elf Provinzen und Regionen entsandt. Gebiete mit bislang wenigen Fällen müssten sich auf einen Ausbruch der Krankheit vorbereiten, sagte Vizeministerpräsidentin Wu Yi.

SARS in Südostasien

Nordkorea soll, um eine Einschleppung von SARS zu verhindern, zahlreiche Besuchervisa verweigert sowie drei Deutsche zusammen mit anderen neu eingereisten Ausländern unter Quarantäne gestellt haben. Laut ARD gilt das auch für "Personen, die keine Symptome aufweisen", sie werden nach der Bestimmung "zehn Tage lang isoliert und unter medizinische Beobachtung gestellt". Ein Sprecher der nordkoreanischen Botschaft in Berlin wies darauf hin, dass dies auch für eigene Landsleute gelte, die im Ausland waren.
Die philippinischen Gesundheitsbehörden haben aus Angst vor einer Ausbreitung von SARS ein ganzes Dorf unter Quarantäne gestellt. Die 845 Einwohner des Ortes Vacante, rund 160 Kilometer nördlich der Hauptstadt Manila, könnten mit einer inzwischen gestorbenen SARS-Patientin in Kontakt gekommen sein.


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