HOME

Stern Logo Ratgeber Schlaf

Gestörter Biorhythmus: Zu wenig Schlaf macht krank

Die Gesellschaft ignoriere, wie wichtig guter Schlaf sei, mahnen britische Forscher. Viele Menschen würden gegen ihre innere Uhr leben und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.

Nur noch kurz ein Spiel spielen oder im Internet surfen? Für einen erholsamen Schlaf ist das Gift, sagen Forscher.

Nur noch kurz ein Spiel spielen oder im Internet surfen? Für einen erholsamen Schlaf ist das Gift, sagen Forscher.

Wir alle müssen schlafen, das steht außer Frage. Jeden Tag, im Idealfall mindestens sechs Stunden, eher mehr, und das am Stück, ungestört. Doch viele Menschen schaffen das heute nicht mehr, sei es aus beruflichen Gründen oder aus privaten: Manche arbeiten nachts oder bis spät in die Nacht, etwa Schichtarbeiter, andere sehen bis in die Morgenstunden fern oder sitzen am Computer. Auch Eltern kleiner Kinder schlafen oft unruhig oder zu wenig. Forscher der Universitäten in Oxford, Cambridge, Harvard, Manchester und Surrey warnen nun aber vor den Konsequenzen, die reduzierter oder schlechter Schlaf mit sich bringt - mehr noch: Sie warnen davor, die Notwendigkeit guten Schlafes zu ignorieren, berichtet die BBC. Die Wissenschaftler bezeichnen die Ignoranz der heutigen Gesellschaft sogar als "höchst arrogant".

Die Mahnung kommt nicht von ungefähr: Schlechter Schlaf, das zeigen immer mehr Studien, steht mit ernsten Erkrankungen in Verbindung, etwa mit Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, mit Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit. Daher sei dies kein Problem, das nur den Einzelnen betrifft. Auch die Regierungen sollten sich dieses Themas annehmen, fordern die Forscher, etwa, indem sie sich genauer mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Schichtarbeit beschäftigten und entsprechende Regelungen schaffen.

Viele Menschen leben gegen ihre innere Uhr

Die innere Uhr lenkt enorm wichtige Vorgänge im menschlichen Körper. Sie verändere die Wachsamkeit, die Stimmung, die körperliche Kraft und sogar das Risiko für einen Herzinfarkt, und das in einem täglichen Rhythmus, sagen die Forscher.

Die heutige moderne "24-Stunden-Gesellschaft" würde aber dazu führen, dass viele gegen ihre innere Uhr leben, beklagen die Forscher, und das hätte langfristig betrachtet gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden. Im Schnitt würde der Mensch pro Nacht zwischen einer und zwei Stunden weniger Schlaf bekommen als noch vor 60 Jahren, sagt Russell Foster von der Oxford-Universität der BBC. "Wir sind eine extrem arrogante Spezies. Wir glauben, wir könnten vier Milliarden Jahre Evolution einfach ablegen und ignorieren die Tatsache, dass dieser Kreislauf aus Licht und Dunkelheit es uns ermöglicht hat, uns zu entwickeln."

Dieses Problem betreffe die gesamte Gesellschaft und nicht nur beispielsweise Schichtarbeiter. Bei Teenagern sei dies besonders ernst, weil sie noch mitten in der Entwicklung steckten.

Schädliches blaues Licht

Vor allem die moderne Technologie hielte uns länger wach, meinen die Forscher. Energiesparlampen, Smartphones, Tablets und Computer hätten besonders viel kurzwelliges, blaues Licht. Dieses Licht aber störe die innere Uhr empfindlich: Es verschiebe die Ausschüttung des schlaffördernden Hormons Melatonin und erschwere das Aufstehen am nächsten Morgen.

"Die gesundheitlichen Probleme, die durch das Leben gegen die innere Uhr hervorgerufen werden, mögen weniger 'sexy' sein als die zahllosen 'Dies und jenes ruft Krebs hervor'-Geschichten", sagt Andrew Loudon von der Universität in Manchester. "Nichtsdestotrotz sind sie ein sehr großes Problem für die Gesellschaft." Kurzfristig sei ein gestörter Biorhythmus vielleicht weniger schlimm, langfristig habe er aber bedenkliche Auswirkungen.

Smartphone aus, Tablet aus, Computer aus

Sein Kollege Akhilesh Reddy, Professor an der Universität Cambridge, rät daher: "Versuchen Sie, mehr im Rhythmus zu leben, im Einklang mit der Umgebung. Und versuchen Sie, vor dem Schlafen allzu helles Licht zu meiden." Das bedeutet: Smartphone aus, Tablet aus, Computer aus - und zwar rechtzeitig.

Sonja Helms
Themen in diesem Artikel