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Covid-19-Impfung Sollten sich Schwangere gegen Corona impfen lassen? Neue Studien aus den USA sprechen dafür

Schwangere wird gegen Corona geimpft
Die Stiko hat die Impfempfehlung für Schwangere ausgeweitet.
© bogdankosanovic / Getty Images
Schwangere können sich inzwischen gegen Covid-19 impfen lassen. Aber nicht alle. Eine generelle Empfehlung gibt die Stiko nach wie vor nicht. Ist die Impfung für Schwangere nun sicher oder nicht? Neue Studien aus den USA machen Hoffnung.

Die Pandemielage scheint sich zu entspannen. Die Fallzahlen sind niedrig, die Impfrate steigt. In der kommenden Woche steht der nächste große Schritt der Impfkampagne an: Die Priorisierung fällt. Und auch die Impfempfehlung für Schwangere hat die Ständige Impfkommission (Stiko) im vergangenen Monat angepasst. 

"Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung oder mit einem erhöhten Expositionsrisiko aufgrund ihrer Lebensumstände kann nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung ab dem 2. Trimenon angeboten werden," heißt es in der fünften Aktualisierung der Stiko-Empfehlung. Geimpft werden soll in diesem Fall ein mRNA-Impfstoff. Damit machte die Stiko die Tür für Impfungen von Schwangeren einen Spalt weit auf, aber eben nur einen Spalt. Ist die Impfung für Schwangere nun sicher oder nicht? Die Stiko bleibt vorsichtig. Neue Studien aus den USA hingegen machen jetzt Hoffnung.

Keine generelle Impf-Empfehlung

In der Empfehlung ist nachzulesen: "Die Stiko empfiehlt die generelle Impfung in der Schwangerschaft derzeit nicht." Die Daten, die zur Anwendung der Covid-19-Impfstoffe bei Schwangeren vorlägen, seien "sehr limitiert". Die WHO spricht sich dagegen längst für eine priorisierte Impfung von Schwangeren aus.

Hohes Fieber im ersten Schwangerschaftsdrittel könne das Risiko von Komplikationen und auch Fehlbildungen erhöhen, schreibt auch das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Seite. Bei Schwangeren, die schwer an Covid-19 erkrankten, sei außerdem eine erhöhte Frühgeburten-Rate beobachtet worden. Nicht klar sei, so das RKI, ob dies durch eine Infektion oder andere medizinische Gründe, ausgelöst wurde. Es könnten "keine abschließenden Aussagen über die Auswirkung einer Infektion auf das ungeborene Kind gemacht werden". 

Andere Länder, andere Impf-Prio

Auch mit der aktualisierten Impf-Empfehlung werden in Deutschland werdende Mütter bislang nur selten geimpft. "Da die Haftung im Falle eines Zwischenfalls immer noch ungeklärt ist, werden Schwangere nur in Einzelfällen geimpft", sagte Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, der "dpa". So gebe es von der Stiko keine Angaben dazu, was ein solches erhöhtes Expositionsrisiko sei. "Da es keine allgemein gültigen Vorgaben gibt, müssen Frauenärztinnen und Frauenärzte individuell verfahren", sagte er. Das aber könne, so Albring, nicht deren Aufgabe sein. Er sprach sich daher für eine generelle Empfehlung aus.

Andere Länder schätzen das Risiko, das mit einer Infektion mit dem Coronavirus einhergeht, schon länger größer ein als mögliche Impfrisiken. In Israel werden bereits seit Januar schwangere Frauen geimpft, die Impfung wird sogar ausdrücklich empfohlen. Auch in Frankreich, Österreich, Großbritannien und den USA können sich Schwangere gegen das Virus impfen lassen. In den Vereinigten Staaten sollen inzwischen etwa 90.000 Schwangere geimpft sein, auch dort hauptsächlich mit den mRNA-Vakzinen von Biontech oder Moderna. Bedenken bezüglich der Wirksamkeit und Sicherheit kamen bisher keine auf.

Neue Studien: Impfungen schützen Mutter und Kind

Gedeckt wird dies nun durch zwei neue Studien. Diese zeigten, schrieb Francis Collins, Direktor des US-Gesundheitsinstituts National Institutes of Health (NIH), dass die beiden mRNA-Wirkstoffe "für schwangere Frauen völlig sicher zu sein scheinen". Demnach deuten die Ergebnisse aus den Studien darauf hin, dass die Impfungen sowohl die Mütter als auch die Säuglinge schützen. Die geimpften Mütter hätten neutralisierende Antikörper in ausreichenden Mengen produziert, ebenso wie Immunzellen.

Ein US-Forscherteam um den Immunologen und Virologen Dan Barouch rekrutierte 103 Frauen im Alter zwischen 18 und 45 Jahren, darunter 30 Schwangere und 16, die stillten. Die Schwangeren hatten ihre Impfung in einem beliebigen Trimester erhalten, die meisten jedoch im zweiten oder dritten. Demnach vertrugen alle teilnehmenden Frauen die Impfstoffe gut, lediglich einige entwickelten nach der zweiten Dosis ein Fieber, das nach kurzer Zeit wieder abklang. Dabei handelt es sich um eine häufig auftretende Impfreaktion, die quer durch alle Gruppen auftreten kann. Bei allen Frauen konnten nach der Impfung Antikörper in ausreichender Menge gegen Sars-CoV-2 gefunden werden. Und: Auch im Nabelschnurblut und in der Muttermilch fanden die Forscher:innen Antikörper. Ein Hinweis darauf, dass die Säuglinge durch die Weitergabe einen gewissen Frühschutz gegen das Virus erhalten. 

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Impfung für Schwangere "der beste Weg"

Die zweite US-Studie, die im Fachblatt "Obstetrics & Gynecology" erschien, untersuchte, ob sich eine Impfung negativ auf die Plazenta auswirkt und damit die Versorgung des Fötus beeinträchtigen könnte. An der Studie, geleitet von Jeffery Goldstein von der Northwestern's Feinberg School of Medicine, nahmen 84 Schwangere teil. Das Gros wurde im dritten Schwangerschaftstrimester mit einem mRNA-Vakzin geimpft. Die Forschergruppe konnte aus den Ergebnissen keine negativen Auswirkungen ablesen. Schäden an der Plazenta fanden sie keine. Dafür konnten sie aber, wie auch die Kolleg:innen, eine gute durch den Impfstoff ausgelöste Produktion von neutralisierenden Antikörpern feststellen. 

Schwangeren werde zwar dringend empfohlen sich mit ihrem Gynäkologen oder ihrer Gynäkologin über eine Impfung zu beraten, aber die zunehmende Zahl von Hinweisen deute darauf hin, so Collins, "dass der beste Weg für Frauen während der Schwangerschaft oder Stillzeit, sich und ihre Familien vor Covid-19 zu schützen, darin besteht, die Ärmel hochzukrempeln und sich mit einem der mRNA-Impfstoffe zu impfen".

Quellen: Stiko, RKI, NIH, RND


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