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Archäologie: Einwanderung brutal – vor 4500 Jahren wurde jeder Mann in Spanien getötet

Vor 4500 Jahren wurde Spanien von bewaffneten Kämpfern erobert. Sie vernichteten die Gesellschaften dort und errichteten eine Herrschaft von Berufskriegern. Die einheimischen Männer brachten sie offenbar um.

Grabfund der Jamnaja-Kultur bei Murcia.

Grabfund der Jamnaja-Kultur bei Murcia.

Die genetische Untersuchung von Grabfunden in Spanien führte zu einer schockierenden Erkenntnis berichtet der "New Scientist": Praktisch über Nacht wurden vor 4500 Jahren alle Spuren der männlichen Population ausgelöscht. In den Genen der Nachkommen findet sich keine Spur der männlichen einheimischen Bevölkerung mehr, nur die Frauen überlebten.

Geplante Unterwerfung

Vor etwa 5000 Jahren brachen Nomaden aus den Steppen Osteuropas auf, um den europäischen Kontinent zu unterwerfen. Die sogenannte Jamnaja-Kultur war den dortigen Einwohnern technisch überlegen. Die Jamnaja haben die Kriegsführung revolutioniert. Als erste nutzten sie domestizierte Pferde. Durch die Erfindung des Rades konnten sie zudem Streitwagen konstruieren. "Diese Menschen haben sich über ein riesiges Gebiet von der Mongolei über Ungarn bis nach Europa ausgebreitet und sind heute die wichtigsten Hauptakteure der Europäer", sagte David Reich, Professor für Genetik an der Harvard University und Autor der Studie.

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Auch der wertvolle Schmuck der Frau blieb im Grab.

Auch der wertvolle Schmuck der Frau blieb im Grab.

Hersteller

So war es den Jamnaja möglich, sehr schnell sehr große Gebiete zu erobern. Die Herrschaft in den neu gewonnenen Gebieten sicherten sie auf eine einfache und brutale Weise: Sie brachten die männlichen Einwohner um. Das legen zumindest neue Skelett-Analysen nahe. "Der Zusammenprall der beiden Populationen geschah nicht freundlich. Die neu angekommenen Männer, haben die einheimischen Männer fast vollständig verdrängt", so Reich.

Technisch überlegen

Der spanische Wissenschaftler Íñigo Olalde sagte zu "El Pais", dass diese Invasion sehr schnell eine Auswirkung auf den kompletten Genpool hatte. Die Gene der nachfolgenden Generation stammten zu 40 Prozent von den Invasoren, die Y-Chromosomen zu 100 Prozent. Da die Y-Chromosomen männlich vererbt werden, bleibt nur ein Schluss. Die indigene männliche Bevölkerung wurde getötet, die Frauen unter den Einwanderern verteilt.

Beim Aufbruch aus Zentralasien hat die Gruppe fast ausschließlich aus Männern bestanden. Auf jeweils zehn Männer soll nur eine Frau gekommen sein. Schon dieses Verhältnis deutet an, dass keine normale Besiedelung geplant war. Mit dieser Mischung der Geschlechter wären die Neuankömmlinge einfach ausgestorben. Offenbar war die "Eroberung" fremder Frauen als Teil der Besiedlung mit eingeplant.

Herrschaft einer Kriegerklasse

Spanien wurde erstmals vor 8000 bis 9000 Jahren besiedelt, bis dann vor 4500 Jahren eine neue Kultur die iberische Halbinsel erreichte. Während die Ureinwohner in einer steinzeitlichen egalitären Gesellschaft lebten, etablierte sich danach eine hierarchische Gesellschaft. Dazu fand man Kriegsäxte, Wagen mit vier Rädern und reich verzierte Beigaben in den Gräbern der Oberschicht. Das sind deutliche Zeichen einer Gesellschaft, die von Profi-Kriegern dominiert wurde. Die Siedlungen der Ur-Spanier hatten ihnen nichts entgegenzusetzen.

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