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Covid-19 Vermeintliche Wuhan-Verschwörung: Trumps Regierung will Labor zur Zusammenarbeit zwingen

Donald Trump und Anthony Fauci
Donald Trump (l.), Präsident der USA, und Dr. Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten
© Patrick Semansky/AP/DPA
Immer wieder befeuerte Donald Trump die Verschwörungstheorie, das Coronavirus Sars-CoV-2 stamme aus einem chinesischen Labor. Nun ist seine Regierung sogar bereit, Wissenschaftler unter Druck zu setzen, um dem nachzugehen.

Woher kommt das für die aktuelle Pandemie verantwortliche Coronavirus? Diese Frage ist immer noch nicht abschließend geklärt. Trotzdem verbreitet US-Präsident Donald Trump immer wieder die Verschwörungstheorie, es sei aus einem chinesischen Labor entwischt. Eine US-Behörde will nun Forscher nötigen, Beweise für die Theorie vorzulegen - oder ihnen die Gelder vorenthalten.

Das berichtet die EcoHealth Alliance, eine gemeinnützige Organisation, die seit Jahren an Coronaviren forscht. Demnach habe man in einem Brief des National Instituts of Health (NIH), einer dem US-Gesundheitsministerium unterstellten Behörde, die Gewährung dringend benötigter Forschungsgelder in Aussicht gestellt bekommen. Das sei aber mit sehr konkreten Bedingungen verbunden gewesen, berichtet das "Wall Street Journal", dem der Brief vorliegt. Und ein Großteil davon hänge mit der Verschwörungstheorie zusammen.

Ungewöhnliche Forderungen

Die Begründung dafür ist einfach: EcoHealth hatte im Rahmen seiner Forschung auch mit dem Labor in Wuhan, dem Wuhan Institute of Virology (WIH),  zusammengearbeitet. Nun wollte die Behörde plötzlich alles über die Zusammenarbeit erfahren - und noch deutlich mehr. So forderte sie unter anderem Proben des genetischen Materials des Covid-19-Erregers, die im Labor in China isoliert worden waren. Und verlangte eine Erklärung, warum ein Wissenschaftler des chinesischen Labors verschwunden sei. Außerdem wollte die Behörde wissen, warum in Wuhan um das Labor Telefon- und Straßensperren aktiv gewesen seien. Zudem warnte man, dass sich das US-Labor auf Besuche eines Expertenteams vorbereiten solle, das den Standort in New York auf weitere Beweise untersuchen solle.

Die Wissenschaftler der EcoHealth Alliance fühlen sich überrumpelt. "Sie fordern von uns, Verschwörungstheorien zu widerlegen, die höchst unwissenschaftlich und schädlich sind", klagen die Forscher. Man verlange Erklärungen von ihnen, die selbst Regierungen und die Weltgesundheitsorganisation WHO bisher nicht hätten liefern können. "Und das ist dem NIH voll bewusst", sind sie sicher. "Dieser Brief bestätigt de facto nur die Streichung unserer Gelder. Er verlangt von uns, die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter zu gefährden, um diese Forderungen zu erfüllen."

Weißes Haus ließ Gelder streichen

Die Streichung der Forschungsgelder war im April überraschend erfolgt. Dr. Anthony Fauci, durch die Corona-Krise weltbekannter US-Virologe und Leiter der für Viren zuständigen Unterabteilung des NIH, hatte im Juni vor dem Kongress ausgesagt, die Streichung sei direkt auf Geheiß des Weißen Hauses erfolgt. "Die genauen Gründe kenne ich nicht", erklärte der Virologe gewohnt diplomatisch. Donald Trump war im April auf die Forschungsgelder angesprochen worden, weil ein Teil von ihnen über die Zusammenarbeit auch an das WIH in Wuhan geflossen waren. "Wir werden das sehr schnell beenden", erklärte der Präsident dem Transkript des Weißen Hauses zufolge eine Woche, bevor die Gelder gestrichen wurden.

Die Forderungen des NIH zur Fortsetzung der Förderung werden von Experten als enorm ungewöhnlich bezeichnet. "Sie verlangen quasi Geheimdienst-Informationen, die dann für politische Entscheidungen genutzt werden sollen", erklärte der ehemalige US-Botschafter und hochrangige Beamte im Gesundheitsministerium Jimmy Kolker gegenüber dem "WSJ". Der ehemalige NIH-Direktor Harold Varmus bezeichnete die Forderungen demnach als "empörend".

Geheimdienste glauben nicht an Trumps Theorie

Die hinter den Anfragen stehende Verschwörungstheorie gilt trotz der prominenten Aussagen des US-Präsidenten als kaum realistisch. Selbst die US-Geheimdienste hatten in einem ungewöhnlichen gemeinsamen Brief Ende April erklärt, dass man sich dem wissenschaftlichen Konsens anschließe, dass das Virus weder von Menschen entwickelt, noch genetisch manipuliert worden sei. Eine endgültige Untersuchung der Ursachen steht noch aus, die WHO hatte erst im Juli zwei Wissenschaftler in die Region entsenden dürfen, um die Herkunft des Virus endgültig zu klären. 

Die Leiterin des WIH, Shi Zhengli fühlt sich jedenfalls ungerecht behandelt. Ihr Team habe das Virus im Oktober erstmals entdeckt. "Davor haben wir damit weder Kontakt noch Kenntnisse gehabt", sagte sie "Science" Ende Juli. Trumps Beschuldigungen würden die akademische Arbeit und auch das Privatleben ihres Teams in Gefahr bringen, klagte die Wissenschaftlerin. "Er schuldet uns eine Entschuldigung."

Quellen:Wall Street Journal, EcoHealth Alliance, Erklärung der US-GeheimdiensteWeißes Haus, Science


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