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Corona-Behandlung im Krankenhaus: Drosten über die intensivmedizinische Betreuung und die "hohe Kunst" der Beatmung von Covid-19-Patienten

Das Coronavirus stellt für Herzvorgeschädigte eine besondere Gefahr dar. Warum das so sein könnte, erklärt Christian Drosten im stern-Gespräch.

Christian Drosten

Christian Drosten ist Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin

DPA

In Deutschland haben sich bislang 26.000 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert – 111 starben. Die täglich steigenden Fallzahlen werden zu einer Bewährungsprobe für die Kliniken hierzulande. Neben dem Personal gibt es vor allem eine kritische Größe, die darüber entscheidet, wie gut schwer kranke Patienten versorgt werden können: die Anzahl der Intensivbetten mit Beatmungsgerät. Rund 25.000 Stück gebe es davon deutschlandweit, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erst kürzlich erklärt. Weitere 10.000 zusätzliche Geräte seien geordert worden. Die entscheidende Frage lautet: Reicht das?

Im stern-Gespräch spricht der renommierte Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité über die Intensiv-Versorgung in Deutschland und die Schwierigkeiten bei der Behandlung von Covid-19-Patienten. Deutschland verfüge im Verhältnis zu der Bevölkerung über "drei-, vier, fünfmal mehr Betten als andere Länder in Europa pro 100.000 Einwohner", so Drosten. Hinzu komme auch die Fachkompetenz, "um solche Erkrankten beatmen zu können". 

Beatmung als "hohe Handwerkskunst"

"Die Kollegen an der Charité, die die Intensivstationen leiten, haben mir erklärt, was das Schwierige ist, wenn man Menschen mit dieser Erkrankung beatmen muss“, sagt Christian Drosten. Die Beatmung eines Covid-19-Patienten mit Lungenentzündung sei nicht mit der eines Patienten nach einer Herz-OP zu vergleichen. "Bei dieser Art einer schweren viralen Lungenentzündung ist es anders", erklärt der Virologe gegenüber dem stern. "Die schädigt das Lungengewebe direkt und zwar in der Peripherie. Dort sind die allerfeinsten Gefäße der Lunge, die Kapillaren, durch die Infektionszellen verdickt. Beim Gasaustausch bekommt der Körper deshalb nicht mehr genug Sauerstoff ins Blut. Der Blutdruck in den kleinen Gefäßen erhöht sich. Darum steigt der Druckwiderstand für das Herz gegen die Lunge sehr an." (Das ganze Gespräch können Sie hier nachlesen.)

Der Druckwiderstand bedeutet Schwerstarbeit für das Herz. "Deshalb sterben auf der Intensivstation oftmals Herzvorgeschädigte", erklärt Drosten. "Es braucht eine ganz feine Balance zwischen Überdruckbeatmung und Kreislaufregulation. Das ist die hohe Handwerkskunst der internistischen Intensivmedizin." Die deutschen Universätskliniken haben laut Drosten einen hohen Standard bei Beatmungen, seien zudem gut vernetzt. "Spezielle handwerkliche Kenntnisse verbreiten sich schnell in Deutschland und dazu gehört auch: so eine Krankheit zu beatmen."

In einigen Ländern wie Italien werden die Beatmungskapazitäten angesichts der rasant steigenden Patientenzahlen knapp. Ärzte müssen entscheiden, welche Patienten beatmet werden können - und welche nicht. Erwartet er ein ähnliches Szenario auch in Deutschland? "Ich hoffe nicht", so Drosten. "Ich hoffe, dass wir gerade so daran vorbeischlittern." Grundsätzlich seien die Maßnahmen in Deutschland früher als in anderen Ländern umgesetzt worden. "Auch wenn es im Kalender später aussieht."

stern

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