Zahnpflege Kauen gegen Karies


Nach jeder Mahlzeit sind unsere Zähne einer zerstörerischen Allianz aus Zucker, Säure und Bakterien ausgeliefert. Löcher und Mundgeruch sind oft die Folge. Spezielle Kaugummis und Bonbons können davor schützen - mit Geduld und Spucke.
Von Torben Müller

Viele Jahrzehnte lang waren die Feindbilder in der Zahnwelt eindeutig geklärt: Die Bösen, vor denen Eltern und Zahnärzte warnten, waren Schokoriegel, Kekse und Bonbons, deren Süße unserem Gebiss schleichend zusetzte. So einfach ist die Welt nicht mehr: Heute verkaufen Apotheken, Drogerien und Supermärkte Bonbons und Kaugummis, die die Zähne schützen sollen - indem sie sie von Belägen befreien und sogar Karies abwenden.

Im Kampf gegen die Löcher in den Zähnen richten sich diese zuckerfreien Süßigkeiten vor allem auf ein Ziel: die Säure im Zahnbelag. Sie entsteht beim Verzehr zuckerhaltiger Speisen und Getränke: Bakterien, die in den Zahnbelägen sitzen, nehmen den süßen Stoff auf und zersetzen ihn anschließend zu Säure. Bis zu eine Stunde lang wirkt diese, geschützt von der Plaque, auf den Zahn ein und löst Mineralien aus der Zahnsubstanz heraus. Geschieht das häufiger, wird der Zahn instabil: Es entsteht ein Loch.

Spucke neutralisiert die Säuren

"Zuckerfreie Kaugummis und Bonbons können helfen, diesen Zerstörungsprozess zu verhindern", sagt Joachim Klimek, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Präventive Zahnheilkunde an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Entscheidend sei dafür die Wirkung des Kauens oder Lutschens: "Es regt die Produktion von Speichel an, der die schädlichen Säuren in der Plaque neutralisiert. Dieser Prozess ist in Studien nachgewiesen worden." Bei Kaugummis sei dieser Effekt weitaus stärker als bei Bonbons.

In den ersten Minuten, in denen ein Mensch kaut, produzieren seine Speicheldrüsen bis zu zehnmal so viel Spucke wie in Ruhephasen. Anschließend sinkt die Menge auf immer noch das Drei- bis Vierfache der "nüchternen" Speichelproduktion. Auch die Struktur ändert sich: "Der angeregte Speichel ist anders zusammengesetzt als der Ruhespeichel und kann Säuren besser neutralisieren", sagt Klimek.

Kaugummis müssen zuckerfrei sein

Er empfiehlt, nach einer Mahlzeit rund 20 Minuten zu kauen oder zu lutschen. "So lange wirken Karies auslösende Säuren auf den Zahn ein, wenn sie nicht durch den Speichel neutralisiert werden." Wichtig ist, dass die Bonbons oder Kaugummis zuckerfrei sind. Denn sonst werden die Bakterien in der Plaque noch mit Nachschub versorgt.

Zusätzliche Inhaltsstoffe zur Zahnpflege hält Klimek im Normalfall für unnötig - etwa Salze in den Bonbons, die nach Herstellerangaben den Neutralisierungseffekt nach dem Lutschen verlängern und die Erholung des Zahns verbessern sollen. "Der Speichel enthält alle Mineralien zum Regenerieren im Überfluss. Da bringen Zusatzstoffe höchstens einen kleinen Extraeffekt."

Kein Ersatz für die Zahnbürste

Ähnlich skeptisch ist der Forscher gegenüber Enzymen wie Papain. Es soll Zahnbeläge aufbrechen und wird für weißende Effekte beworben. "Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege", sagt Klimek. Ohnehin sei der Stoff im besten Fall in der Lage, oberflächlich zu reinigen. "Die Zahnfarbe ändern, wie wir es vom Bleichen kennen, können sie nicht."

Tatsächlich wirksam seien dagegen geriffelte Bonbons zum Reinigen der Zunge. "Sie vermindern den Belag, in dem sich auch Mikroorganismen befi nden, die Mundgeruch auslösen", sagt Klimek. "Allerdings ist der Effekt zeitlich begrenzt, weil sich die Zahl der Bakterien innerhalb einer Stunde wieder verdoppeln kann."

So nützlich die zuckerfreien Mundpfleger auch sind, sie können die Bürste nur ergänzen. Ein Kaugummi, das das Zähneputzen ersetzt, muss erst noch erfunden werden.

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