HOME

Comedy-Trend "Competitive Erotic Fan Fiction": Schmutzig - und ziemlich witzig

Die Ebook-Charts in drei Worten? Sex, Sex, Sex. In einem Keller in Brooklyn wird der Boom auf die Spitze getrieben. Zu Besuch an dem Ort, wo Putin, Washington und Jesus die Hosen runterlassen.

Von Andreas Spinrath, New York

Jesus' Unterleib ist schwer beschäftigt an diesem Abend. Um 20.18 Uhr wird der Gottessohn mit Maria Magdalena reichlich unchristlich, schon eine halbe Stunde später kümmert er sich liebevoll um Beyoncé Knowles. "My dick is bibleicious", stöhnt der Messias aus Nazareth. Das Publikum begeistert sich an seinem "12-Inch-Bethlehammer".

Die erotischen Eskapaden spielen in einem New Yorker Keller. Die Luft schwer, das Bier in Dosen, die Zuschauer dichtgedrängt vor der Bühne. "Competitive Erotic Fan Fiction" heißt die von Bryan Cook erfundene Show, die es mittlerweile in einigen Städten in den USA gibt. Das Prinzip ist einfach: Zehn Comedians erzählen Geschichten über Sex, die sich an bereits bestehenden Werken oder echten Persönlichkeiten orientieren. George Washington bekommt eine Fellatio-Nachhilfestunde, der amerikanische Bürgerkrieg artet zur Freiluftorgie aus und Jesus beweist gleich in zwei Stories, dass seine Gedanken "nicht völlig rein" sind. Per Applaus kürt das Publikum einen Sieger - natürlich, das hier ist schließlich Amerika.

Fan-Fiction, also Literatur von Fans für Fans, gibt es schon lange: Erst schrieben Fans "Alice im Wunderland" um, dann gab es plötzlich neue Fälle für Sherlock Holmes und weitere Abenteuer für die Crew vom Raumschiff Enterprise. Auf Internetseiten wie FanFiction.net wird fast jede Nische befriedigt. Von Harry Potter bis Herr der Ringe, von Hulk Hogan bis zur Sesamstraße.

Doch richtig Bewegung kam in das Genre, als die britische Autorin Erika Leonard unter dem Pseudonym E. L. James aus "Twilight" eine Sadomaso-Orgie machte, die Geschichte später weiter abwandelte und unter dem Titel "50 Shades Of Grey" Millionen verkaufte - vor allem als Ebook.

Angesagt: erotische Literatur + Ebook

Die Comedy-Show in Brooklyn steigert die erotische Fan-Fiction ins Absurde. Die Comedians, zum Teil Autoren für TV-Erfolgsformate wie "The Daily Show" oder "The Tonight Show Starring Jimmy Fallon", spielen gerne mit. Auch wenn sie zwischendurch selber prusten müssen. "Beyoncé sah untenrum aus wie ein Nadelöhr, durch das ein Kamel gehen kann", lässt Travon Free seinen Jesus fachmännisch begutachten. Das Publikum grölt, Free ist es etwas peinlich: "Oh Gott, ist das dumm", schämt er sich ins Mikrofon.

Doch in den Ebook-Charts wäre er damit in bester Gesellschaft. Dort rammeln und vögeln sich die Charaktere quer durch die Spitzenpositionen der Bestsellerlisten: "Mit dem schlimmen Zwilling im Bett", die Geschichte von Grace, die vom bösen Zauberer Max ein Vergnügen will, das ihr noch kein Mann bereiten konnte. "The Private Club", die Geschichte von Meg, deren neuer Job sie in eine Welt der Lust einführt. "Taken by the T-Rex", die Geschichte von Drin, der es, nun ja, von einem T-Rex besorgt wird.

Alles Topverkäufe. Vielleicht auch, weil man mit den Geräten ganz ungestört seiner Leselust nachgehen kann. Sogar in der U-Bahn oder im Bus, denn ein Ebook sieht ja immer gleich aus – egal ob man sich gerade durch Dinosaurier-Pornos oder den "Zauberberg" wischt.

Der böse Putin macht das Rennen

In dem Keller in Brooklyn ist die nächste Geschichte an der Reihe, nun geht es für Wladimir Putin zur Sache. Der Präsident ist weinerlich: "Ich habe mein Mojo verloren. Das ist schlimm, denn drei Jahrzehnte lang habe ich meine Frau betrogen – das war quasi mein Zweitberuf. "

Es fließen noch ein paar Tränen, dann ist die Potenz zurück: Putin vernascht seinen Sekretär im Kreml stilecht auf dem Golden-Retriever-Teppich. Doch nach dem Höhepunkt erinnert sich Putin wieder an seine Anti-Homo-Politik, er lässt den Sekretär ermorden. Der Applaus will nicht aufhören, von einem bösen Putin hört auch New York gerade gern. Folgerichtig gewinnt Comedian Kara Klenk die Runde "Competitive Erotic Fan Fiction".

Jesus Christus geht damit leer aus. Immerhin könnte man ihm den Sonderpreis für das "newyorkigste Story-Ende" zusprechen. Mit Maria Magdalena zeugt der umtriebige Messias nämlich einen Sohn: Jay-Z.

Sie können dem Autor auf Twitter folgen: @aspinrath.