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Matthias Politycki: "Gedichte, die in jede Kneipe passen": Lyrik zum Mittrinken

Diese Aktion holt Lyrik aus dem Elfenbeinturm direkt in die Wirtsstube: In der Videoreihe "Gedichte, die in jede Kneipe passen" lesen Freunde des Schriftstellers Matthias Politycki in jeder Folge eines seiner lyrischen Werke.

Matthias Politycki – Gedichte, die in jede Kneipe passen

In jeder Folge wird eines der Gedichte von Matthias Politycki in einer Kneipe vorgelesen.

Amsel, Drossel, Fink und Star,
alle Vögel an der Bar.
Nur der Vögelkönig fehlt.
Macht er sich bloß wieder rar? 

( : "Der Vögelkönig")

Kaum eine Kunstform ruft so viele Berührungsängste hervor wie zeitgenössische Lyrik. Auf so manch einen hat sie gar abschreckende Wirkung. Ein schlechteres Image haben wohl nur serielle und modernes Ballett.

Der Schriftsteller Matthias Politycki hat sich um derartige Imageprobleme noch nie geschert. Seit vielen Jahren macht er, worauf er Lust hat und publiziert in allen möglichen Textformen. Schreibt umfangreiche Romane, schlanke Novellen, Erzählungsbände - und immer wieder Lyrik. 

Matthias Politycki dichtete schon über die englischen Biere

Dass diese Kunstform gerade nicht esoterischen Kleingruppen vorbehalten sein sollte, sondern in die Wohnstuben, auf die Straße und in die gehört, diese Auffassung hat er schon immer vertreten. So veröffentlichte er etwa 2011 mit "London für Helden" einen Gedichtband, der gleichzeitig als Führer durch die Pubs der britischen Hauptstadt gelesen werden konnte, mit deren Bieren er sich nicht so recht anfreunden konnte. Eines schmeckte im Abgang nach "verranztem Murmeltier, 'nem räudigen Kater oder nach Ziegenbock", ein anderes bezeichnete Politycki als "'ne Art Altbierbowle für Schnabeltassentrinker".

Von dort aus war der Schritt bis zu dieser Aktion nur konsequent: Aktuell lässt Matthias Politycki in seiner Hamburger Stammkneipe seine Verse vorlesen. "Gedichte, die in jede Kneipe passen" heißt die Aktion, die Alexander Tempel auf Video aufgezeichnet und auf Youtube einsehbar ist. 14 Folgen gibt es bislang. Für die Zuschauer ist es ein großer Spaß. Die Reihe zeigt zudem, dass Lyrik nicht nur für ältere Herren im Rollkragenpullover geeignet ist, sondern auch an den Thresen gehört.

Hier ein Beispiel. Fränki, der Wirt der Hamburger Kneipe "Meisenfrei" liest "Leeres Glas":


Ein Mann vor einem leeren Glas
ist ein trauriger Anblick.
Traurig ist auch
ein verrutschtes Makeup an einer hübschen Kellnerin
und daß sie gerade Feierabend hat
(…)
Am traurigsten aber von alledem
ist der Mann vor seinem leeren Glas

(Matthias Politycki: "Leeres Glas") 

Parallel zu den Kneipenlesungen ist auch die erste Zusammenstellung seines lyrischen Schaffens erschienen: "Sämtliche Gedichte 2017-1987" enthält Matthias Polityckis dichterisches Gesamtwerk aus drei Jahrzehnten. Es reicht von seinem experimentellen Frühwerk über die Adaptionen klassischer Formen wie Sonette und Haikus bis hin zu seiner lyrischen Kneipentour "London für Helden". 

Matthias Politycki: "Sämtliche Gedichte: 2017-1987" ist im Verlag Hoffmann und Campe erschienen, enthält 640 Seiten und kostet 32 Euro.

Die Videoreihe "Gedichte, die in jede Kneipe passen" ist auf Youtube verfügbar.


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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo