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Trauer um Literaturpapst: Marcel Reich-Ranicki ist tot

FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher machte die traurige Nachricht als Erster auf Twitter publik: Deutschlands populärster Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist im Alter von 93 Jahren gestorben.

Marcel Reich-Ranicki ist tot. Deutschlands berühmtester Literaturkritiker starb im Alter von 93 Jahren. Dies twitterte der Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Frank Schirrmacher, am Mittwoch. "Wir trauern alle. Noch vor 2 Stunden habe ich ihn besucht."

Der am 2. Juni 1920 in Polen geborene Sohn einer jüdischen Familie machte 1938 in Berlin Abitur, die Nazis wiesen ihn dann aber nach Polen aus. Im Warschauer Ghetto gelang ihm 1943 mit seiner Frau Teofila (Tosia), die er dort geheiratet hatte, die Flucht. Seine Eltern und die seiner Frau wurden Opfer des Holocaust.

1958 kehrte er nach Deutschland zurück und machte sich bei der Wochenzeitung "Die Zeit" als Kritiker einen Namen. Von 1973 bis 1988 leitete er die Literaturredaktion der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Einem großen Publikum wurde Reich-Ranicki mit der ZDF-Sendung "Das Literarische Quartett" bekannt. Neben zahlreichen anderen Büchern veröffentlichte er 1999 seine Autobiografie "Mein Leben", die zum Bestseller wurde. Das Buch wurde nach Verlagsangaben mehr als 1,2 Millionen Mal verkauft. Bis zuletzt schrieb er noch regelmäßig für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".

Reich-Ranicki litt an Krebs

Für seine Arbeit wurde Reich-Ranicki mit zahlreichen Preisen und Ehrendoktorwürden geehrt. Große Aufmerksamkeit erhielt im Oktober 2008 Reich-Ranickis Weigerung, den ihm zugedachten Fernsehpreis für sein Lebenswerk anzunehmen ("Ich nehme diesen Preis nicht an").

Der streitbare Literaturpapst war gesundheitlich angeschlagen, seit er Anfang 2006 mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus gekommen war. Im März 2013 machte er seine Krebs-Erkrankung öffentlich. Seine Frau Tosia, mit der er in Frankfurt lebte, starb im April 2011 im Alter von 91 Jahren. Der einzige Sohn des Paares, Andrew, arbeitet als Mathematikprofessor in Schottland.

kng/DPA / DPA