Die Toten Hosen
Abschied ohne Reue

Die Toten Hosen machen Schluss.
Die Toten Hosen machen Schluss.
© Donata Wenders

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Die Toten Hosen verabschieden sich mit einem letzten Album voller Pogo, Punk, Pathos und persönlicher Momente.

Zum Schluss wird's persönlich. Wann auch sonst? Alles, was noch gesagt werden muss, muss jetzt raus, denn das ist die letzte Gelegenheit: Die Toten Hosen haben mit "Trink aus, wir müssen gehen!" ihr offiziell letztes Album aufgenommen. Wie viel Druck auf dem Kessel war, kann man dank der ARD-Dokumentation "Das letzte Album" erahnen.

Dort sieht man zudem, dass die Entscheidung, keine regulären Alben mehr zu machen, offenbar von Frontmann Campino alleine getroffen wurde. Und es wird klar, wie die Band daran zu knabbern hat, auch der Chef selbst. "Ich muss echt sagen, ich komm mir vor wie verprügelt", gibt Campino an einer Stelle zu. Gitarrist Kuddel beschreibt noch deutlicher, worum es hier eigentlich geht: "Das sind jetzt über 43 Jahre, wo wir das tun, was wir tun. Wenn das weg ist - ich hab' überhaupt keine Vorstellung, was an diese Stelle treten könnte. Und ich habe die große Angst, dass das eine gewisse Leere ist, die ich nicht kompensieren kann."

Und trotzdem wirkt die Entscheidung nachvollziehbar, vielleicht sogar konsequent. Denn offenbar war es Campino schon lange ein Bedürfnis, aufzuhören, bevor es peinlich wird. Very less Punk zwar - aber diesen Vorwurf hören die Hosen ohnehin seit Jahrzehnten. Und wer schon 1986 angekündigt hat: "Das Ende setzen wir uns selbst", der muss das irgendwann auch durchziehen.

Über zwei Stunden Musik

So gibt es für Band und Fans nun also kein Zurück mehr, aber mit "Trink aus, wir müssen gehen!" immerhin ein Abschiedsalbum, das sich hören lassen kann. Die Toten Hosen fahren darauf noch einmal alles auf, was sie ausmacht: Es gibt Gröl- und Spaß-Lieder wie "Lass mal nicht machen", Pogo-Punk-Lieder wie "Wir waren nie weg", Lieder mit klarer Haltung wie "Was ist mit uns los", Lieder, die persönliche Einblicke in Campinos Vaterschaft geben wie "Glück", "Düsseldorf"-Lieder und mit "Trink aus" ein pathetisches Abschiedslied mit genau der richtigen Menge Selbstmythologisierung.

Vor allem aber gibt es sehr viele Lieder. Das eigentliche Abschiedsalbum umfasst bereits 16 Titel und wird zusätzlich von einem Bonusalbum begleitet. Auf "Alles muss raus!" versammelt die Band weitere 25 Coverversionen gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern wie Wolf Biermann, Sven Regener oder Vicky Leandros. Und warum hier kein Beitrag der "verfeindeten" Band Die Ärzte dabei ist, ist nun auch geklärt: Weil Farin Urlaub sogar die Ehre hatte, das Abschiedsalbum der Toten Hosen mit dem Song "Hier sind die Hosen" zu eröffnen. The world is healing.

Fans haben also erstmal einiges zu tun, bis im Juni die Tournee der Hosen losgeht. Die heißt zwar auch "Trink aus! Wir müssen gehen", dürfte aber nicht das letzte Mal sein, dass diese Band gemeinsam auf der Bühne steht. Emotional und wild dürfte es trotzdem werden, auch wegen der neuen Songs. Und natürlich wegen der Hosen. Weil es bei dieser Band nie nur um Düsseldorf, Punk oder Saufen ging, sondern um Freundschaft.

Die Gang bleibt bestehen

Die geht so weit, dass sich die Band schon vor Jahrzehnten ein Gemeinschaftsgrab auf dem Düsseldorfer Südfriedhof gekauft hat. In einem gemeinsamen Statement heißt es deshalb auch: "Das bedeutet nicht, dass sich die Toten Hosen auflösen! Weil wir Freunde sind, tun wir das erst auf dem Friedhof - Jochen, Wölli und Faust warten dort schon auf uns." Die Gang bleibt also bestehen und dasselbe gilt für ihre Fans.

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