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"Bye, Bye Berlusconi!": Ein Film will Italiens Regierungschef stürzen

Eine Mischung aus Satire und Dokumentarfilm, die pünktlich zur Italien-Wahl in die Kinos kommt, soll Silvio Berlusconi die Wiederwahl verderben. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen dabei.

Von Jakob Nienstedt

Ein junges, ambitioniertes Filmteam aus Genua will einen ernsthaften politischen Film über die gewaltsame Entführung Silvio Berlusconis drehen. Ziel der Entführer ist es, dem italienischen Ministerpräsidenten den Prozess zu machen, um ihn endlich für seine allseits bekannten, aber nie geahndeten Verbrechen wie Steuerhinterziehung, Bestechung und Bilanzfälschung zu bestrafen.

Schnell wird der Filmcrew klar, dass der Medienmogul und Politiker so einen Film nicht ohne weiteres zulässt. Um Restriktionen zu entgehen, wird aus dem ernsthaften Stoff kurzerhand eine Satire gemacht. Damit der Streifen deutlich als solche erkennbar ist, wird die Handlung von Italien nach Entenhausen verlegt und Berlusconi in "Micky Maus" umbenannt. Um wiederum Urheberrechtsprobleme mit Disney zu vermeiden, wird aus Entenhausen "Hühnerhausen", aus Micky Maus "Micky Laus" und aus den Panzerknackern werden die "Hundekacker". Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen gerät die Crew immer mehr unter politischen Druck, sodass die Vollendung des Films zusehends unwahrscheinlicher wird.

Verwirrende Erzählstruktur

In seinem Regiedebüt spielt der "Muxmäuschenstill"-Autor und Schauspieler Jan Henrik Stahlberg mit verschiedenen Erzählebenen. Dem Zuschauer werden dabei kaum Anhaltspunkte gegeben, in welchem Teil der Erzählstruktur er sich gerade befindet. Der Film selbst ist wie ein Dokumentarstreifen mit wackelnder Kamera und ohne jegliche Effekte gedreht. Dadurch ist der Film im Film über die Entführung, rein technisch gesehen, nicht vom Hauptfilm zu unterscheiden. Zur endgültigen Konfusion sorgen die ab und zu eingestreuten, pseudo-dokumentarischen Interviews mit den Schauspielern. Da die Schauspieler des Films die gleichen Vornamen wie die Mitglieder der Filmcrew im Film haben, weiß der Kinobesucher nicht, wer hier überhaupt seine Kommentare in die Kamera spricht.

Sicherlich hat der Jungregisseur bewusst die Grenzen von Realität und Fiktion verwischt, um den Kinobesuchern die Illusion zu vermitteln, sie seien mitten drin im Geschehen. Insbesondere die Zuschauer, die sich nicht allzu gut mit der Geschichte Berlusconis auskennen, werden durch dieses stilistische Mittel jedoch eher verwirrt und verschreckt.

Satire mit zu wenig Humor

Die komplizierte Erzählweise ist dem Film jedoch nicht ausschließlich negativ anzulasten. Ein bisschen Anstrengung für das Hirn des Zuschauers ist schließlich eine willkommene Abwechslung zu den meist seichten Hollywood-Streifen, die in den Kinos sonst so laufen. Wenn eine Satire jedoch mit dem Humor geizt, wird nicht nur das wichtigste Stilmittel aufgegeben, sondern auch der Zuschauer ist gelangweilt. Und genau dies ist leider die Schwäche von "Bye, bye Berlusconi!". Das Wegpiepsen des Namens "Berlusconi" und die Verfrachtung der Geschichte nach Entenhausen reichen nicht aus, um das Kinopublikum wirklich zu amüsieren. So wird doch deutlich, dass Stahlberg nicht ganz freiwillig das Genre Satire gewählt hat, sondern aus Angst vor Restriktionen dazu gezwungen war. "Wir wollten den Film nicht nur in die Satire gleiten lassen, sondern das war auch eine juristische Notwendigkeit", so der Regiedebütant.

Zum Verwechseln ähnlich

Einzig der römische Schuhverkäufer Maurizio Antonini erzwingt durch seine perfekte Darstellung des italienischen Präsidenten das ein oder andere Lächeln. Seinen stärksten Auftritt hatte das Berlusconi-Double allerdings außerhalb des Films, als er zu Promotion-Zwecken auf der King-Kong-Premiere als Silvio Berlusconi auftrat und sich herrlich schräg daneben benahm und damit die gesamte Presse foppte.

Ein weiterer ganz großer Schwachpunkt ist die leidliche deutsche Übersetzung. Namen wie "Micky Laus" und "Hundekacker" sind eher peinlich als komisch. Das italienische "Topolino" klingt da schon besser. Offizielles Ziel des Filmes ist ja aber ohnehin die Abwahl Silvio Berlusconis und somit dürfte der italienische Markt auch der viel wichtigere sein. Eines ist dem Film ohnehin sicher: Berlusconi wird er überhaupt nicht schmecken...