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"Citizenfour"-Kinostart: Das müssen Sie über den Edward-Snowden-Film wissen

Edward Snowdens Enthüllungen erschütterten die Welt. Viel geändert aber hat sich nicht. Nun startet der Film "Citizenfour" und gibt dem abstrakten Thema endlich die emotionale Seite, die es verdient.

Von Niels Kruse

Snowden und Greenwald überlegen, wie und wann sie ihre Enthüllungen am besten veröffentlichen.

Snowden und Greenwald überlegen, wie und wann sie ihre Enthüllungen am besten veröffentlichen.

Um was geht es?

US-Filmemacherin Laura Poitras gehörte zum erlesenen Kreis von nicht einmal einer Handvoll Leuten, die die Enthüllungen des Ex-Geheimdienstmannes Edward Snowden als erstes zu sehen und zu hören bekamen. Acht Tage lang verbrachte sie zusammen mit ihm und "Guardian"-Reporter Glenn Greenwald im zehnten Stock eines Hotels in Hongkong. Aus dieser Begegnung auf engstem Raum hat Poitras ein Kammerspiel gemacht, das vor allem die beiden Männer in den Blickpunkt rückt. Erzählt wird die Geschichte wie und wo die Enthüllung der Geheimdienstmachenschaften zustande kam, welche Ängste und Zweifel die Beteiligten dabei umtrieben und was es bedeutet, sich mit dem Staatsapparat der USA anzulegen.

Was gibt es zu sehen?

Leider nicht so viel: Edward Snowden mit T-Shirt im Hongkonger Hotel, Edward Snowden mit Freundin kochend in Moskau, Glenn Greenwald mit Snowden im Hotel, Glenn Greenwald mit einem Haufen Informationen in Rio de Janeiro und dazu jede Menge E-Mails, Konferenzen, Anhörungen und Fachleute. Das abstrakte Thema gibt nicht sonderlich viele oder schöne Bilder her. "Citizenfour" ist deswegen ein Film, den man sich nicht zwingend im Kino angucken muss. Da der Norddeutsche und der Bayerische Rundfunk den Film mitfinanziert haben, wird er in absehbarer Zeit auch im Fernsehen zu sehen sein.

Warum heißt der Film "Citizenfour"?

Als Edward Snowden beschloss, mit seinen gesammelten Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen, wandte er sich als erstes mit Hilfe von verschlüsselten Mails an Laura Poitras. Als Pseudonym wählte er den Namen Citizenfour.

Das US-Magazin "Wired" hat den Mailverkehr zwischen Snowden und Poitras dokumentiert.

Die skurrilste Szene

Edward Snowden gibt ein Passwort für einen Datenbankzugang ein und verhüllt sich und den Rechner dazu mit einer Decke, seinen Tarnumhang, wie er sie nennt. Grund für dieses sonderbare Verhalten: Die Angst vor möglichen versteckten Kameras im Hotel.

Die berührendste Szene

Macht, auch die Macht des Enthüllers, macht einsam. Ed Snowden unterhält sich sichtlich bewegt per Mail das erste Mal seit langem wieder mit seiner Freundin Lindsay Mills. Diese kurze Szene zeigt eindringlich, welchen hohen Preis der Whistleblower bereit war zu zahlen, um das Bespitzlungsmonstrum zu enttarnen. Am Ende ist das Paar, wiedervereint in Moskau, beim Kochen zu sehen.

Für wen lohnt sich der Film?

Für alle, die mittlerweile den Überblick über diesen gewaltigen und ungeheurem Skandal verloren haben. "Citizenfour" fasst das Ausmaß und die Kernprobleme der Überwachung noch einmal kompakt zusammen und schafft es durch die Inszenierung, den Enthüllern und ihrer abstrakten Materie die bisher eher zu kurz gekommene, emotionale Ebene einzuhauchen.

Wer sollte sich den Film nicht angucken?

Alle diejenigen, die ernsthaft davon überzeugt sind, dass grenzenlose Schnüffelei der Geheimdienste unser aller Leben sicherer macht und all diejenigen, die keine Lust auf Paranoia haben, die weiterhin und in Ruhe ihre Weihnachtseinkäufe online erledigen, hemmungslos über SMS Liebesgesäusel hauchen wollen und kein Problem damit haben, jedes noch so vertrauliche Dokument per E-Mail zu verschicken.

Sehen Sie hier den Trailer zum Film

"Citizenfour" (hier geht es zur Website des Films) ist ab dem 6. November in deutschen Kinos zu sehen.