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Stundenlanger Blackout In Deutschland scherzt man über den Facebook-Ausfall – für andere Länder war er "katastrophal"

Twitter-Reaktionen auf Facebook-Ausfall
Sehen Sie im Video: Konfigurationsfehler war Ursache des Facebook-Ausfalls – Milliarden Nutzer betroffen.




Eine fehlerhafte Konfigurationsänderung macht Facebook für einen fast sechsstündigen Ausfall am Montag verantwortlich. Die Milliarden Nutzer des Unternehmens konnten in dieser Zeit die Dienste Facebook, WhatsApp, Instagram und Messenger nicht erreichen. Das Unternehmen gab nicht an, wer die Konfigurationsänderung durchgeführt hat und ob sie geplant war. Mehrere Facebook-Mitarbeiter hatten zuvor erklärt, sie glaubten, dass der Ausfall durch einen internen Fehler bei der Weiterleitung des Internetverkehrs an die Systeme des Unternehmens verursacht wurde. Auch Sicherheitsexperten hatten gesagt, der Ausfall könnte das Ergebnis eines internen Fehlers sein. Eine Sabotage durch einen Insider sei theoretisch ebenfalls möglich. Das Team von Facebook entschuldigte sich, als die Dienste wieder online gingen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg schrieb: "Entschuldigen Sie die Unterbrechung - ich weiß, wie sehr Sie sich auf unsere Dienste verlassen, um mit den Menschen in Verbindung zu bleiben, die Ihnen wichtig sind." Der Facebook-Ausfall war der größte, den die Web-Überwachungsgruppe Downdetector je verzeichnet hat.
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Sechs Stunden lang waren Facebook, Whatsapp und Instagram nicht zu erreichen. Was in westlichen Industrieländern für ein paar Unannehmlichkeiten und viel Schmunzeln sorgte, traf Menschen in anderen Ländern tief ins Mark.

Riesen-Störung bei Facebook: Am Montagabend war nicht nur das soziale Netzwerk, sondern auch die Dienste WhatsApp und Instagram, die ebenfalls zum Unternehmen gehören, nicht zu erreichen – rund sechs Stunden lang. Grund war offenbar ein Konfigurationsfehler in der Netzwerk-Infrastruktur. Milliarden an Nutzern von Facebook-Diensten auf der ganzen Welt konnten nicht auf die Seiten und Apps zugreifen.

Der Vorfall führte der Welt vor Augen, wie groß die Abhängigkeit von den Diensten des Tech-Riesen aus dem Silicon Valley ist. Für einen Abend lang ließ sich der Ausfall verschmerzen: Viele User machten auf Twitter Witze darüber, wie sich das Leben ohne Facebook-Dienste anfühle, die Social-Media-Teams diverser Marken überboten sich gegenseitig mit launigen Tweets und Edward Snowden behauptete sogar, die Welt sei dadurch zumindest für einen Tag lang ein "gesünderer Ort" geworden.

Große Verluste für Facebook und Mark Zuckerberg

Doch der Ausfall von Facebook hatte auch handfeste Folgen. In Zahlen lassen sich diese vor allem für Facebook selbst beziffern. Die Aktie verlor knapp fünf Prozent, das persönliche Vermögen von Mark Zuckerberg schrumpfte binnen weniger Stunden um mehr als sechs Milliarden Dollar. Aber auch Menschen, die mit den sozialen Netzwerken ihr Geld verdienen, dürften die Auswirkungen des Ausfalls gespürt haben. Social-Media-Manager oder Influencer beispielsweise, deren Geschäftsmodell auf ihren Kanälen bei Facebook bzw. Instagram beruht.

Dennoch: Für die meisten Menschen in westlichen Industrieländern waren sechs Stunden ohne Facebook, Instagram und Whatsapp zu verkraften – bis auf ein paar kleinere Unannehmlichkeiten vielleicht. Doch auch hier zeigte sich, wie viele Alltagsprozesse im Arbeits- und Privatleben auf der Annahme basieren, dass diese Dienste immer und überall verfügbar sind. In anderen Ländern ist die Abhängigkeit von Facebook allerdings noch deutlich größer. Dort war der Blackout vom Montagabend für viele Menschen mit Angst, Einsamkeit und großen Befürchtungen verbunden.

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Menschen in Afghanistan fürchten um Kontakte zur Außenwelt

In Lateinamerika beispielsweise seien die Apps von Facebook regelrechte "Lebensadern" für viele Menschen, schreibt die "New York Times". Das gelte vor allem für Gebiete, in denen kein Mobilfunknetz verfügbar sei, es aber eine Internetverbindung gebe. Ärmere Menschen seien auf das Telefonieren via Whatsapp angewiesen, wenn sie sich kein eigenes Guthaben auf dem Handy leisten können, den Dienst aber über öffentliche Wlan-Verbindungen nutzen könnten. 

Auch in Ländern, in denen Meinungs- und Informationsfreiheit stark eingeschränkt sind, spielt Facebook eine große Rolle. Auf Twitter berichteten während des Ausfalls Geflüchtete davon, dass sie nur über diese Kanäle mit ihren Familien in der Heimat Kontakt halten könnten. Die WDR-Journalistin Cosima Gill schrieb: "Menschen aus Afghanistan schreiben mir via Twitter, dass sie dachten, sie seien nun komplett von der Welt abgeschnitten. Was diese Angst für sie bedeutet, können wir uns nur schwer vorstellen." Seit dem Vormarsch der Taliban ist in Afghanistan der Zugang zu Informationen und der Kontakt aus dem Land heraus deutlich erschwert. Viele Afghanen hätten Angst gehabt, dass es die Taliban gewesen seien, die Facebook zensiert hätten.

"Lateinamerika lebt auf Whatsapp"

Andernorts werden die Facebook-Apps sehr stark geschäftlich genutzt. "Ich habe heute nichts verkauft", sagte die Betreiberin eines Essenslieferdienstes aus Kolumbien, die Bestellungen über Whatsapp entgegennimmt, der "New York Times". In Süd- und Lateinamerika ist das kein Einzelfall, dort werden viele Bestellungen, Termine oder Restaurantreservierungen über Whatsapp abgewickelt. Das war am Montagabend für mehrere Stunden nicht möglich – und macht sich natürlich in den Einnahmen bemerkbar.

"Lateinamerika lebt auf Whatsapp. Ich überrascht davon, wie viele Menschen unterschätzen, wie katastrophal dieser Ausfall gewesen ist", erklärte "Forbes"-Journalist José Caparroso via Twitter. Die Antworten, die er auf diesen Tweet bekam, bestätigten seine Einschätzung. Ein US-Amerikaner, der nach eigenen Angaben gerade in Kolumbien lebt, berichtete zum Beispiel, sein Bruder habe ihn aufgefordert, sofort Benzinreserven zu kaufen – "als würde die Welt untergehen".

Quellen: "New York Times" / Cosima Gill auf Twitter / "Newsweek" / José Caparroso auf Twitter


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