"Dirty Dancing 2" Verbotene Liebe in der Revolution


Das Hüftenschwingen geht weiter: Wie schon in Teil 1 findet auch in "Dirty Dancing 2" ein gegensätzliches Paar über den Tanz zueinander. Diesmal spielt die Geschichte allerdings in den Wirren der kubanischen Revolution.

Offenbar werden es die Amerikaner nie verwinden, vor vielen Jahren ihre beliebteste Ferien-, Spieler- und Bordellinsel an einen Haufen bärtiger Revolutionäre verloren zu haben. Die tropische Insel in Krokodilsgestalt direkt vor der Haustür war bis zur Machtergreifung von Fidel Castro, Che Guevara und Genossen faktisch ein Spielwiese mit Sonnengarantie für den übermächtigen Koloss im Norden. Und wem so was so jäh aus der Hand gerissen wird, der zürnt noch lange. Auch Hollywood macht da keine Ausnahme.

Das beweist jedenfalls der Film "Dirty Dancing 2". Erzählt wird darin die Geschichte der 18-jährigen Katey, die zusammen mit ihrer Familie 1958 in die kubanische Hauptstadt gelangt. Kateys Vater ist beruflich dorthin versetzt worden. Darüber ist der blonde Teenager sehr viel weniger begeistert als die jüngere Schwester Susie. Aber lange trübsinnig bleibt niemand in dem vor Lebenslust überschäumenden Havanna, auch nicht die hübsche Fremde. Schon bald macht ihr James den Hof, der allzu selbstgefällige Filius des Chefs ihres Vaters.

James versucht Katey in die Gesellschaft privilegierter Jungamerikaner zu ziehen, die den Swimmingpool des exklusiven Oceana Hotels umlagern und abends Partys feiern. Der gleichaltrige einheimische Kellner Javier wird von ihnen kaum beachtet, aber bedenkenlos schikaniert. Katey imponiert, wie stolz der gut aussehende Kubaner reagiert. Begeistert ist sie aber, als sie Javier beim Tanzen auf der Straße beobachtet. Welch ein Temperament, welche Sinnlichkeit der Bewegungen! So will sich die Tochter eines tanzbegeisterten Elternpaares auch bewegen können! Der Tanzlehrer des Hotels hilft ihr dabei, das karibische Rhythmusgefühl zu finden.

Projektionsfläche verlogener Nostalgie

Gespielt wird dieser von Patrick Swayze, 1987 der Star des ersten "Dirty Dancing"-Streifens, den damals allein in Deutschland fast neun Millionen Menschen sehen wollten. Swayze ist deutlich älter geworden, aber gelenkig geblieben. Da Katey am Tanzwettbewerb des Hotels teilnehmen will, braucht sie noch einen Partner, den sie indes schon längst ausgeguckt hat: Es ist natürlich Javier. Alles Weitere ergibt sich von selbst, Liebe inbegriffen. Aber im Hintergrund der Romanze dräuen am Vorabend der kubanischen Revolution Gefahren, die der Film - allerdings in banalisierender Art - andeutet.

Um ein echtes Zeitbild Havannas 1958 ging es den Filmemachern allerdings keineswegs: Das zeigt sich am deutlichsten in der Musik, die ein Gemisch damals bekannter sowie späterer und heutiger Klänge ist. Es geht Regisseur Guy Ferland und seinem Team nur um die möglichst maximale Wirkung vor einer seit dem Welterfolg von "Buena Vista Social Club" wieder sehr attraktiv gewordenen Kulisse. Da amerikanische Filmteams Kuba meiden müssen, wurden die Außenaufnahmen übrigens auf Puerto Rico gemacht.

Diese den politischen Umständen geschuldete Schummelei ist "Dirty Dancing 2" allerdings viel eher nachzusehen als seine ebenso bedenken- wie belanglose Ausschlachtung des kubanischen Musikzaubers für rundum seichten Hollywood-Kitsch. Auch das frische Spielen und Tanzen der beiden jungen Hauptdarsteller kann darüber nicht hinwegtäuschen: Havanna ist auch im teilweisen Verfall eine viel zu schöne und lebendige Stadt, um für ein paar Dollar mehr zur Projektionsfläche verlogener Nostalgie zu werden.

Wolfgang Hübner/AP AP

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