"Miami Vice" "Cooler geht's nicht"


In Berlin stellten sich die großen Stars des brandneuen Kinohits "Miami Vice" der Presse. Regisseur Michael Mann und seine Darsteller Jamie Foxx, Colin Farrell und Gong Li standen den Journalisten Rede und Antwort.
Von Susanne Burg

Großer Auflauf im feinen Berliner Hotel Adlon am Brandenburger Tor: "Miami Vice"-Regisseur Michael Mann und seine Darsteller laden zum Pressegespräch. Jamie Foxx betritt in zerschlissenen Designer-Jeans als Erster den Raum, sichtlich gut gelaunt. Seinen Mund funktioniert er kurzfristig in einen Drumcomputer um und improvisiert als Beatboxer einen Soundtrack für den Auftritt der anderen: für Michael Mann, die chinesische Schauspielerin Gong Li und Colin Farrell.

Michael Mann, als Produzent waren Sie verantwortlich für die erfolgreiche Fernsehserie "Miami Vice". Warum haben Sie jetzt ein Remake gemacht?

Ich habe mir die Serie angesehen und mir ist aufgefallen, dass sie eine gewisse Schärfe hatte, dass sie sehr aktuell war und Themen der 80er Jahre aufgriff. Ich dachte mir, dass das ein guter Rahmen für 2006 wäre, in einer Welt, die sehr anders aussieht.

Jamie Foxx, ich habe gehört, es war Ihre Schuld, dass der Film entstand. Sie haben Michael Mann überzeugt, den Film zu drehen.

Als ich Michael Mann das erste Mal traf und bei dem Film über Muhammed Ali an der "Michael Mann Schule des Schauspielens" teilhaben durfte, wusste ich, dass er ein harter Knochen ist. Ich war ein bisschen wie das Baby, dass einen Pitbull streichelt. Ich habe immer wieder gesagt: "Ich weiß, dass du was mit der Serie ‚Miami Vice’ zu tun hast. Wäre es nicht großartig, ein Remake zu machen?" Er sagte: "Lass mich in Ruhe. Ich arbeite gerade an vielen anderen ernsthaften Projekten." Und ich antwortete: "Aber das gäbe dir doch die Gelegenheit, etwas Ernsthaftes zu machen und es wäre gleichzeitig ein kommerzielles Vehikel, die Menschen mit Michael Mann und seinem Filmstil bekannt zu machen."

Michael Mann, der Film hat einen bestimmten Look und das hat mit der High Definition-Technik zu tun. Was war die ästhetische Überlegung dahinter?

Wenn ich mich auf die Suche nach geeigneten Orten mache, stelle ich mir vor, wie ich drehe. Ich will den Ort sprechen lassen und die Schauspieler in eine bestimmte Stimmung versetzen. Daraus ergeben sich dann die Mittel. In meinem Fall war das High Definition. Wir hatten drei Kameras. Das Problem war allerdings, dass die Kameras dafür gemacht sind, die Nachrichten in einem Studio zu drehen und nicht, mit einem Speedboot bei 35 Grad Celsius und 90 Stundenkilometer über zwei Meter hohe Atlantikwellen zu jagen. Folglich sind die Kameras oft kaputt gegangen. Das war etwas frustrierend, auch wenn das Ergebnis sehr befriedigend ist.

Gong Li, Ihre Figur Isabella ist eine Gangsterin. Was mögen Sie daran, das "bad girl" zu spielen?

Sie ist nicht nur ein "bad girl". Sie ist komplex und kompliziert. Sie hat viele Facetten, wie ein Diamant. Das mochte ich.

Colin Farrell, als Sie sich auf die Rolle vorbereitet haben, sind Sie mit wirklichen Undercover-Agenten in Kontakt getreten. Was haben Sie mitgenommen? Was braucht es, um ein Undercover-Cop zu werden?

Viel Mut. Und einen unglaublichen Willen, an Informationen zu kommen. Diese Jungs kreieren eine gesamte Identität und passen sich perfekt in diese kriminelle Umgebung ein. Wir haben uns viel mit Cops unterhalten, die ein oder zwei Jahre mit einer solchen Identität gelebt haben. Und die Grenzen verwischen. Nicht unbedingt die Grenzen zwischen Gut und Böse. Aber du arbeitest auf einer hohen Ebene. Es geht um mehr als um dich selbst. Die Hemmungen nehmen ab. Die Männer arbeiten dort ohne Unterstützung. Einige waren in Kolumbien. Sie bezahlen einen hohen Preis für ihre Arbeit. Sie führen einsame Leben. Das wollten wir im Film zeigen.

Sie haben auch mit den Cops trainiert. Was haben Sie getan? Sind Sie selbst undercover gegangen?

Die Männer haben mit uns Szenarien durchgespielt, damit wir einige der Abläufe verstehen: wie man auf einem Parkplatz Drogen kauft und verkauft und wie man ein Zeichen gibt, wenn die Aktion abgeschlossen ist. Michael hat eine Situation arrangiert, in der die Cops 40 Kilo Kokain von ein paar Kolumbianern kaufen sollten und sie haben gesagt, ich könne mitkommen, wenn ich ein paar Wochen trainiert hätte. Sie hatten angeblich gute Beziehungen zu den Kolumbianern und sagten, dass es keinen Ärger geben würde. Ich habe das geglaubt. Da waren dann diese drei Südamerikaner, zwei Undercover-Agenten und ich. Plötzlich ist die Situation außer Kontrolle geraten und es wurde geschossen. Ich hatte keine Ahnung, dass es alles nur simuliert war. Ich dachte, das wäre echt. Das werde ich nie vergessen.

Waren Sie in den 80ern Fans der Fernsehserie und hat das Ihren Hunger auf die Rollen verstärkt?

Ich war acht Jahre alt, als die Fernsehserie herauskam und ich erinnere mich vage daran. Aber ich weiß noch, dass sie auch bei uns in Irland einen unglaublichen Einfluss hatte. Die Männer sind sogar im Winter mit Pastellanzügen herum gelaufen, haben sich den Hintern abgefroren und dachten, sie seien cool. Als das Angebot für die Rolle kam, musste ich nicht lange überlegen. Mit Michael Mann zu arbeiten ist eine Ehre.

Foxx: In Amerika rennen die Leute scharenweise ins Kino und freuen sich darauf, diese zwei Polizisten zu sehen. Es ist cool, einen davon zu spielen. Ich finde: cooler geht’s nicht. Ich kann’s kaum erwarten, nach L.A. zurück zu kehren und mit einer Frau, einem Date, ins Kino zu gehen und zufällig läuft dann da "Miami Vice". Und dann sage ich: "Oh Mann, ich hatte keine Ahnung, dass das hier gezeigt wird" (lacht).

Mr. Foxx, hatten Sie Führerscheine für die Autos, Schiffe und Flugzeuge, mit denen Sie sich fortbewegt haben?

Ich bin nicht damit gefahren. Das Flugzeug war nicht echt (lacht).

Mann: Schauspieler haben eine lebhafte Fantasie. Robert de Niro hat Höhenangst, Jamie mag keine kleinen Flugzeuge. Trotzdem hat er Flugstunden genommen und ist geflogen.

Foxx: Das war hart. (Pause). Aber es hat Spaß gemacht.


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