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Berlinale 2012, Tag 3: Die Schönen und die Biester

Tag 3. Angelina Jolie feiert Premiere mit ihrem Regiedebüt "In the Land of Blood and Honey". Nina Hoss bekommt ein Denkmal. Und die Nazis verlassen den Mond in Richtung Berlinale.

Von Sophie Albers

Energiepunkte: Der Partyabend endete bei den lustigen Finnen, die im Prenzlauerberg eine atmosphärische Bruchbude in eine wilde Partyhöhle verwandelten. In dem völlig überfüllten Keller gab es Soul, Bier und Pizza, in einer dunklen Ecke versteckte sich Nora Tschirner, und draußen in der Kälte konnte man Tisch-Eishockey spielen. Tausend Mal bessere Stimmung als im Ritz bei Loddar und Bai Ling. Nach einem halben Liter Kaffee am Morgen alles im grünen Bereich

Like des Tages:

Wettbewerbsfilm "Barbara" von Christian Petzold, weil der Regisseur seine Muse Nina Hoss mit einer ganz neuen Zärtlichkeit inszeniert hat. "Barbara" erzählt vom Schicksal einer Ärztin in der DDR, die einen Ausreiseantrag stellt und deshalb von Berlin aufs Land versetzt und permanent von der Stasi schikaniert wird. Im Westen wartet ihr Freund. Im neuen Krankenhaus kommt sie einem Kollegen näher (wunderbar: Ronald Zehrfeld), den sie allerdings verdächtigt, für die Stasi zu arbeiten. Und dann ist da noch ein Ausreißermädchen, um das die verbitterte, junge Frau sich leidenschaftlich kümmert.

Filmmoment des Tages:

Wenn Götz Otto in der finnischen Satire "Iron Sky" eine Schießscharte in den Mond sprengt, der daraufhin irgendwie an den Todesstern aus "Krieg der Sterne" erinnert. "Iron Sky" war der heiß erwartete "Skandalfilm" des Festivals. Die aberwitzige Geschichte über Nazis auf der "dunklen Seite des Mondes", die einen Angriff auf die Erde starten, ist allerdings doch ausbalancierter als erwartet. Die Effekte sind großartig, Götz Otto und Julia Dietze überzeugen als "Comic-Nazis", wobei letztere noch ganz andere Register zieht. Die Premiere ist bereits der schnellstausverkaufte Film der Berlinale.

Sichtung des Tages:

Jurymitglied Jake Gyllenhaal, der ohne Bodyguard durchs Ritz Carlton Hotel schlurft

Zitat der Tages:

"Vollmond war gestern" (Götz Otto, nachdem er die Schießscharte in den Mond gesprengt hat)

News des Tages:

Gäbe es Gänseblümchen, man könnte an einem abzählen: Shahrukh Khan kommt, er kommt nicht, er kommt, er kommt nicht. Mittlerweile heißt es, dass er es VIELLEICHT zur Premiere von "Don 2" schafft. Die Fans warten trotzdem.

Zahl des Tages:

50.000 Frauen sollen während des Bosnienkrieges systematisch vergewaltigt worden sein. Die Dunkelziffer ist nur zu erahnen. Die Pressekonferenz zu Angelina Jolies Regiedebüt "In the Land of Blood and Honey" war hoffnungslos überfüllt. Vor dem Hotel knäuelten sich die Fans. Fragen zum Privatleben wollte Jolie nicht hören. (Schwanger sah sie jedenfalls nicht aus) Sondern solche zu Zahlen wie dieser. Ihr fiktionaler Film hat Vergewaltigung als Waffe zum Thema und scheut sich nicht, krasse Bilder zu zeigen. Sie empfinde es als Verantwortung, "mich und andere über diesen Krieg zu informieren, der während meiner Lebenszeit stattfand", sagte die 36-Jährige. "Ich war 17, als dieser Krieg ausbrach, und ich wusste fast nichts über ihn." Hauptdarstellerin Vanesa Glodjo dankte ihrer Regisseurin mit den Worten, dass Jolie ihr "Worte und die Möglichkeit gegeben habe, auszudrücken, was ich während des Krieges erlebt habe." Zynismus über Gutmenschentum ist unangebracht.

Wiedersehen mit:

Udo Kier, die Warhol-Fassbinder-von Trier-Muse darf in "Iron Sky" Hitlers Mond-Nachfolger Kortzfleisch spielen. Das tut er voll sardonischem Vergnügen.

Film, auf den man sich freuen kann:

Vincent Cassel ("Black Swan") und Léa Seydoux ("Lebewohl, meine Königin") werden in der Neuauflage des Klassikers "Die Schöne und das Biest" zu sehen sein. Drehbeginn ist im Herbst