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Oscars 2019: China zensierte Rami Maleks Dankesrede – weil er "homosexueller Mann" sagte

Auch in China verfolgten viele Filmfans die Oscar-Verleihung. Sie bekamen an einer entscheidenden Stelle etwas anderes zu hören, als auf der Bühne wirklich gesagt wurde. Betroffen ist eine Passage aus der Ansprache von Rami Malek.

Rami Malek freute sich bei der Oscar-Verleihung über seine Trophäe

Rami Malek freute sich bei der Oscar-Verleihung über seine Trophäe

Picture Alliance

Überall auf der Welt verfolgten Filmfans die Oscar-Verleihung in Los Angeles. Beim Streaming-Dienst "Mango TV" konnte man die glamouröse Zeremonie auch in China verfolgen. Wie jetzt bekannt wurde, wurde eine bestimmte Szene aber zensiert – die, in der Rami Malek in seiner Dankesrede die Homosexualität des Queen-Sängers Freddie Mercury anspricht. Der 37-Jährige hatte seine Trophäe für die Darstellung des Rockmusikers im Biopic "Bohemian Rhapsody" erhalten.

Dabei waren Maleks Worte extra dazu gedacht gewesen, Außenseitern Mut zu machen und ihnen die Hoffnung zu geben, es auch in einer Gesellschaft ganz nach oben zu schaffen, in der man stets als anders betrachtet wird. So wie Freddie Mercury, der zum Idol einer ganzen Generation wurde – obwohl er ein Einwanderer aus Afrika war und Männer liebte. "Wir haben einen Film über einen homosexuellen Mann gedreht, einen Einwanderer, der sein Leben lang er selbst war, ohne sich dafür zu entschuldigen. Und die Tatsache, dass ich ihn und seine Geschichte heute mit Ihnen feiern kann, beweist, dass wir uns nach solchen Geschichten sehnen", sagte Malek, sichtlich bewegt, auf der Bühne des Dolby Theaters.

Rami Malek wollte Ausgegrenzten Mut machen

Doch die Erwähnung von Mercurys Homosexualität war dem chinesischen Sender offenbar zu drastisch. In der Übersetzung wurde daraus für die Zuschauer in China aus "Bohemian Rhapsody" deshalb ein Film "über einen Mann, der zu einer speziellen Gruppe gehörte". Welche das sein soll, muss sich das Publikum offenbar selber zusammenreimen.

Immerhin soll der Film zumindest in den chinesischen Kinos gezeigt werden. In der Vergangenheit hatte die Regierung Produktionen, die sich mit dem Thema Homosexualität befassen, oft verboten. "Brokeback Mountain" oder "Call Me By Your Name" etwa waren in China nicht zu sehen. Ob der Freddie-Mercury-Film aber ungekürzt und korrekt übersetzt gezeigt wird, dürfte fraglich sein.

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wt