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Deutscher Filmpreis: Der Traum von einer Filmakademie

Die zersplitterte deutsche Filmbranche soll in einer Filmakademie vereinigt werden, die den Deutschen Filmpreis unter Beteiligung von Regierungsangehörigen verleihen will - welcher immerhin drei Millionen Euro Steuergelder schluckt.

Der Oscar wird von der amerikanischen Filmakademie vergeben, und in vielen europäischen Ländern gibt es ähnliche Organisationen von Filmemachern, die zum Teil auch nationale Preise vergeben. «Warum gibt es das nicht schon längst in Deutschland?» lautete die Frage von Abgeordneten, die am Montag Filmemacher, Festivalleiter und Kritiker in den Kulturausschuss des Bundestages zu einem Hearing geladen hatten.

Eigentlich geht das die Bundestagsabgeordneten gar nichts an, wie sich die Filmbranche organisiert, wie auch in der Anhörung klargestellt wurde. Aber die von dem Münchner Produzenten Bernd Eichinger und anderen Branchenvertretern geplante Filmakademie will auch den Deutschen Filmpreis vergeben, mit fast drei Millionen Euro der höchstdotierte nationale Kulturpreis. Und dieses Geld stammt von der Bundesregierung beziehungsweise vom Steuerzahler. Da wollten die Abgeordneten wie die Grünen-Politikerin Claudia Roth schon Näheres wissen, wie damit in Zukunft umgegangen werden soll.

Keine Gegenveranstaltung zum Deutschen Filmpreis

Eichinger stellte klar, dass die Filmakademie «keine Gegenveranstaltung zum Deutschen Filmpreis» werden soll. Sie wolle die Verleihung quasi nur mitorganisieren in Zusammenarbeit mit den Vertretern der Bundesregierung. «Mit dem Deutschen Filmpreis wollen wir eine Leistungsschau des deutschen Films auf die Beine stellen.»

Ansonsten soll die Akademie mit ihren 2500 Mitgliedern, darunter alle 700 bisherigen Preisträger des Deutschen Filmpreises, der zersplitterten deutschen Filmbranche zu einer gemeinsamen Plattform verhelfen und zentraler Ansprechpartner im In- und Ausland sein, wie auch der Regisseur Andreas Dresen («Halbe Treppe») in der Anhörung betonte. Sie soll auch medienpolitisch aktiv sein und für Ausbildungsfragen zur Verfügung stehen. Finanziert werden soll die Filmakademie vorwiegend durch Mitgliedsbeiträge und Sponsoren.

Die Kritiker befürchten eine Kommerzialisierung des Filmpreises

Während Dresen meinte, die gesamte Filmbranche stehe hinter der Idee einer Deutschen Filmakademie, wandten Vertreter des Kritikerverbandes und der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm ein, die Auswahl für den Deutschen Filmpreis durch die Akademie könnte zu einem mehr «kommerziell ausgerichteten Filmpreis» als bisher führen. «Das Neue kommt nie aus den etablierten filmwirtschaftlichen Strukturen», meinten sie. Die Idee einer Filmakademie an sich sei zwar zu begrüßen als Sprachrohr und Gesprächsforum für die Filmbranche, doch sollte der Deutsche Filmpreis unabhängig von ihr vergeben werden. Claudia Roth verwies auf die USA, wo sich der Staat von der Oscar-Verleihung zurückgezogen habe.

Das hörte sich Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) aufmerksam an. Obwohl auch sie der Idee einer Deutschen Filmakademie und der Zusammenarbeit bei der Vergabe des Deutschen Filmpreises viel abgewinnen kann, sprach sie aber auch von einem Modellversuch. Man könne sich das ja mal zwei Jahre ansehen und dann neu darüber entscheiden, ob der Deutsche Filmpreis dann doch wieder eigenständig verliehen wird.

Jede Sparte soll über Nominierungen aus den eigenen Reihen entscheiden

Viel hängt wohl von dem Procedere der Auswahl- und Nominierungsjurys ab. Künftig soll jede Sparte der Filmbranche aus den eigenen Reihen über die Nominierungen entscheiden. Das letzte Wort sollen dann aber die 2500 Akademiemitglieder haben. «Eine größere Öffentlichkeit wird dem Deutschen Filmpreis zu einer größeren Bedeutung verhelfen», ist sich Eichinger sicher, der auch der amerikanischen Filmakademie angehört.

Da findet er Weiss an seiner Seite: «Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, um den deutschen Film im In- und Ausland zu stärken!» Und nicht mehr so viel über ihn meckern, meint Berlinale-Leiter Dieter Kosslick. «Es sollte ein Klageverbot geben. Wir müssen wieder stolz sein auf den deutschen Film!»

Wilfried Mommert