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Golden Globes: Drama ohne Action

Aus Solidarität mit den streikenden Hollywood-Drehbuchautoren sind die Stars der Golden-Globes-Verleihung ferngeblieben. 30 Minuten Pressekonferenz, kein roter Teppich, alles ganz nüchtern. Doch eigentlich gar nicht so schlecht. Ein Konzept für die Zukunft?

Von Frank Siering, L.A.

Nach 30 Minuten war alles vorbei. Golden Globes 2008, die Light-Version. Die Pressekonferenz im Beverly Hilton Hotel hatte pünktlich um 18 Uhr begonnen. Im Grand Ballroom versammelt: 125 Printjournalisten, 57 TV-Crews, 600 "geladene" Gäste. Studio-Bosse mit Anhang und Armeen von Publizisten mit Blackberry im Anschlag, um die guten Nachrichten auch ja gleich an die bibbernden Stars weiterzuleiten.

Die nämlich waren in diesem Jahr - wie angekündigt - in Solidarität mit der streikenden Writers Guild of America (WGA) zu Hause geblieben. Oder, wie im Falle von Gewinner Daniel Day Lewis, auf dem Weg dorthin. "Ich sitze während der PK im Flieger Richtung Europa. Meine beiden Jungs haben beide die Grippe. Da will ich lieber zu Hause sein", so der Schauspieler, der für seine Rolle in "There will be Blood" einen Globe einheimste.

Der Teppich blieb im Keller

Und wie schlimm war es nun, dass der rote Teppich in diesem Jahr zusammengerollt im Keller bleiben musste, die Stars keine Designerfummel zur Schau trugen und die ganz große Show ausblieb? "Ich fand's eigentlich recht amüsant. Klein, fein, kompakt", sagte Lynette Rice von der Zeitschrift "Entertainment Weekly". Und auch andere Reporter, die in den Vorjahren bis spät in die Nacht hinein die Globes begleiten mussten, stimmten zu. Selbst Larry King, CNN-Soundbite-Experte, war sich nicht sicher, ob er die sonst eher langatmige Veranstaltung mit den ewigen Werbeunterbrechungen wirklich vermissen sollte. "Ich bin für die Straffung von Award-Shows, aber das war schon sehr straff."

Tatsächlich hatte die HFPA (Hollywood Foreign Press Association), die die Globes jedes Jahr vergibt, auf jegliche Risiken, doch noch von streikenden Drehbuchautoren unterbrochen zu werden, verzichtet. Also nur die Bekanntgabe, keine Party, kein Empfang. Nüchterner geht's in Hollywood sonst nur in den Entzugskliniken der Promis in Malibu zu. Die "Presenter" waren Entertainment-Journalisten, aus Funk und Fernsehen in den USA bekannt - und fast genauso nervös wie sonst die A-Listen-Stars, wenn sie den kleinen goldenen Globus in Empfang nehmen dürfen. Aber so richtig "präsentiert" wurde ja ohnehin nicht. Nur der Umschlag aufgerissen und der Name verlesen. Drama ohne Action in Beverly Hills.

Noch nicht einmal große Überraschungen

Und dann gab's noch nicht einmal große Überraschungen. Alle bekamen sie etwas ab vom Kuchen. Johnny Depp musste in "Sweeney Todd" erst singend Hälse aufschlitzen, bevor er zum ersten Mal einen Globe erhielt. Und der schon erwähnte Day Lewis, der die meiste Zeit damit verbringt, in Irland Schuhe zu nähen, braucht eigentlich nur mal vor die Kamera zu treten, um mit Lorbeeren und Preisen überschüttet zu werden.

Nur HFPA-Liebling Tom Hanks ging diesmal für seine zugegeben lustige Darstellung in "Charlie Wilson's War" leer aus. Dafür durften sich Julie Christie und auch Javier Bardem zuhause vor dem Fernseher im Stillen freuen.

Der Elefant im Porzellan-Laden, den keiner bemerken will, wurde dann aber doch das ein oder andere Mal erwähnt. "Fühlt sich heute doch irgendwie anders an als sonst", sagte eine TV-Reporterin, als sie auf der kleinen Bühne im Grand Ballroom stand. Das dürfte sich auch die lokale Wirtschaft in Los Angeles gedacht haben. Verlor sie durch den Ausfall der Show doch schätzungsweise an diesem Abend rund 80 Millionen Dollar Umsatz.

Die Oscars stehen vor der Tür

Doch droht ja noch der ganz große Gau. Die Oscars stehen vor der Tür, eine Einigung zwischen den Drehbuchautoren und den Studios nicht. Die Academy hat schon angekündigt, dass die Show "auf jeden Fall stattfinden wird". Die WGA konterte, dass dann "Armeen von streikenden Drehbuchautoren" das Kodak Theater in Hollywood blockieren werden. Das würde einen ausgerollten roten Teppich bedeuten, auf den sich mit Sicherheit kein Promi traut. Es sei denn, so ein plakatierter Demonstrant vor den Globes, "er möchte sein Abendkleid mit Eigelb bekleckern".