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HOLLYWOOD: Billy Wilder ist tot

Hollywood trauert um Billy Wilder. Der Regisseur von Filmen wie »Manche mögen's heiß« starb im Alter von 95 Jahren in Beverly Hills.

Hollywood-Legende Billy Wilder ist tot. Der große Regisseur, Drehbuchautor und sechsfache Oscar-Preisträger starb in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Beverly Hills. Die Todesnachricht löste in Hollywood, aber auch in Deutschland tiefe Trauer aus. Bundespräsident Johannes Rau würdigte Wilder, der in Wien aufwuchs und bis 1933 in Berlin lebte, als »herausragenden Regisseur und einen wunderbaren Menschen«. Der Witwe Audrey Wilder, die mit dem Regisseur 53 Jahre verheiratet war, sprach Rau »im Namen aller Deutschen« sein Beileid aus.

Billy Wilder sei »friedlich entschlafen«, sagte sein langjähriger Freund, der Filmproduzent George Schlatter. Wilders gesundheitlicher Zustand habe sich in den letzten Monaten zunehmend verschlechtert.

Amerikaner mit Leib und Seele, Europäer mit Herz und Verstand

Er war der letzte große Filmemacher aus der Emigranten-Generation in Hollywood. Zu seinem Werk zählen Klassiker wie »Manche mögen?s heiß«, »Das Mädchen Irma La Douce« und »Eins, zwei, drei«. »Seine große Leistung ist es gewesen, Amerikaner mit Leib und Seele zu werden und Europäer mit Herz und Verstand zu bleiben«, sagte der Journalist Hellmuth Karasek, der über Wilder eine Biografie geschrieben hat. Seine Filme seien »der wichtigste Schatz, den Hollywood im Bereich der klassischen Filme hinterlassen hat«.

Shirley MacLaine, die mit dem Regisseur in dem Oscar-gekrönten Film »Das Appartement« und in »Irma La Douce« zusammenarbeitete, sagte, der Meister werde im Himmel bestimmt ein weiteres großes Werk schreiben und verfilmen. Sie habe von ihm mehr gelernt als von jedem anderen. Schlatter betonte, Wilder habe trotz körperlicher Schwäche bis zuletzt seinen legendären Humor beibehalten.

Sarkastischer Humanist

Seine oft sarkastische Sicht auf den amerikanischen Lebensstil und zugleich seine Kritik an autoritärem Gehabe beeinflussten auch eine Reihe der heute erfolgreichen Filmemacher, unter ihnen Steven Soderbergh und Curtis Hanson. »Sein Geist und seine ganze Persönlichkeit waren so stark, das man sich einbildete, er würde immer da sein«, sagte Hanson. Trotz des Sarkasmus in vielen seiner Werke sei Wilder »ein großer Humanist« gewesen.

An 50 Filmen beteiligt

Kinogeschichte schrieb der Regisseur auch mit den Filmen »Boulevard der Dämmerung« oder »Das verflixte 7. Jahr«. Wilder war an insgesamt 50 Filmen als Autor, Regisseur oder Produzent beteiligt, darunter an etlichen der besten Komödien und Dramen Hollywoods. Witz, Intellekt und geistreiche Dialoge prägen seine Filme.

Wilder, am 22. Juni 1906 in Galizien (heute Polen) geboren, wuchs in Wien auf und lebte dann in Berlin. Wegen seiner jüdischen Herkunft floh er zunächst nach Paris und dann weiter nach Amerika. Er wurde US-Bürger. Seine Mutter, eine Großmutter und andere Verwandte kamen im Konzentrationslager Auschwitz um. »Obwohl er Berlin 1933 unter unwürdigen Umständen verlassen musste, hat er nach dem Krieg wichtige Filme in Deutschland gedreht, die der Welt ein differenziertes Bild von Deutschland gezeichnet haben«, hob Rau hervor.

Laufbahn begann als Drehbuchautor

In Hollywood begann Wilders Laufbahn als Drehbuchautor. Bald führte er auch Regie. Wilder wurde für insgesamt 20 Oscars nominiert. Erfolgreich war er mit Dramen wie der Alkoholiker-Geschichte »Das verlorene Wochenende« mit Jack Lemmon, Romanzen wie »Sabrina« mit Audrey Hepburn und düsteren Krimis wie »Frau ohne Gewissen«. Sein Film »Reporter des Satans« war an Sarkasmus kaum zu übertreffen.

Er machte Marilyn Monroe zum Weltstar

Berühmt machten ihn aber seine unverwechselbaren Komödien. In »Manche mögen?s heiß« und »Der verflixte 7. Jahr« wurde Marilyn Monroe zum Weltstar. Das Komiker-Duo Jack Lemmon und Walter Matthau verdankte den Inszenierungen von Wilder seinen Ruhm. 1986 bekam der vielfach ausgezeichnete Regisseur den American Film Institute?s Lifetime Achievement Award für sein Lebenswerk. Anlässlich der 60. Oscar-Verleihung wurde er 1988 mit dem Irving-Thalberg-Preis geehrt.

Kein öffentliches Begräbnis

Nach Angaben des Branchenblatts »Variety« soll es kein öffentliches Begräbnis geben. Die Familie wolle nach einiger Zeit aber eine Gedenkfeier ausrichten. Seine Filme »werden in uns fortwirken, und seine Bilder werden unser Bild von Billy Wilder lebendig halten«, schrieb Rau.