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Interview

"Star Wars: Die letzten Jedi": Mark Hamill: "Ich habe Luke nie gehasst"

Mark Hamill ist der ewige Luke Skywalker - auch im neuen "Star Wars"-Abenteuer "Die letzten Jedi". Wie kommt er damit klar?

Mark Hamill

Die Macht ist mit ihm: Mark Hamill heute, 66 Jahre alt, und 1977 bei seinem Debüt als Luke Skywalker in "Krieg der Sterne"

Mr Hamill, sagt Ihnen der Name Will Seltzer noch etwas?
Na klar, persönlich habe ich ihn leider nie kennengelernt. Seit den 90er Jahren ist er raus aus der Filmbranche. Ich glaube, er hat dann in einer Bäckerei gearbeitet. Sie fragen, weil er damals für Luke Skywalker vorgesprochen hat.

Genau. George Lucas hatte sich eigentlich schon für ihn entschieden, dann aber kamen Sie ins Spiel.
Eigentlich ist George Lucas' damalige Frau Marcia an allem schuld. Am Ende des ganzen Castingprozesses lief es auf zwei Dreiergruppen für Prinzessin Leia, Han Solo und Luke hinaus. Auf der einen Seite Carrie Fisher, Harrison Ford und ich, auf der anderen Terri Nunn, die später Sängerin bei der Gruppe Berlin war, Christopher Walken und Will Seltzer. Bei den Dreharbeiten später in Tunesien erzählte mir Marcia, dass George sich partout nicht hatte entscheiden können, die Gruppen aber auch nicht mischen wollte. Sie hat ihn dann in unsere Richtung geschubst. Solche Kleinigkeiten können dein ganzes Leben verändern.

Haben Sie Seltzer manchmal beneidet um sein Leben ohne Luke Skywalker?
Ach, es hat mir nie Sorgen bereitet, nur wegen einer Figur berühmt zu sein, weil ich nie erwartet hatte, für überhaupt irgendwas berühmt zu werden.

Harrison Ford konnte Han Solo weitgehend abschütteln, Sie aber nicht Luke Skywalker. Was ist falsch gelaufen?
Han Solo ist er losgeworden, aber dann war er Indiana Jones. Nun ja. Ich hatte die Möglichkeit, in meiner Karriere ausgiebig zu experimentieren. Hätte ich mehr Filme gedreht, wäre ich dann an den Broadway gegangen, hätte Zeichentrickfilme synchronisiert oder all die anderen spannenden Dinge gemacht? Nach "Star Wars" hielten mich alle für einen unschuldigen Teenager, und die Rollenangebote waren Variationen desselben Themas. So in der Art: Die Hauptfigur ist wie Luke, aber die Geschichte spielt jetzt auf einem Bauernhof. Das wollte ich nicht machen.

Zwischen den Produktionen zu "Das Imperium schlägt zurück" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" gingen Sie im Mai 1981 nach New York, um am Broadway in "Der Elefantenmensch" zu spielen. Eine kleine Flucht vor dem "Star Wars"-Rummel?
Ich wollte meinen Horizont erweitern. Erst einmal saß ich nur im Hotel und wartete, ich sollte für meinen britischen Kollegen Peter Firth einspringen, falls er seine Greencard nicht bekommt. Er bekam sie dann doch, aber als Konzession durfte ich den letzten Monat vor der geplanten Absetzung des Stücks spielen. Wenn ich die Gelegenheit bekomme, etwas zu machen, das ich noch nie vorher gemacht habe, nehme ich das natürlich sofort an. Ich hatte zum Beispiel nie erwartet, mal in einem Broadway-Musical mitzuspielen. "Harrigan 'N Hart" war das, 1985. Ich wurde als bester Hauptdarsteller für den Drama Desk Award nominiert. Die Aufführung war kein großer Erfolg und nicht mein einziger Flop. Aber auch diese Flops bereue ich nicht, denn ich habe jedes Mal etwas dazugelernt.

Auf den Werbeplakaten zum "Elefantenmenschen" stand: "The Force continues ... on Broadway".
Ja, das war schlimm. Das haben die gemacht, ohne mich zu fragen, ich war völlig verstört.

1983 ging's wieder an den Broadway, diesmal neun Monate lang für die Titelrolle in "Amadeus".
Der Regisseur Sir Peter Hall war beim Vorsprechen ziemlich erstaunt über meinen britischen Akzent.

Für die Verfilmung wollte Sie Regisseur Milos Forman aber nicht haben.
Milos hatte mich gebeten, bei den Vorsprechterminen Szenen mit den Bewerbern zu lesen. Ich fragte ihn: "Warum ziehst du mich nicht in Erwägung? Ich habe das am Broadway gespielt, habe super Kritiken bekommen." Er lachte und sagte in seinem dicken tschechischen Akzent: "Weil das Publikum niemals glauben würde, dass der Luke Skywalker der Mozart ist." Das war enttäuschend, andererseits sehr aufrichtig. Er wollte Schauspieler haben, die keiner kannte.

Haben Sie Luke Skywalker gehasst deshalb?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe ihn nie gehasst.

Ihr bester Freund war er aber auch nicht.
Ich dachte nur, das ist die Herausforderung meines Lebens. Das ist das Blatt, das du bekommen hast.

Wie war das damals 1976 bei den Dreharbeiten zu "Star Wars" in England? Haben Sie das ernst genommen, was Sie da machen?
Das Ganze war so aufrichtig wie möglich, trotzdem lief es bei den Aufnahmen prinzipiell so: Wir haben uns schlapp gelacht, dann völlig ernst eine Szene gespielt, und nachdem George "Cut!" gesagt hatte, haben wir uns wieder schlapp gelacht. Ich hatte ganz vergessen, wie lustig das alles war, bis ich mir nach vielen, vielen Jahren die Outtakes auf DVD angesehen habe.

Ein Großteil der britischen Crew lästerte hinter vorgehaltener Hand, dass hier gerade ein gigantischer Flop produziert wird.
Natürlich war das alles total absurd. Du sitzt im Cockpit eines Raumschiffs, das "Millennium Falke" heißt, hast diese eigenartigen Klamotten an, neben dir Sir Alec Guinness, einer der größten Schauspieler überhaupt, ebenfalls in eigenartigen Klamotten, vor dir Harrison, neben ihm ein riesiger Typ im Fellkostüm mit Kopfhörern. Da hältst du zwischen den Takes schon mal inne und denkst: Was zum Teufel stimmt mit diesem Film nicht?

Das haben sich sehr viele gefragt. Auf Youtube kann man sich den Videomitschnitt einer Podiumsveranstaltung der World Science Fiction Convention in Kansas City vom September 1976 ansehen. Da sitzen Sie zusammen mit dem Marketingchef Charles Lippincott und dem Produzenten Gary Kurtz auf der Bühne, der dem Publikum von komischen Robotern, schrägen Kreaturen, Spezialeffekten, Laserschwertern und der Macht erzählt. Man kann die Unsicherheit im Saal spüren, was für eine Art Film das eigentlich sein soll.

Ein neuartiger und zugleich anachronistischer Film. Mit seiner Naivität und seinem Kitsch passte er überhaupt nicht in die 70er Jahre. Zu dieser Zeit war der traditionelle Held meist ein Antiheld. Der verbitterte Vietnamveteran, der nach Hause kommt und feststellen muss, dass seine Frau fremdgegangen ist oder vergewaltigt wurde, und einen Rachefeldzug startet, so in der Art. Das Kino bewegte sich in Grauzonen. Weil die Geschichte von "Star Wars" in einer weit, weit entfernten Galaxie spielt und damit weit, weit entfernt von der Realität, hatte George alle Freiheiten. "Star Trek" spielte zwar auch im Weltraum, aber die Leute kamen von der Erde. In einem Film ohne Erde, der von all diesen fantastischen Gestalten bevölkert ist und den entsprechenden Humor besitzt, kannst du machen, was du willst.

Bei der Veranstaltung damals sagten Sie: "Für die meisten lustigen Sprüche sorgen die Roboter."
Richtig. Und Han Solo. Das war sehr clever von George. Für die Zyniker da draußen, denen das alles zu dick aufgetragen war, hat er den modernen Kommentator gleich mitgeliefert. Luke war die naive Unschuld vom Lande, eine männliche Dorothy aus "Der Zauberer von Oz", weggeweht von der Farm seines Heimatplaneten Tatooine in die große weite Welt.

Glaubten Sie an den Erfolg des Films?
Ich dachte, wenn der nur elf Millionen Dollar kostet, brauchte er nur 25 Millionen einspielen, um sein Geld zu machen. Am ersten Drehtag im Studio fragte mich der Produktionsmanager: "Was glaubst du, was wir hier machen?" Ich antwortete ihm: "Wir produzieren hier einen Gewinner." "Star Wars" hatte das, was die meisten Science-Fiction-Filme vorher nicht hatten, und das war sein Humor. Science-Fiction war immer sehr trocken und ernst. "2001: Odyssee im Weltraum" ist ein großer Klassiker, aber nicht gerade eine Spaßveranstaltung.

Als der Film in die Kinos kam, rief George Lucas an und fragte, ob Sie sich schon berühmt fühlen.
Ich musste für Nachsynchronisierungen noch einmal ins Studio und bat den Fahrer, einen kleinen Umweg zum "Grauman's Chinese Theatre" zu machen, wo der Film lief. Ich konnte es nicht fassen: Die Besucherschlange ging um den Häuserblock! Woher wussten die alle von dem Film? Es hatte nur ein paar Zeitungsanzeigen gegeben, aber keine Fernsehwerbung und keine Poster, weil sich das Studio nicht entscheiden konnte, wie es den Film promoten sollte. Ich dachte, dass "Star Wars" durch Mundpropaganda größer werden, in der zweiten Woche besser laufen würde als in der ersten, in der dritten besser als in der zweiten. Aber er war von Tag eins an ein Erfolg.

Mehr als 30 Jahre später kehrte Luke Skywalker dann in "Das Erwachen der Macht" zurück. Sie hatten eine einzige Szene am Schluss ohne Dialog.
Ich bin immer noch ein bisschen sauer, dass mir der Regisseur J. J. Abrams vorher nichts gesagt hat. Er hatte mir das Drehbuch geschickt mit der Bitte, nicht die letzte Seite aufzuschlagen, sondern es von Anfang zu lesen. Ich lese also und lese, wunderbar, all die Anspielungen und Referenzen, wir müssen das Laserschwert von Skywalker bekommen und so weiter. Jeder redet über mich. So etwas lieben Schauspieler ja, bevor du deinen Auftritt hast, reden die Leute über dich, das ist gut für deine Figur, das steigert die Erwartungen. Tja, und dann das.

Ihr Comeback hatten Sie sich glänzender vorgestellt.
Allerdings. Ich bin ein Jahr lang zweimal die Woche ins Fitnessstudio gegangen und habe sogar eine Diät gemacht! Die größte Enttäuschung war, dass es in dem Film nicht die von allen Fans sehnlichst erwartete Wiedervereinigung von Luke, Leia und Han Solo gegeben hat. Eins können Sie mir glauben: Als sie mir das Drehbuch von "Die letzten Jedi" geschickt haben, schlug ich zuerst die letzte Seite auf und las es von hinten nach vorn.

Und?
Mir stockte der Atem. Sie werden sicherlich den Trailer gesehen haben, darin sagt Luke: "Die Zeit der Jedi ist zu Ende." Eine erstaunliche Aussage für jemanden, der immer Hoffnung und Optimismus symbolisiert hat.

Er wirkt auch nicht besonders gut gelaunt.
Ja, er hat sich stark verändert, und ich wusste anfangs auch nicht, ob ich das gut finden soll. Als Verwalter dieser Figur habe ich ihr gegenüber eine etwas besitzergreifende Einstellung. Was würde jemanden derart entfremden von seinen ursprünglichen Überzeugungen?

Verraten Sie es uns!
Netter Versuch. Dafür müssen Sie schon ins Kino gehen.