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Medienkolumne: Wird Plasberg der neue Pilawa?

Nicht mehr nur hart, aber fair – sondern auch sanft und unterhaltsam. Für die Zeit nach Jörg Pilawa als Top-Unterhalter der ARD bringt sich nun Frank Plasberg in Stellung – als expandierender Produzent und Moderator.

Von Bernd Gäbler

Vom 18. Dezember an will sich Jörg Pilawa, der Top-Unterhalter der ARD, für zehn Monate in ein "Sabbatical“ verabschieden. Unter anderem diese Möglichkeit habe ihn überzeugt, zum ZDF zu wechseln. Als Talk-Gast bei Markus Lanz hat er dies im ZDF noch einmal bekräftigt. Aber noch sind nicht alle Dinge geordnet. Bei Markus Lanz gab sich Jörg Pilawa gelassen und stöhnte nur gelegentlich, dass die Organisation der Auszeit keineswegs stressfrei sei. Er hat aber auch die Sorge, das Terrain für die Zeit danach noch nicht genügend abgesteckt zu haben. Heimlich ist er sogar sauer. Vor allem auf die ARD.

Dabei geht es Pilawa nicht um seinen Wechsel zum ZDF, sondern um seine Zukunft als senderunabhängiger Produzent. Als solcher würde er die Erfahrung seiner Firma "White balance" nämlich nur allzu gerne auch weiterhin für das ARD-Programm zur Verfügung stellen. Der dafür zuständige NDR hat sogar für die Zeit seiner Abwesenheit schon munter weitere Folgen des "Star-Quiz" annonciert, allerdings ohne dass hinreichende Absprachen getroffen seien. Aber das "Star-Quiz" und das tägliche, gemeinsam mit "Grundy" produzierte Quiz am Vorabend und vielleicht sogar noch mehr, würde Pilawa schon gerne weiter produzieren – auch für die ARD, die er doch gerade verlässt. Allerdings ist unklar, was genau die ARD will.

Als Johannes B. Kerner das ZDF verließ, schied er einige Zeit später auch bei der Produktionsfirma "Fernsehmacher" offiziell aus, weil diese weiterhin ZDF-Programme produzieren wollte und sollte. Es ist schwer vorstellbar, dass die ARD "White balance" alles so weiter produzieren lässt wie bisher - nur halt ohne Pilawa als Moderator. Darum beschwert sich der offiziell stets freundliche und diplomatische Jörg Pilawa nun inoffiziell über die ARD. Vor allem aber ist er nicht gut auf Frank Plasberg zu sprechen, der sogar Mitarbeiter Pilawas abwerbe, um mit diesem erfahrenen Personal nun selber für die Firma "Ansager&Schnipselmann“ Show- und Quiz-Aufträge zu akquirieren.

Will Plasberg der neue Pilawa werden?

Gelogen ist das nicht. Frank Plasberg aber dementiert die Absicht, für die ARD einfach 1:1 der neue Pilawa werden zu wollen. Was allerdings auch stimmt: Plasberg versteht sich nicht nur als Moderator, sondern auch als Produzent und möchte mit seiner Firma expandieren. Auch gelegentliche Ausflüge ins Untergaltungsgewerbe will der harte Polit-Frager nicht mehr missen. Im NDR moderiert er jetzt schon ein Kinder-Quiz, im WDR eine etwas seichtere Personality-Runde; als er sich im Ersten auf dem Donnerstagsplatz um 20.15 Uhr als Quiz-Master erprobte, trug der Krawattenmuffel sogar Schlips, was er als einer der vier "Duell-Adjudanten“ im Angesicht der Kanzlerin noch anti-autoritär verweigert hatte.

Frank Plasberg müsse ja keineswegs alle Sendungen, für die er als Produzent verantwortlich sei, auch selber moderieren, betont sein Freund und Geschäftspartner Jürgen Schulte. Dass es bei den neuerlichen Bewerbungen nicht nur um den Donnerstag gehe, sondern auch um große Show-Termine am Samstag, das räumt er allerdings unumwunden ein. Und tatsächlich fängt im Januar bei Plasberg ein Mitarbeiter an, der bisher bei Pilawa vor allem für die erfolgreiche Sendung "Frag' doch mal die Maus“ zuständig war. Auch Anzeigen, dass Plasbergs Firma Mitarbeiter für Quiz- und Showformate suche, gab es schon.

Die ARD und der dafür zuständige WDR sind hochgradig daran interessiert, die für den Samstagabend taugliche Quiz-Show weiterzuführen, die so wunderbar das Aushängeschild für pädagogisch wertvolles Fernsehen (also: "Die Maus“) in eine Familien-Show transformiert. Am 12. Dezember wird die letzte Folge mit Jörg Pilawa als Moderator ausgestrahlt werden. Es ist schwer vorstellbar, dass die ARD die Geschicke weiterhin in der Hand des Produzenten Pilawa, also des zukünftigen ZDF-Gesichtes, legt. Womöglich könnte Pilawa im Zweiten sogar eine konkurrierende "Logo-Show“ moderieren. Kein Wunder, dass Frank Plasberg da Witterung aufgenommen hat. Kein Wunder, wenn demnächst verkündet wird, dass Frank Plasberg mindestens Produzent von "Frag' doch mal die Maus“ wird. Knallharte Politik ("Hart aber fair“), plus etwas Unterhaltung, plus eine breitere Palette an Formaten – welcher Produzent würde sich diese Chance entgehen lassen?

Ist Jauch das Role-Model für Plasberg?

Mehr Verantwortung, mehr Ehrgeiz, mehr Expansion – das sind die Vorteile des Produzenten-Modells. Wer vorne steht, kann gut verdienen. Die Sender räumen diese Möglichkeit gerne ein. Allerdings besteht auch eine Gefahr: Zu leicht halten sich einigermaßen erfolgreiche Moderatoren für Allround-Talente, sehen sich selbst als die zweite Ausgabe von Günther Jauch, dessen verführerisches "Role-Model“ als Quiz-Master, Magazin-Journalist und Alles-Talker sie zu imitieren versuchen.

Ratsam ist das nicht. So ist auch Frank Plasberg bislang – auch wenn er noch keine Sendung richtig versemmelt hat – weit entfernt von einem leichtfüßigen TV-Unterhalter. Da schwankt er zwischen jovial, scharf-zurechtweisend und gelegentlich etwas zotig. Sein Ausgreifen ins leichte Fach kann das Polit-Image sogar beschädigen. So täte "Hart aber Fair“ eine großartige Folge durchaus einmal wieder gut. Und für die ARD wäre es vermutlich produktiver auf Binnenpluralismus und Nachwuchs-Förderung zu setzen als dem irrealen Wunsch nachzujagen, fürs Erste ein Universal-Gesicht zu finden. Pilawa ist es nicht mehr und verzieht es darob nun ein wenig. Und Plasberg wäre gut beraten, sein Fischen im Seichten zumindest zu dosieren. Denn man kann dort auch ertrinken.

  • Bernd Gäbler