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Michael Ballhaus: "Schönen Versuchungen kann ich nicht widerstehen"

Er dreht Filme mit Leonardo DiCaprio, Jack Nicholson und Matt Damon. Er besitzt den "magischen Blick" und ist ein Star hinter der Kamera. Michael Ballhaus wird 70 Jahre alt und hat noch einiges vor.

Michael Ballhaus wird an seinem 70. Geburtstag an diesem Freitag hart arbeiten, allerdings in illustrer Gesellschaft. Der Berliner Kameramann mit dem "magischen Auge" dreht seit Februar mit Leonardo DiCaprio, Jack Nicholson, Matt Damon unter der Regie von Martin Scorsese eine Hollywood-Version des chinesischen Gangster-Thrillers "Infernal Affairs". "Bis zu 14 Arbeitsstunden am Tag - das ist sehr anstrengend", räumte Ballhaus kürzlich nach einem nächtlichen Dreh in New York im DPA-Interview ein. Aber es ist auch "der tollste Beruf, bei dem man die tollsten Leute trifft und mit seinen Bildern wunderbare Geschichten erzählen kann".

Zudem ist Star-Regisseur Scorsese längst "ein Freund" geworden. Es ist ihr siebtes gemeinsames Projekt. "Was immer Scorsese drehen möchte, da mache ich mit. Er ist eben mein Lieblingsregisseur", bekennt Ballhaus. Mit "After Hours" fing 1984 sein Aufstieg als Scorseses Haus-und-Hof-Kameramann an. Es folgten die Spieler-Saga "Die Farbe des Geldes", der Jesus-Film "Die letzte Versuchung Christi", das Mafia-Drama "Good Fellas", "Zeit der Unschuld" und zuletzt das Historienepos "Gangs of New York", für das Ballhaus 2003 seine dritte Oscar-Nominierung erhielt.

Drei Oscar-Nominierungen

Wie Scorsese ging er in jeder Oscar-Nacht leer aus. "Natürlich würde man das Ding ganz gerne Mal nach Hause tragen, aber mir ging es immer viel mehr um die Arbeit, als um die Trophäen", meint Ballhaus. "Und drei Nominierungen sind ja auch nicht schlecht". Die Erste gab es 1987 für "Nachrichtenfieber", die nächste zwei Jahre später für "Die fabelhaften Baker Boys".

Mit Ehefrau Helga, die ihn an alle Drehorte begleitet, will Ballhaus im Herbst "zu Hause in Berlin" eine Drehpause einlegen, dann aber das Pendlerleben zwischen Deutschland und den Wohnsitzen in New York und Hollywood fortsetzen. "Schönen Versuchungen und tollen Angeboten" könne er nicht widerstehen. Und daran mangelt es nicht. Seit 1982 drehte er in den USA 38 Filme. Francis Ford Coppola engagierte ihn für "Bram Stoker's Dracula", Wolfgang Petersen für den Thriller "Outbreak". Für Mike Nichols rückte er "Die Waffen der Frauen" ins rechte Licht, für Robert Redford "Die Legende von Bagger Vance".

Pionier der "entfesselten Kamera"

Ein "Star" hinter der Kamera war Ballhaus schon in den 70er Jahren in Deutschland, wo er mit Rainer Werner Fassbinder 15 Filme drehte, darunter "Martha", "Die Ehe der Maria Braun" und "Lilli Marleen". Seine "entfesselte Kamera" prägte den Neuen Deutschen Film. Markenzeichen des Ballhaus-Looks sind flüssig-elegante Fahrten, exquisites, sattes Licht und die berühmten kreisenden Kamerabewegungen rund um die Darsteller. Seiner Leidenschaft für Bilder und Theater, die er schon als junger Bühnenfotograf in Berlin entdeckte, schreibt er seinen Erfolg zu.

Die Söhne Sebastian und Florian haben die Begeisterung fürs Bild geerbt. Der Jüngere habe gerade als Kameramann mit Jodie Foster gedreht. Die Schauspielerin habe ihm persönlich Komplimente über die gute Arbeit des Sohnes gemacht, erzählt der stolze Vater. Der Ältere ist als Regisseur und Produzent tätig.

Pause "bis was Schönes kommt"

Natürlich bleibt neben dem vollen Drehplan mit Scorsese noch Zeit zum Feiern. Einen Tag nach dem 70. Geburtstag laden sie zu einem Fest in einem Wiener Restaurant in New York ein. "Mitte September sind wir dann wieder in Deutschland und freuen uns auf ein Päuschen", meint Ballhaus. Er werde viele Dreh-Angebote ausschlagen, versichert der gefragte Berliner, "bis was Schönes kommt, worauf ich selbst viel Lust habe".

Barbara Munker/DPA / DPA