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"The First Temptation of Christ" Netflix-Weihnachtsfilm: Schwuler Jesus macht Millionen Brasilianer wütend

Netflix-Jesus
Netflix bewirbt "The first Tempation of Christ" (sinngemäß: "Die erste Versuchung Christi") auch auf seiner deutschen Homepage
© Screenshot: netflix.com/de/title/81078397
In Brasilien unterzeichneten Millionen Menschen eine Petition, um einen Netflix-Film mit einem offenbar schwulen Jesus zu verbannen. Dass es sich nur um Satire handelt, fällt für sie offenbar nicht ins Gewicht. Zumal ihr Präsident Homophobie geradezu vorlebt.

Ein schwuler Jesus? Für viele Brasilianer offenbar ein absolutes No-Go. In dem mehrheitlich katholisch geprägten Land hat das Netflix-Weihnachts-Special "The First Temptation of Christ" für weitreichende Entrüstung gesorgt. Der Grund: In der 46 Minuten langen Komödie wird impliziert, dass Jesus homosexuell gewesen sei. "Jesus wird 30 und macht seine Sippe mit einem Überraschungsgast bekannt", heißt es auf der offiziellen Netflix-Seite zu dem Film.

Der Plot lautet demnach wie folgt: Der Sohn Gottes bringt zu seinem runden Geburtstag seinen Freund Orlando mit, um ihn seiner Familie vorzustellen. Orlando ist allerdings nicht einfach ein Kumpel, sondern Jesus' Lebenspartner. Wie der "Guardian" berichtet, unterschrieben bis Dienstag fast zwei Millionen Menschen eine Online-Petition, die Netflix dazu auffordert, den Film sofort aus dem Programm zu nehmen. Dass es sich lediglich um Comedy handelt, scheint für die Gegner des Specials nicht weiter ins Gewicht zu fallen. Der Film ist übrigens auch in der deutschen Version von Netflix abrufbar.

Schöpfer des Netflix-Films berufen sich auf Kunstfreiheit

Urheber des Werks ist die in der Vergangenheit bereits mit einem Emmy ausgezeichnete brasilianische Youtube-Comedy-Gruppe "Porta dos Fundos". Dem "Guardian" zufolge beriefen sich die Schöpfer des angefeindeten Films auf die Freiheit von Kunst und Satire, die für alle Themen gelte und essentiell für ein demokratisches Land sei. Netflix selbst äußerste sich demnach bislang nicht. 

Brasiliens rechtsextremer Präsident Jair Bolsonaro dürfte indes kaum zur Beruhigung beitragen. Im Gegenteil: Er äußerte sich in der Vergangenheit mehrfach abfällig über Homosexuelle. So sagte er einmal, Homosexualität sei seiner Meinung nach die Folge eines Mangels an Schlägen. Er bekundete außerdem, er hätte lieber einen toten Sohn als einen homosexuellen. Das Land blickt auf eine traurige Bilanz: Mehr als 350 Menschen werden in Brasilien jährlich Opfer homophober Morde (Lesen Sie dazu die stern-Reportage: "Protest gegen Bolsonaro – die Samba-Königinnen machen ernst")


Quellen: "The Guardian", "World Fact Book", Netflix, "Snopes", "Porta dos Fundos" (Youtube)

rös

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