Neu im Kino
Jodie Foster auf Französisch

Jodie Foster als Lilian Steiner in einer Szene aus dem Film "Paris Murder Mystery". Foto: George Lechaptois/Plaion Pictures/dpa
Jodie Foster als Lilian Steiner in einer Szene aus dem Film "Paris Murder Mystery". Foto
© George Lechaptois/Plaion Pictures/dpa
In "Paris Murder Mystery" spricht Jodie Foster Französisch - und entdeckt dabei neue Seiten an sich. Was sie an der Rolle einer Psychiaterin besonders gereizt hat, verrät sie im Interview.

Jodie Foster findet, sie sei anders, wenn sie Französisch spricht. Weicher vielleicht, unsicherer. "Ich bin ein völlig anderer Mensch auf Französisch", sagt sie im Interview der Deutschen Presse-Agentur. In Rebecca Zlotowskis Film "Paris Murder Mystery" wird genau daraus eine Stärke: Foster spielt eine Psychiaterin, die sich hinter Sprache, Analyse und Distanz verbirgt - bis ein Todesfall diese Fassade aufbricht und sie zum nervlichen Wrack wird.

"Paris Murder Mystery" erzählt von der Psychiaterin Lilian Steiner, die nach dem rätselhaften Tod einer Patientin beginnt, selbst Nachforschungen anzustellen. Der Film ist eine Mischung aus Thriller, Komödie und Charakterstudie.

Foster ist beeindruckend im Film. Es ist ihre erste Hauptrolle auf Französisch, auch wenn sie schon früher französische Rollen hatte. Laut einem Bericht des "People"-Magazins synchronisiert sich Foster, die in Los Angeles als Jugendliche auf eine französische Privatschule ging, auch in anderen Filmen im Französischen selbst.

Davon handelt "Paris Murder Mystery" 

Die 63-Jährige verkörpert im Film die Psychiaterin Steiner. Der Tod ihrer Patientin entwickelt sich für sie zu einer persönlichen Obsession. Je tiefer sie gräbt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen professioneller Distanz und eigener Verstrickung. Dabei gerät nicht nur ihr Bild der Patientin ins Wanken, sondern auch ihr eigenes Leben - ihre Beziehungen, ihre Rolle als Mutter und ihr sorgfältig konstruiertes Selbstverständnis.

Passend zur komplett französischen Rolle feierte der Film in Cannes Premiere. Dort sagte Foster im Interview über das Drehen in einer Fremdsprache: "Ich glaube, ich bin etwas verletzlicher, unsicher, möchte keine Fehler machen und fühle mich ungeschickt und ein wenig nervös."

"All das kommt der Figur Lilian Steiner, sehr zugute - dass sie sich entschlossen hat, ihre Muttersprache hinter sich zu lassen, ihre Heimat zu verlassen und sich an einem neuen Ort einzuleben, an dem sie sich in einer französischen Fantasiewelt neu erfinden kann."

Das macht den Film besonders

Steiner, eigentlich eine eher kühle, distanzierte Person, sieht sich nach der Todesnachricht damit konfrontiert, dass ihre Augen unkontrolliert tränen. Nachdem sie ihren Ex-Mann, einen Augenarzt, aufgesucht hat, probiert sie es mit Hypnose, obwohl sie eigentlich nicht daran glaubt.

In der Hypnose kommt unter anderem heraus, dass sie in einem früheren Leben eine Liebesbeziehung zu ihrer gestorbenen Patientin gehabt habe. Ihr Sohn ist in ihrem Hypnosetraum bei der Waffen-SS - für Steiner endlich eine Erklärung dafür, warum sie sich im echten Leben nicht so gut mit ihm versteht. Ihr Sohn kann, als sie ihm später davon erzählt, komischerweise wenig mit dieser Erklärung anfangen.

Dieser Plottwist verrät schon, dass es in "Paris Murder Mystery" mitunter etwas abstrus zugeht. Foster trägt den Film aber und verleiht dem Geschehen mit ihrer spröden Darstellung einen besonderen, trockenen Witz. Fans der zweifach Oscar-prämierten Schauspielerin sollten sich den Film unbedingt ansehen. Auch Krimi-Fans könnte er gut gefallen - das Ende ist überraschend, der Film durchweg spannend.

Das sagt Foster selbst über den Film

Was hat Foster, die mit Filmen wie "Taxi Driver" und "Das Schweigen der Lämmer" berühmt wurde, daran gereizt? "Es ist ein wunderschönes Drehbuch", sagt sie. "Und ich wollte schon lange wieder einen Film auf Französisch drehen. Ich habe schon einige gedreht, aber noch nie mit einer solchen Intensität. Es gibt sehr viele Dialoge. Das war eine große Herausforderung." 

Auch das Thema Psychoanalyse habe sie gereizt. Sie liebe die Idee, eine "Freudsche Perspektive einzunehmen", führt sie aus - und spielt damit wohl auf Freuds Theorie an, dass viele unserer Handlungen von unbewussten Trieben und Konflikten gesteuert würden. Auch Steiner ist so eine Figur, die Dinge tut, die sie selbst nicht ganz versteht.

Ein Film über die vielen Seiten von Mutterschaft

Ein zentrales Element ist der Blick auf Mutterschaft im Film. Steiner zeigt ambivalente Gefühle gegenüber ihrem Sohn - eine Perspektive, die Foster wichtig ist.

Die US-Amerikanerin, die zwei Söhne hat, wünsche sich mehr solche Filme, die Mutterschaft in all ihrer Ambivalenz zeigten, sagt sie im Interview. "Ich würde am liebsten am Muttertag ein Filmfestival zu diesem Thema veranstalten." Sie empfiehlt zum Thema die Filme "Der Babadook" (Regie: Jennifer Kent) und "We Need to Talk About Kevin" (Regie: Lynne Ramsay).

"Es gibt Filme, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen, und sogar Filme, die ich selbst gedreht habe", sagt sie. "Also, ja, hier ist noch einer. Als Frau kann man dem nicht wirklich entkommen, oder?" 

Man spürt, dass Fosters eigene Erfahrungen, Überlegungen und die Auseinandersetzung mit Mutterschaft und Identität in den Film eingeflossen sind. Ihre Präsenz macht den Film trotz einiger abwegiger Plot-Wendungen am Ende sehenswert.

dpa

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