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Tschernobyl-Film "An einem Samstag": Rotwein gegen Strahlung

Schreckliche Koinzidenz: Am Tag, als das hypnotische Tschernobyl-Drama "An einem Samstag" in Russland Premiere feierte, kam es im AKW Fukushima zur Katastrophe. Ein Gespräch mit Regisseur Alexander Mindadze.

Von Sophie Albers

Was haben Sie gedacht, als Sie die Bilder der Atomkatastrophe in Japan gesehen haben?
Das ist für mich eine sehr schwierige Frage. Es ist grauenvoll, dass unsere Premiere in Russland am gleichen Tag stattfand wie der Unfall im Atomkraftwerk Fukushima. Ich möchte dieses Zusammentreffen der Ereignisse keinesfalls miteinander in Verbindung bringen oder gar deuten. Es macht mir einfach nur Angst!

Glauben Sie, dass die Tschernobyl-Gedenkveranstaltungen in Russland wegen Japan anders ausfallen werden?
Selbstverständlich wird die Katastrophe von Fukushima in der Presse im Moment sehr oft mit Tschernobyl verglichen. Ich kann nur hoffen, dass nicht nur Russland, sondern die ganze Welt daraus Lehren zieht. Ich glaube aber, dass auch dieser Vorfall keine großen Änderungen in der Atompolitik der Großmächte bewirken wird. Das hat auch Tschernobyl seinerzeit nicht. Es wird viel darüber geredet und berichtet - bis die Lage sich beruhigt hat.

Wie hätte es ohne Fukushima ausgesehen?
In einem kurzen, kleinen Rahmen. Ich denke, es wäre kein großes Medienereignis geworden. Man hätte wieder einmal gesagt, wie schlimm das damalige Regime war. Das wäre alles gewesen. Die Menschen, die direkt von der Tschernobyl betroffen waren, sind heute ziemlich alt, und es sind nicht mehr viele da. Man hätte sicher einen Teil davon eingeladen, aber dem Ganzen keine große Bühne gegeben.

Ist Ihr Film auch aus Wut entstanden? Was genau war die Grundidee?
Es war mein innerer Wunsch, die Geschichte eines Menschen zu erzählen, in dessen Seele vor dem Hintergrund des großen Reaktors ein kleiner Reaktor aktiv wird.

Im Film trinken die jungen Leute Rotwein gegen die Strahlung - von oben verordnet. War das wirklich so? Das ist doch absurd.
Das ist keine Legende. In den ersten Tagen hat der sowjetische Staat Unmengen von moldawischem Rotwein in das Gebiet transportieren lassen und ihn an die Leute verteilt. Wissenschaftler und Ärzte waren der Meinung, dass der Rotwein das Strontium, das in der verstrahlten Luft war, aus dem Körper spült. Freunde von mir, Journalisten, sind damals in diese Gegend gefahren und kamen mit Unmengen von Rotwein zurückgekommen.