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Auktionsgewerbe: Von Picasso bis van Gogh – das unglaubliche Geschäft mit Gemälden zum Rekordpreis

Über die teuersten Bilder der Welt können viele Geschichten erzählt werden. Doch im Auktionsgewerbe ist der Preis eines Gemäldes oftmals die größere Nachricht als der Name des Künstlers. 

"Madonna mit der Blume" von Leonardo da Vinci

"Madonna mit der Blume" von Leonardo da Vinci – das Gemälde ist heute als "Madonna Benois" bekannt

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Die Geschichte der teuersten Bilder wird wohl nie vollständig zu erzählen sein. Der einzige Sektor des verschwiegenen Kunsthandels, der zumindest den Anschein von Transparenz vermittelt, ist das Auktionsgewerbe. Preise werden öffentlich verhandelt, und manchmal ist ihr Nachrichtenwert höher als der Name des Künstlers, um dessen Werk es ging. Picasso? Van Gogh? Monet? Egal. Hauptsache: Rekordpreis.

Bis tief ins 19. Jahrhundert hinein bestimmten Adel und Klerus den Geschmack und trieben die Preise für Kunst in die Höhe. Erst mit der Industrialisierung strebten Eisenbahn-Barone und Banker wie etwa der Amerikaner J.P. Morgan nach kultureller Distinktion und stritten sich um die begehrtesten Leinwände. Um die Wende zum 20. Jahrhundert muss es Raffael sein, mit seinen Gemälden werden die ersten dokumentierten Höchstpreise erzielt. Damals ging es um 300.000 bis 500.000 Dollar. Ein Gemälde von knackt zum ersten Mal die Schallgrenze von einer Million. In einem Privatverkauf erwirbt Zar Nikolaus II. für umgerechnet rund 1,5 Millionen Dollar die "Madonna mit der Blume" vom russischen Architekten Leonti Benois – das Gemälde, das heute als "Madonna Benois" bekannt ist, hängt noch immer in der Eremitage.

spiegeln den Zeitgeschmack – und die wirtschaftliche Situation. Investitionen in Kunst sind spekulativ, was heute als angesagt gilt, mag die nächste Generation ins Depot verbannen. Und wenn die Weltwirtschaft kriselt, klassische Anlagen wenig Rendite versprechen oder illegales Geld geparkt werden muss, boomt der Kunstmarkt.   

1985 wird erstmals die Schwelle von zehn Millionen Dollar überschritten

Das Museum in Los Angeles sichert sich 1985 für damals 10,4 Millionen Dollar die "Anbetung der Könige" von Mantegna aus dem Besitz des 7. Marquess of Northampton und überschritt damit erstmals die Schwelle von zehn Millionen Dollar. Es sollte für lange Zeit der letzte Rekordpreis für ein Altmeistergemälde sein. 

1987 löst der japanische Versicherungskonzern Yasuda einen bis dahin nicht gekannten Boom auf dem Kunstmarkt aus, als er für  39,9 Millionen Dollar das Gemälde "Fünfzehn Sonnenblumen in einer Vase" von Vincent van Gogh ersteigert. Es beginnt der Siegeszug der Klassischen Moderne, angeführt von den bis heute immer wieder Rekorde brechenden Werken Vincent van Goghs und Pablo Picassos.

"Fünfzehn Sonnenblumen in einer Vase" von Vincent van Gogh

"Fünfzehn Sonnenblumen in einer Vase" von Vincent van Gogh

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Japanische Käufer wie Yasuda, die Kaufhauskette Mitsukoshi, der Chef der Autorenn-Gesellschaft Nippon Autopolis, Tomonori Tsurumaki oder der Papier-Fabrikant Saitō Ryōei überbieten sich Ende der Achtziger, und van Gogh werden zu Markenprodukten und Prestigeobjekten. Auch ein neuer Mythos entsteht: Der des manischen Sammlers.   

"Legt das Bild in meinen Sarg, wenn ich sterbe", soll Saitō Ryōei ausgerufen haben, nachdem er 1990 das "Bildnis des Dr. Gachet" von Vincent van Gogh für damals atemberaubende 82,5 Millionen Dollar erworben hatte. Dort ist es zwar nachweislich nicht gelandet, doch nach Saitōs Tod ging seine Kunstsammlung an die Gläubigerbanken und Dr. Gachet verschwand im Dickicht aus Ver- und Rückkäufen bis zum heutigen Tag.

Kunstmarkt bricht in den frühen Neunzigern ein

Mit der Rezession in den frühen Neunzigern brach zunächst auch der Kunstmarkt ein. Erst 2004 ersteigerte ein Unbekannter Picassos "Jungen mit der Pfeife" für 104,2 Millionen Dollar und setzte einen neuen Rekord. Jackson Pollocks Actionpainting "No 5" von 1948 und Willem de Koonings Bild "Woman III" von 1953 markieren 2006 den Übergang des Kunstmarkts in eine neue Ära: Erstmals überschreiten Werke der Nachkriegskunst die 100 Millionen Dollar Schwelle. 2007 vermelden die wichtigsten Auktionshäuser Christie's und Sotheby's jeweils Jahresumsätze von 6,2 Milliarden Dollar – Spitzenwerte in der Geschichte der Mitte des 18. Jahrhunderts gegründeten Unternehmen. 

Eine Kunstauktion bei Sotheby's

Eine Kunstauktion bei Sotheby's (Symbolbild)

Die Finanzkrise 2007/2008 und die Pleite der Lehmann Brothers Investmentbank lässt auch den Kunstmarkt einknicken. Nicht nur Käufer bleiben zuhause, auch Verkäufer ziehen wichtige Werke zurück oder bleiben darauf sitzen. Als mit Edvard Munchs "Schrei" ein spektakulärer Klassiker der Moderne auf den Markt kommt, wird die bleierne Phase durchbrochen: 119,9 Millionen Dollar zahlt der amerikanische Investor Leon Black für das Gemälde.

Ein russischer Oligarch zieht kurze Zeit darauf die Rekordschwelle erneut Richtung Gegenwart: Roman Abramowitsch  ersteigert das Triptychon "Three Studies of Lucien Freud" von Francis Bacon im November 2013 bei Christie's in New York für 142,4 Millionen Dollar. Der Weltrekord wird nun von einem Bild gehalten, das 1969 entstand und dessen Urheber vor 21 Jahren gestorben ist. Die Rekordjagd ist im Bereich der zeitgenössischen Kunst angekommen. Und zu dem kauf- und zeigefreudigen Russen gesellen sich die neuen ultrareichen Chinesen und die kunstsinnigen, über astronomische Summen verfügende Kataris.

"Salvator Mundi" von Leonardo da Vinci lässt alle Rekorde verblassen

Von diesem Moment an schlagen die Rekorde häufiger ein wie Meteoriten , aber mit viel größerem Getöse: 2015 und erneut 2018 erobern Gemälde von Amedeo Modigliani die Schlagzeilen der Fach- und Klatschpresse. "Nu couché" sichert sich der einstige Taxifahrer und heutige Milliardär Liu Yiqian für 170,4 Millionen Dollar, eine schwächere Variante des Gemäldes, "Nu Couché (Sur le Côté Gauche)" bringt 157,2 Millionen Dollar. 

Bevor der "Salvator Mundi" von Leonardo da Vinci 2017 alle bisherigen Rekorde verblassen lässt, trumpft 2015 noch einmal Pablo Picasso auf: Das Meisterwerk "Les femmes d'Alger" zieht für 179,4 Millionen Dollar mutmaßlich bei einem Mitglied des katarischen Königshauses ein.

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