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Geburtstagsauftritt in Berlin: Yoko Ono schreit sich ins 81. Lebensjahr

Wo andere zum bedächtigen Kaffeekränzchen laden, stöhnt Yoko Ono animalische Laute ins Mikro. Zu ihrem 80. Geburtstag lud die Konzeptkünstlerin und Lennon-Witwe zum Konzert in die Berliner Volksbühne.

John Lennon liebte sie, manche Beatles-Fans hassen sie bis heute. Yoko Ono hat immer polarisiert. Ihren 80. Geburtstag hat die Künstlerin am Sonntagabend mit einem Konzert in Berlin gefeiert. "Es gibt keinen Ort auf der Welt, den meine Mama so sehr liebt wie Berlin", sagte Onos Sohn Sean Lennon. Sie habe ihm immer Musik von Kurt Weill wie die "Dreigroschenoper" vorgespielt. "Ich habe die Volksbühne wegen Bert Brecht ausgesucht", bestätigte die Witwe von John Lennon. Sean Lennon scherzte, er habe eher an Hawaii als Ort der Geburtstagsfeier gedacht.

Ono meisterte den gut einstündigen Auftritt ungeachtet des stolzen Alters mit kräftiger Stimme und ihren traditionellen Schrei-Einlagen. "Wenn ich in meinen Songs schreie, ist es, als würde ich durch einen dunklen Tunnel zum Licht gehen", erklärte sie. Ganz in Schwarz und mit einem großen Zylinderhut tanzte die jetzt besonders zierlich wirkende Ono zur Musik über die Bühne.

Sean Lennon, der mit langem Haar, Bart und Brille seinem Vater sehr ähnlich sieht, verpasste der neu gebildeten Plastic Ono Band einen wuchtigen Rock-Sound. Ono sang alte und neue Songs, einer war sogar nur gerade einmal eine Woche alt. Bei "Yes, I'm a Witch" bekam sie Unterstützung von der in Berlin lebenden Sängerin Peaches. Das Geburtstagsständchen stimmten die Songwriter Rufus und Martha Wainwright an, begleitet von Sean Lennon am Klavier. Ganz am Ende des Konzerts trat sie noch einmal allein vor das Publikum mit den Worten: "Ich wollte Ihnen nur noch einmal sagen, dass ich Sie liebe."

Viel mehr als nur John Lennons Witwe

Von Müdigkeit ist bei der zierlichen Frau mit der dunklen Sonnenbrille und der ruhigen Stimme nichts zu merken. "Ich habe das Gefühl, ich habe immer noch nicht genug gemacht. Um ehrlich zu sein, werde ich das Gefühl nicht los, überhaupt noch nichts erledigt zu haben", sagte sie noch wenige Tage vor ihrem Ehrentag. "Wenn ich also 80 werde, dann fange ich ein neues, ein zweites Leben an. Ich werde all das machen, was ich bisher nicht geschafft habe."

Yoko Ono wurde am 18. Februar 1933 in Tokio geboren. Ende der 1960er Jahre kreuzten sich die Wege der Konzeptkünstlerin der Fluxus-Bewegung und des Beatles-Sängers. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits zweimal verheiratet und Mutter einer Tochter. "In gewisser Weise ruinierten John und ich mit unserer Beziehung unsere Karrieren", sagte Ono viel später dem "Sunday Telegraph". Die willensstarke Avantgarde-Künstlerin verdrehte Lennon so mächtig den Pilzkopf, dass er und seine "Muse" oder "Göttin der Liebe" wie er sie nennt, fortan als unzertrennlich galten. 1969 heiratete das Paar - und die ganze Welt durfte am Liebesglück und den pazifistischen Happenings teilhaben: Die Flitterwochen verbrachten die Frischvermählten beim "Bed-In" im Hotelzimmer vor Journalisten - als Statement gegen Krieg: "Make love, not war!"

Umstrittene Nachlassverwalterin

Mit Ono wandelte sich der Musiker zum Hippie, trennte sich 1970 von den "Beatles". Fortan sang Lennon mit Rauschebart und wallenden Gewändern Friedenslieder, Ono krächzte und schrie dazu im Hintergrund. Doch Lennons Solokarriere scheiterte, der Musiker flüchtete sich in Alkohol und Rauschgift. Das Paar trennte sich und versöhnte sich wieder. Erst der gemeinsame Sohn Sean, der 1975 geboren wurde, sollte für Beständigkeit in ihrer Beziehung sorgen. Doch die fand fünf Jahre später ein jähes Ende: Am 8. Dezember 1980 erschoss Mark Chapman den Musiker vor dem pompösen New Yorker "Dakota"-Apartmenthaus, in dem Ono bis heute lebt. "Johns Tod war das Schlimmste", sagte sie später in Interviews.

Doch viele "Beatles"-Fans wollen ihr verzeihen, dass sie auf ihrer Platte "Season of Glass" ein Foto der blutigen Brille Lennons veröffentlicht. Bis heute gilt sie vielen Anhängern der Band als "Schwarze Witwe", als geldgieriger "Nachlasshai" und schuld an der Trennung ihrer Lieblingsgruppe. "In den letzten fünfzig, sechzig Jahren wurde ich beschimpft, wurden Lügen über mich verbreitet und Hassbriefe an mich geschickt", erzählte Ono dem Korrespondenten der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bei einem Gespräch im "Dakota". Den Hass habe sie "in positive Energie umgepolt". "So viel Energie war das, dass ich jetzt genug für zweihundert Jahre habe."

jwi/Manuela Imre, DPA / DPA