HOME

Interview mit Detlev Buck: "Angela als Hausdame - könnte witzig werden"

Der G8-Gipfel und die Kunst: Auch Filmemacher Detlev Buck hat sich engagiert und einen Werbetrailer für die "Small pieces for peace"-Ausstellung gedreht. Im stern.de-Interview spricht er über das Engagement seiner Musiker-Kollegen, den Gipfel als Chance und das Komödienpotential des Ereignisses.

Gerade hat Regisseur Detlev Buck den Deutschen Filmpreis für seinen Kinder- und Jugendfilm "Hände weg von Mississippi" erhalten. Ebenfalls in den Kinos ist derzeit sein einminütiger Werbetrailer für das Kinder-Kunst-Projekt "Small Pieces for Peace" des in New York lebenden Koreaners Ik-Joong Kang zu sehen. Schlafende und träumende Kinder, auf Spielplatz, am Straßenrand, im Einkaufswagen. Ik-Joong Kang hat Kinder aus aller Welt ihre Träume zeichnen lassen - und stellt sie zum Heiligendammer G8-Gipfel im benachbarten Bad Doberan aus.

Herr Buck, wie sind Sie auf das Projekt "Small pieces for peace" aufmerksam geworden? Kannten Sie die Projekte des Künstlers Ik-Joong Kang schon vorher?

Nein, habe ich vorher nicht gekannt. Maren Dey von der Galerie Alexander Ochs hat mich angesprochen, und ich war von der Idee der "Small pieces for peace"-Schau sofort überzeugt. Und habe diesen kleinen Trailer dann gedreht. Anna Thalbach hat den Text gesprochen und Marcus Loeber die Musik komponiert.

Was hat Sie an diesem Projekt überzeugt?

Schwer zu sagen. Es ist einfach ein schönes Gegengewicht zu all diesen schwierigen und weltbewegenden Themen, die auf diesem G8-Gipfel und in dessen Umfeld zur Sprache kommen. Hier zeichnen Kinder ihre Träume, kleine, aber magische Träume. Es ist doch toll, wenn ein Künstler sich mit der nachfolgenden Generation auseinandersetzen kann. Und nicht nach dem Motto handelt: nach mir die Sintflut. Es ist angenehm, dass jemand wie Ik-Joong Kang keine weitere Demonstration für den Frieden veranstalten muss, sondern einfach kleine Kinderzeichnungen ausstellt. Das ist viel kraftvoller als jede Demo.

Vor allem Rockstars wie Herbert Grönemeyer, Bono oder Bob Geldof machen im Schatten des G8-Gipfels Schlagzeilen - und Musik. Weitere Kollegen haben unter dem Motto "Move against G8" einen Sampler eingespielt.

Bob Geldof sagt, dass Deutschland mit dem Gipfel eine große Verantwortung trägt. Er nutzt diese Chance, öffentlich auf die Afrika-Problematik hinzuweisen. Und wenn man dann sagt "move against...", dann geht das doch in die falsche Richtung. Ich glaube, man muss doch letztendlich mit denen watscheln, denn G8 kann ja tatsächlich etwas bewegen, positiv, meine ich. Ob hinterher wirklich etwas geschaffen worden ist, kann man ja erst beurteilen, wenn die Auswirkungen registriert worden sind. Alles, was nachfolgenden Generationen zugute kommt, finde ich erstmal durchaus positiv.

Da engagieren sich vor allem Musiker, aber von Filmschaffenden ist so gut wie gar nichts zu hören oder zu sehen. Wo bleibt das Engagement Ihrer Branche? Sind Sie mit Ihrem Trailer die goldene Ausnahme?

Film ist eine sehr langsame Veranstaltung. Musik ist direkt, kann auf einem Konzert gespielt werden und ruft unmittelbar Gefühle und Reaktionen hervor. Film braucht manchmal bis zu einem Jahr, um fertig zu werden. Es ist einfach nicht das richtige Medium, um sich schnell und kräftig zu Wort zu melden. Deshalb sind wir Filmschaffenden meist auf andere Formen des Protests angewiesen. Auch Demonstrationen sind super, wenn man damit tatsächlich etwas erreichen könnte.

Nehmen Sie den Superstars Bono, Grönemeyer und Geldof ihr Engagement ab? Kritiker sagen, dass da auch eine geschickte Marketingstrategie dahinter stecken könnte.

Nee, das glaub ich nicht. Ich finde Bonos Aktionen erst mal positiv. Dagegen etwas zu sagen, ist dämlich, und das Vorurteil ein wenig banal. Dass man Leute mobilisiert, emotionalisiert oder anspricht - davon lebt ja gute Musik. Musik ist viel schneller als Film. Film ist ein ganz anderer Prozess. Man muss sich ja erst was ausdenken, es dann abbilden, vorher Schauspieler finden, ein Drehbuch haben, Schnitt machen, und dann kommt auch noch eine Musik dazu ... Das heißt nicht, dass man keine Stellung bezieht. Ich habe meine Stellung in einem Mini-Beitrag demonstriert, in diesem kleinen Werbefilm für die Bilder der Kinder. Und zeige: da wächst eine junge Generation heran, auf die man hören muss, für die man denken muss.

Was halten Sie persönlich von dem Spektakel, dass da in Heiligendamm veranstaltet wird?

Der G8-Gipfel ist ein Ansatz. Irgendwo muss man ja anfangen, deshalb lässt sich da erstmal nichts gegen sagen. Die Musiker rufen ja auch eher dazu auf, den Gipfel als Chance zu nutzen. Bob Geldof hat Deutschland zu seiner Verantwortung aufgerufen, und die dargebotenen Chancen zu nutzen.

Fahren Sie denn selbst hin?

Wie? Zum Zaun? (lacht) Ich schaue mir die Ausstellung "Small pieces for peace" an, weil ich das für eine sehr schöne Idee halte. Das Wichtigste einer Gesellschaft sind nun einmal die Kinder. Deutschland hat es ja nun auch langsam gemerkt. In den 90er Jahren war es das höchste Glück, seine erste Million zu verdienen und unabhängig zu sein. In den 90er Jahren waren Kinder nicht einmal ansatzweise im Bewusstsein.

Würde es Sie reizen, aus diesem Gipfel-Wahn eine Komödie zu machen?

Das würde mich schon interessieren, wie die sich dort alle verhalten. Das ist der letzte Gipfel von Blair, der erste von Sarkozy. Wie Angela versucht, Hausdame für ihre mächtigen männlichen Kollegen zu sein. Das könnte tatsächlich sehr witzig werden.

Interview: Almut F. Kaspar