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Kleopatra-Ausstellung: Dailysoap der Antike

Für die Regenbogenpresse wäre das Leben Kleopatras gefundenes Fressen: Affären mit den mächtigsten Herrschern, Verehrung als Göttin, ein tragischer Gifttod. Eine Hamburger Ausstellung überrascht mit ungewohnten Blicken auf die Femme fatale.

Wer war die ägyptische Königin Kleopatra (69-30 v. Chr.), die den mächtigsten Männern in Rom den Kopf verdrehte? Eine spektakuläre Kleopatra-Ausstellung im Bucerius Kunstforum in Hamburg will das Geheimnis der letzten Pharaonin lüften. Bereits vor der Eröffnung sorgte die Schau "Kleopatra und die Caesaren", die der weltweit anerkannte Experte hellenistischer Bildhauerei, Bernard Andreae, kuratiert, für Wirbel. Im Mittelpunkt der Ausstellung, die bis zum 4. Februar zu sehen ist, steht die "Venus vom Esquilin". Bei der 1,55 Meter großen Statue aus weißem Marmor, die zum ersten Mal Rom verlassen hat, soll es sich nach Auffassung Andreaes um eine Darstellung Kleopatras handeln.

Marc Anton verließ für Kleopatra seine Frau und wurde Ägypter

Großzügige Leihgaben aus bedeutenden Sammlungen ermöglichen erstmals die Gegenüberstellung der "Venus vom Esquilin" mit anderen Büsten der Antike, die Personen aus dem Lebensumfeld Kleopatras zeigen. So ihren Geliebten Julius Caesar (100-44 v. Chr.), dem sie mit ihrem gemeinsamen Sohn Caesarion nach Rom folgte, wo sie zwei Jahre bis zur Ermordung Caesars mit großem Hofstaat residierte. Kleopatra floh kurz darauf nach Ägypten. Dort traf sie Marc Anton, der sich die Macht mit Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, teilte. Marc Anton war von der Schönheit der Königin so fasziniert, dass er seine Ehefrau verließ, ägyptische Sitten übernahm und sich als Gott Osiris verehren ließ.

Andreae, der Jahrzehnte in Rom lebte und das dortige Deutsche Archäologische Institut (DAI) leitete, gelang es vor einigen Jahren, in Haifa (Israel) das einzige Porträt aufzuspüren, das es vom zweiten Kleopatra-Geliebten Marc Anton gibt. Zu sehen sind außerdem Statuen der drei Kinder, die Kleopatra mit ihm hatte. Mit ihnen wollte das Paar "die Welt beherrschen", wie Andreae ausführte. Um die Richtigkeit seiner umstrittenen These zu überprüfen, können die Besucher zum ersten Mal die "Venus vom Esquilin" mit den drei bislang bekannten Porträtköpfen der Kleopatra vergleichen - eine stammt aus dem Vatikanmuseum in Rom, eine aus dem Alten Museum in Berlin und die dritte von einem französischen Kunstsammler.

Anhand der biometrischen Merkmale könne man sofort erkennen, dass es sich nicht um die Göttin Venus, sondern um eine Darstellung Kleopatras handelt, ist Andreae überzeugt. Vor allem der geschwungene Mund mit der dicken Unterlippe sei "unverkennbar Kleopatra". "Wenn dieses Merkmal bei einer Statue in Rom wieder auftaucht, dann kann das kein Zufall sein", sagte Andreae am Donnerstag in Hamburg. Als weiteren Beweis führt der Archäologe die Schaukelfransenfrisur an, die es nur bei diesen Porträts gebe. Außerdem habe die Statue eine so genannte Gebärfalte, die Venus-Darstellungen nie hätten. "Dass diese Gestalt mit einer ägyptischen Herrscherin identifiziert wird, zeigt in jedem Fall die Uräusschlange, das Symboltier der Pharaonen, auf der ägyptischen Vase zu ihren Füßen."

Kleopatra als "Venus vom Esquilin" wäre ein Tabubruch

Und wo liegt die Brisanz dieser These, die von anderen Wissenschaftlern bezweifelt wird? Wenn Caesar seine Geliebte als Göttin darstellen ließ, dann hat der Republikaner damit ein Tabu gebrochen. Im Rechtssystem Roms wurde das Streben nach einem Königtum mit dem Tod bestraft. "Caesar hat die Monarchie einführen wollen und hat das mit dem Tod bezahlt", meint Andreae. Auch seiner Geliebten erging es einige Jahre später in Ägypten nicht besser - wie auf eindrucksvollen Gemälden in der Ausstellung zu sehen ist. Nach der Seeschlacht von Actium 31 v. Chr., in der Octavian das Heer Marc Antons besiegte, nahm Kleopatra sich mit Hilfe einer Giftschlange das Leben.

Carola Große-Wilde/DPA / DPA
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