Kulturhauptstadtjahr 2010 Schreiben für ein mietfreies Wohnen


Es ist ein ungewöhnliches Projekt: Drei Straßen sollen während des Kulturhauptstadtjahres zur Ausstellung werden. Für einige leerstehende Wohnungen müssen noch Bewohner gefunden werden. Aus der ganzen Welt sind Bewerbungen dafür eingegangen. Einzige Auflage: Die Mieter müssen als Autoren fungieren.

Ein Jahr mietfreies Wohnen war für 1400 Menschen Anreiz genug, sich auf eine weltweit geschaltete Anzeige zu melden. Von den Bewerbungen, die selbst aus Bagdad, Lima, Shanghai, Toronto und New York eintrafen, sind noch 236 im Rennen. Diejenigen, die am Ende ausgewählt werden, dürfen sich als Bestandteil des Kunstprojektes "2-3 Straßen" des Künstlers Jochen Gerz sehen. Drei komplette Straßen samt Einwohnern sollen während des Kulturhauptstadtjahrs 2010 zum Ausstellungsstück werden. Der in Irland lebende Konzeptkünstler Gerz will mit seiner Arbeit der Diskrepanz zwischen Kultur und Gesellschaft begegnen. Gegenstand der Ausstellung ist nichts anderes als der normale Alltag in den Straßen selbst.

"Die Wirklichkeit soll angeguckt werden", sagt Gerz über sein Projekt, das zugleich gesellschaftliches Experiment ist. "Wenn wir die gleiche Achtung und die Aufmerksamkeit für die Gesellschaft hätten, die wir der Kunst entgegenbringen, dann würde für die Gesellschaft etwas rüberkommen."

An dem Straßenprojekt in Dortmund, Duisburg und Mülheim sollen nicht nur die dort ständig lebenden Bürger teilnehmen. Gegen ein Jahr mietfreies Wohnen in leerstehenden, frisch renovierten Wohnungen sollen sich zudem die eigens angeworbenen Bewohner an dem Werk als "Autoren" beteiligen. Ziel ist ein Buch, das als kontinuierlich geschriebene Chronik am Ende des Projektes veröffentlicht werden soll. An ihr können sich auch Ausstellungsbesucher beteiligen. Geplant ist, in den Straßen Internet-Cafés einzurichten.

DPA/AP AP DPA

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