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Nazi-Raubkunst Münchner Kunstfund weckt Begehrlichkeiten


Der Fall der mehr als 1400 beschlagnahmten Bilder bleibt mysteriös. Wem gehören die Bilder? Diese Frage muss als nächstes beantwortet werden. Der Zentralrat der Juden fordert Klarheit.

Der sensationelle Kunstfund beim Sohn eines Kunsthändlers in München bleibt voller Rätsel. Wem die mehr als 1400 Bilder ursprünglich gehörten, wie sie in den Besitz des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt kamen, wo sich dessen 79-jähriger Sohn Cornelius heute aufhält - all das ist auch nach der Pressekonferenz der Augsburger Staatsanwaltschaft und der Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann vom Dienstag noch unklar. Der Zentralrat der Juden fordert eine schnelle Aufklärung des Falls.

"Spekulationen helfen hier nicht weiter. Wichtig sind jetzt Transparenz und ein zügiges Verfahren", sagte Zentralrats-Präsident Dieter Graumann der "Passauer Neuen Presse". "Schließlich geht es hier um Erben einstmals beraubter jüdischer Sammler, die nun späte Gerechtigkeit erfahren könnten, indem das Hab und Gut ihrer Familie wieder in ihren, den rechtmäßigen, Besitz kommt."

Den Staatsanwalt interessiert es nicht, wo Gurlitt ist

Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz hatte dagegen gesagt: "Die Ermittlungen haben Vorrang, ich kann nicht darüber spekulieren, wer Eigentümer von irgendwelchen Sachen sein kann." Wer glaube, Anspruch auf ein Werk zu haben, könne sich gern melden. Und Cornelius Gurlitts Verbleib sei unklar: "Ich weiß nicht, wo er sich aufhält, weil uns diese Frage gar nicht beschäftigt", sagte Nemetz.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, wurden einige Kunstwerke offenbar bereits nach Kriegsende von den Alliierten beschlagnahmt und von 1945 bis 1950 verwahrt. Das Blatt berief sich auf ihm vorliegende Protokolle, die die Alliierten von den Befragungen Hildebrand Gurlitts zu dessen Rolle als privilegiertem Kunsthändler im Dritten Reich anfertigten.

Eine an diese Protokolle angehängte Liste gibt demnach Auskunft über seine mehr als hundert Einzelwerke umfassende Privatsammlung, die zu diesem Zeitpunkt von den Amerikanern in Wiesbaden eingelagert war. Auf dieser Liste erscheinen allem Anschein nach auch einige der in Augsburg präsentierten Werke. Hildebrand Gurlitt forderte die Werke mit Erfolg von den Alliierten zurück, hieß es. Bis auf zwei Bilder wurde ihm 1950 demnach seine angebliche Privatsammlung zurückgegeben.

Zollfahnder hatten Gurlitts Sohn der Steuerhinterziehung verdächtigt und bei einer Hausdurchsuchung die Sammlung mit Werken von unschätzbarem Wert entdeckt und beschlagnahmt. Das war im Februar 2012 - aber erst nach einem Bericht des Magazins "Focus" machten die Behörden die Sensation jetzt publik.

Doch nicht einmal die Liste der Werke wird veröffentlicht. Die Ermittlungen gegen Cornelius Gurlitt seien noch nicht abgeschlossen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ihm werden Unterschlagung und Steuerdelikte vorgeworfen. Die Sammlung umfasst Werke von Picasso, Chagall, Nolde oder Beckmann, aber auch von älteren Malern wie Dürer, Spitzweg, Renoir oder Toulouse-Lautrec.

Welche Kunstwerke von den Nazis als sogenannte entartete Kunst in Museen, Galerien oder bei Sammlern beschlagnahmt und zum Verkauf an den Kunsthändler und Sammler Hildebrand Gurlitt übergeben worden waren, welche Gurlitt selbst vor oder nach 1945 gekauft hatte, ist unklar. Einige Kunstgegenstände aus der Sammlung seien als vernichtet oder veräußert bezeichnet worden, andere seien bisher unbekannt gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft.

anb/DPA DPA

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